Marktberichte

Verunsicherung pur Rekordtief bringt Euro ins Trudeln

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Der EZB-Zinsentscheid sorgt beim Euro für Abgabedruck.

(Foto: REUTERS)

Der erste Schlag sitzt: Die EZB senkt den Leitzins nochmals ab. Die Reaktion folgt am Devisenmarkt auf dem Fuß: Die europäische Gemeinschaftswährung fällt auf den tiefsten Stand seit mehreren Monaten.

Der Euro reagiert am Donnerstagnachmittag deutlich auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Gemeinschaftswährung fiel auf 1,3530 Dollar von knapp über 1,36 Dollar kurz vor der Zinsentscheidung. Das war der niedrigste Stand seit Anfang Februar. Das Tagestief hatte er sogar bei 1,3503 Dollar markiert. Die EZB legte den Referenzkurs auf 1,3567 Dollar fest nach 1,3627 Dollar am Mittwoch.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,20

Am Abend fing sich die Gemeinschaftswährung wieder. Sie eroberte die 1,36er Marke zurück und notierte um 1,3610 Dollar - während die Aktienmärkte ihre Gewinne wieder abgaben. Noch Anfang Mai war der Euro auf dem Weg zur 1,40 Dollar-Marke gewesen. Doch dann signalisierte EZB-Chef Mario Draghi die bevorstehende Lockerung der Geldpolitik für Juni. Nun legte er mit einem Strafzins von 0,1 Prozent nach.

Ein Schritt zuviel?

Das sorgte für Verunsicherung und Kritik: "Ich habe noch kein richtiges Gefühl dafür, wie das weitergehen wird", sagt ein Händler. "Die EZB hat sehr weitreichende Maßnahmen auf allen Ebenen getroffen", sagte ein Händler. "Das ist schon etwas überraschend."

Der Targobank ging die jetzt beschlossene Leitzinssenkung der EZB aber zu weit. Die Entscheidung der EZB, den Leitzins auf 0,15 Prozent abzusenken, vor allem aber der Beschluss für einen negativen Einlagezinssatz von minus 0,1 Prozent sei für den Euro-Raum völliges Neuland, sagte Chefvolkswirt Otmar Lang. Die Niedrigzinspolitik nehme immer extremere Züge an, obwohl schon die bisherigen Maßnahmen keinen wirklich durchgreifenden Erfolg gezeigt hätten. "Eines ihrer wichtigsten Ziele, nämlich die Banken zu einer großzügigeren Kreditvergabe an die Wirtschaft zu bewegen, hat die EZB bislang nicht erreicht", so Lang.

Die Einführung eines negativen Einlage-Zinses für die Banken von 0,10 Prozent sei zwar weitgehend erwartet worden, sagten Händler. Die Zusage, Tender bis mindestens Ende 2016 voll zuzuteilen, sei aber ebenso überraschend wie die beide neuen Geldspritzen im Volumen von 400 Milliarden Euro. Die Banken hatten in den vergangenen Jahren ihre für die Mindestreserve nicht benötigten Mittel bei der EZB in der Einlage-Fazilität oder auf den Zentralbank-Konten gehortet. "Das dürfte jetzt sehr unattraktiv werden", sagte ein Händler.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ