Marktberichte

Italien-Wirrwarr kostet Punkte US-Börsen scheuen

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Italien ist wieder Euro-Sorgenkind Nummer eins. Die Anleger an Wall Street reagieren geradezu panisch.

(Foto: REUTERS)

Die Wall Street verheddert sich im italienischen Wahlwirrwarr. Aus Furcht vor einer neuen Euro-Ungewissheit gehen die New Yorker Börsenbarometer kräftig in die Knie gehen. Der Dow verliert über 200 Punkte. Der prozentuale Rückgang des S&P-500-Index ist so stark wie seit Anfang November nicht mehr.

Das Schreckensszenario einer politischen Blockade im klammen Euro-Land Italien hinterlässt Spuren an den Finanzmärkten, diesseits wie jenseits des Atlantiks. Sowohl die New Yorker Börsen, als auch die europäische Gemeinschaftswährung gehen auf Talfahrt.

Der Dow Jones Industrial verlor in der letzten Handelsstunde seine zuvor mühsam verteidigte Gelassenheit völlig und erlitt den größten Tagesverlust seit dem 7. November 2012. Immer wieder neue Hochrechnungen, die einmal die eine und mal die andere Seite auf der Siegerstraße sahen, verunsicherten die Anleger schließlich völlig. Auch beim Ertönen der Schlussglocke an der New Yorker Börse war nicht klar, wie die zukünftige italienische Regierung aussehen wird oder ob es gar zu Neuwahlen kommt.

Der Dow verlor schließlich 1,55 Prozent auf 13 784,17 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq gab der Composite-Index um 1,44 Prozent auf 3116,25 Punkte nach. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 1,33 Prozent auf 2700,97 Punkte.

Der S&P 500 gab prozentual so stark nach wie seit Anfang November nicht mehr an einem Tag. Er büßte 1,83 Prozent auf 1487,85 Punkte ein. Mit der Zitterpartie um den Wahlausgang gewann bei den Anlegern die Furcht vor einem Ende des italienischen Reformkurses und Rückschlägen bei der Stabilisierung der Währungsgemeinschaft die Oberhand. "Wir wollen nicht wieder mit der Angst um ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone konfrontiert werden", sagte Art Hogan von Lazard Capital Markets. Besonders unter Druck gerieten Aktien der Finanzbranche, die Italiens massive Schuldenprobleme schmerzhaft zu spüren bekommen könnten.

Angst vor Wiederaufflammen der Euro-Krise

Der Euro verlor ein Prozent auf 1,3051 US-Dollar. In Frankfurt schloss der Dax nach ungewöhnlich hohen Umsätzen 1,5 Prozent fester bei 7773 Zählern, nachdem er am Vormittag bis zu 2,6 Prozent zugelegt hatte - als es noch nach einem Wahlsieg der Reformer in Italien aussah. Wie auch andernorts in Europa hatte der Wahl-Krimi die deutschen Aktienmärkte fest im Griff.

Wegen des unklaren Wahlausgangs hatten die Aktienmärkte in Europa bis Handelsschluss bereits einen Teil ihrer zunächst kräftigen Kursgewinne wieder abgegeben. Beim Votum in Italien dürfte jüngsten Hochrechnungen zufolge kein Bündnis genug Stimmen für eine Regierungsbildung errungen haben. Das Land steuert damit auf ein politisches Patt zu - das genaue Gegenteil dessen, was sich auch die Märkte für die drittgrößte Volkswirtschaft der europäischen Währungsunion in dieser entscheidenden Phase gewünscht hätten.

Applaus für Barnes & Noble

In New York fiel der KBW-Banken-Index um 2,7 Prozent. Gegen den Abwärtstrend des Dow stemmte sich die Buchhandelskette Barnes & Noble, deren Anteilsscheine mehr als elf Prozent in die Höhe schossen. Die Anleger spendeten damit Beifall für Pläne von Gründer und Direktoriums-Chef Leonard Riggio, die von ihm erschaffenen und inzwischen schwächelnden Buchgroßmärkte des Konzerns zu übernehmen. Damit könnte sich Barnes & Noble ganz auf das im digitalen Zeitalter zukunftsweisende Geschäft mit dem elektronischen Lesegerät Nook konzentrieren - einem Konkurrenzprodukt zum Kindle von Amazon. Amazon-Papiere gaben 2,1 Prozent nach.

Lichtblick an der Nasdaq war der Biotechkonzern Amgen, der von einer Negativ-Nachricht für die Konkurrenz profitierte. Ein Rivale zog ein Medikament zurück, das bei der Behandlung von Blutarmut mit Amgens Verkaufsschlager Epogen konkurriert. Amgen-Anteilsscheine schlossen 3,1 Prozent höher.

Die Aktien von Affymax brachen um 85 Prozent ein. Das US-Unternehmen und die japanische Takeda Pharmaceutical hatten ihr jüngst zugelassenes Anämie-Präparat für Dialysepatienten mit dem Namen Omontys freiwillig zurückgerufen. Die Papiere von Chesapeake Energy sackten um mehr als 5 Prozent ab, nachdem der Konzern einen Anteilsverkauf an einem Ölfeld in Oklahoma an China Petrochemical beschlossen hatte, und zwar zu einem deutlich geringeren Wert als geschätzt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 820 Mio. Aktien den Besitzer. 664 Werte legten zu, 2369 gaben nach und 79 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von etwa 1,9 Mrd. Aktien 465 im Plus, 2041 im Minus und 90 unverändert.

Quelle: ntv.de, DJ/rts

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