Marktberichte

Einkaufsmanager pessimistisch US-Anleger nicht

Weder die US-Arbeitsmarktdaten noch der US-Einkaufsmanagerindex gaben am Freitag viel Grund zur Freude. Doch die Börse schien sich über die schwache Konjunktur sogar noch zu freuen - immerhin wird dadurch eine Leitzinssenkung Mitte nächster Woche wahrscheinlicher. Der Dow Jones Index gewann 1,4 Prozent auf 8.518 Zähler. Noch besser schlug sich die Nasdaq, nach einem Start im Minus konnte sich der Technologieindex um 2,3 Prozent auf 1.361 Punkte ins Plus vorarbeiten.

Die vor Börsenbeginn veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten waren unter den Erwartungen geblieben. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, ging die Zahl der Beschäftigten im Oktober zum Vormonat saisonbereinigt um 5.000 zurück.Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Zuwachs um 7.000 Stellen gerechnet. Die Arbeitslosenquote stieg im Oktober auf 5,7 Prozent von 5,6 Prozent im September. Analysten hatten mit einer Quote von 5,8 Prozent gerechnet.

Auf den Börsenparkett hatte man sich offenbar auf noch schlechtere Zahlen eingestellt. Alles in allem seien die Daten nicht schlecht ausgefallen, meinte ein Händler. Die Zahlen zum US-Einkaufsmanagerindex dürften seine Meinung jedoch geändert haben. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex ist im Oktober im zweiten Monat in Folge gefallen und signalisiert damit ein weiter rückläufiges Geschäft der US-Industrie. Wie das Institut of Supply Management mitteilte, fiel der Index auf 48,5 von 49,5 Punkten im September.Analysten hatten einen etwas geringeren Rückgang auf 48,9 Zähler prognostiziert. Ein Index-Wert von über 50 Punkten deutet auf eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe hin, Werte darunter zeigen eine nachlassende Geschäftsaktivität des Sektors an.

Spannend war es für Microsoft. Am Abend hat Richterin Colleen Kollar-Kotelly das Urteil im Monopolverfahren gegen den weltweiten größten Softwarekonzern verkündet. Neun US-Bundesstaaten hatten einen Vergleich von Microsoft mit dem US-Justizministerium vom vergangenen November abgelehnt und ein härteres Urteil gefordert. Hintergrund des seit Jahren anhängigen Verfahrens ist der angebliche Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Microsoft beim Betriebssystem Windows. Die Nervösität im Vorfeld des Urteils machte sich auch auf dem Parkett bemerkbar, die Aktie fiel um 0,9 Prozent auf 53,00 Dollar. Nachbörslich dann das Aufatmen: die Klage der Bundesstaaten wurde abgewiesen, Microsoft kam mit einem blauen Auge davon. Die Aktie legte um rund 5 Prozent zu.

Einer der größten Gewinner an der Nasdaq war der Pharmakonzern Andrx. Das Unternehmen will sich mit den deutschen Schwarz Pharma und Merck bei der Vermarktung einer Nachahmerversion des Magenmittels Prilosec zusammenschließen. Alle drei Unternehmen waren an einem Patentstreit mit dem Pharmariesen AstraZeneca beteiligt, der im vergangenen Jahr mit diesem Mittel weltweit einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar erzielte. In dem Prozess wurde einzig Schwarz Pharma zugestanden, dass seine generische Version keine geltenden Patente verletze; die anderen beiden Unternehmen waren unterlegen. Mit der Kooperation kann Schwarz nun aber die Vertriebsmacht seiner zukünftigen Partner nutzen, die von der US-Gesundheitsbehörde FDA bereits ein exklusives Vermarktungsrecht zuerkannt bekommen haben. Im Gegenzug werden Merck und Andrx an den Gewinnen beteiligt. Die Aktie legte um 18,9 Prozent auf 18,37 Dollar zu.

Bristol-Myers Squibb und Imclone Systems haben bei der FDA den Antrag gestellt, mit zwei abschließenden klinischen Testserien für ihr Krebsmittel Erbitux beginnen zu dürfen. Obwohl Vertreter beider Unternehmen keine Aussage treffen wollten, wann das Medikament zur Marktreife gelangen könnte, legten die Aktie kräftig zu. Bristol-Myers verbesserte sich um 2,4 Prozent auf 25,21 Dollar, Imclone wurde mit 8,9 Prozent über dem Vortagesschluss bei 7,80 Dollar bezahlt.

Kräftig unter Druck standen die Aktien der Krankenhauskette Tenet Healthcare. Bei hohen Umsätzen brach der Kurs um 7,89 Prozent auf 26,50 Dollar ein. Wie am Donnerstagabend bekannt wurde, ermitteln die US-Behörden gegen zwei Ärzte eines kalifornischen Krankenhauses der Gruppe, die über drei Jahre hinweg aus finanziellen Gründen Hunderte von überflüssigen Herzoperationen durchgeführt haben sollen. Tenet versicherte unterdessen, dass sich die Vorwürfe ausschließlich gegen die Ärzte, nicht aber gegen das Unternehmen richteten.

Quelle: ntv.de

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