Marktberichte

Munteres Kandidatenraten für die Fed US-Börsen verarbeiten Konjunkturdaten

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Zahlen von der Konjunkturfront lassen die New Yorker Börsen getrennte Wege gehen. Die Konsumlaune in den USA lässt überraschend stark nach. Auch die Einzelhandelsumsätze bleiben hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig legen die Erzeugerpreise deutlich zu.

Die Börsen in New York haben unterschiedlich auf uneinheitliche Wirtschaftsdaten reagiert. Anleger werteten neue Konjunktursignale als Bestätigung, dass die US-Notenbank (Fed) ihre Konjunkturhilfen nun langsam zurückschrauben wird.

Investmentstratege Darrell Cronk von Wells Fargo Private Bank sagte, es ändere sich nichts an der Aussicht, dass die Fed ihren Kurswechsel nach der nächsten geldpolitischen Sitzung am Mittwoch beschließen werde. Bis dahin dürfte es seinen Worten zufolge an den Börsen wohl keine großen Ausschläge geben. "Wir werden uns wahrscheinlich etwas seitwärts bewegen - wenigstens bis zum Fed-Treffen kommende Woche", prognostizierte Cronk.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann fast 0,5 Prozent auf 15.376 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 0,3 Prozent auf 1687 Zähler. Die Technologiebörse Nasdaq tendierte rund 0,2 Prozent fester bei 3722 Punkten.

Die Blicke der Wall Street sind bereits auf die kommende Woche gerichtet. Mit Spannung wird auf die Sitzung der US-Notenbank am Dienstag und Mittwoch gewartet.

Nachdem die jüngsten Konjunkturdaten mehrheitlich überzeugt haben, wird mit einer Einschränkung des aktuellen Anleihekaufprogramms der Fed gerechnet. Allerdings herrscht über den Umfang weiter Unklarheit. "Mit der Fed-Sitzung in der kommenden Woche und den anhaltenden Unsicherheiten bezüglich der Syrien-Krise ist es verständlich, dass sich die Investoren zurückhalten", sagte Analyst Max Cohen von Spreadex.

Gemischte US-Daten

An der Entscheidung der Fed dürften auch die schwächer als erwarteten Umsätze des US-Einzelhandels für August nichts ändern. Diese stiegen im Vergleich zum Vormonat nur um 0,2 Prozent. Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Dafür sind die Juli-Daten auf plus 0,4 Prozent hochrevidiert worden, nach zunächst vermeldeten plus 0,2 Prozent.

"Ohne die Pkw-Verkäufe sind die Einzelhandelszahlen überraschend schlecht ausgefallen. Das spricht gegen eine grundsätzlich intakte Kauflaune in den USA", merkte ein Händler an.

Der Inflationsdruck auf Erzeugerebene in den USA ist derweil im August deutlich zurückgegangen. So stiegen die Erzeugerpreise mit einer Jahresrate von nur noch 1,4 Prozent. Im Juli hatte die Teuerung 2,1 Prozent betragen und im Juni 2,5 Prozent. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Erzeugerpreise auf Endproduktebene um 0,3 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Ohne die volatilen Preise von Nahrungsmitteln und Energie blieben die Erzeugerpreise auf Monatssicht unverändert, nachdem sie in den neun vorangegangenen Monaten gestiegen waren.

US-Konsumlaune lässt nach

Die Furcht vor steigenden Zinsen hat den Amerikanern derweil die Konsumlaune verdorben. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel im September überraschend um 5,3 auf 76,8 Punkte, wie die monatliche Umfrage von Thomson Reuters und der Universität von Michigan ergab. Das ist der niedrigste Wert seit April. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 82,0 Zähler gerechnet.

Nach den Worten von Umfrage-Leiter Richard Curtin geht der Rückgang "auf wachsende Sorgen vor höheren Zinsen zurück, die sowohl den Aufschwung als auch die Zahl der neuen Jobs dämpfen könnten". Die Hypothekenzinsen sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, weil die US-Notenbank Fed den Ausstieg aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik signalisiert hat.

Wer wird Fed-Chef?

Mit Interesse wird auch auf die Diskussion um die Nachfolge von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke geschaut. Die japanische Zeitung "Nikkei" hatte berichtet, der frühere US-Finanzminister Lawrence Summers solle nächster Präsident der US-Notenbank werden. Dies hat das Weiße Haus mittlerweile allerdings als falsch zurückgewiesen. In Washington gilt es als ausgemacht, dass Obama das Mandat von Bernanke nicht erneuert. Als Kandidatin gilt auch die derzeitige Vize-Chefin der Federal Reserve, Janet Yellen. Mit einer Entscheidung des Präsidenten wird nicht vor Ende nächster Woche gerechnet.

Unternehmensmeldungen sind zum Wochenausklang rar. Die US-Bank JP Morgan will ihre Risikokontrolle offenbar mit erheblichem finanziellen und personellen Aufwand aufstocken. Das Institut wolle zusätzliche 4 Milliarden US-Dollar ausgeben und 5.000 weitere Mitarbeiter beschäftigen, um seine Risiko- und Compliance-Probleme aus der Welt zu schaffen, sagten mit der Bank vertraute Personen. Für die Aktie ging es 0,7 Prozent nach oben.

Intel profitierten mit plus 3,6 Prozent von einer Hochstufung. Die Analysten von Jefferies nennen eine ganze Reihe von Gründen, die für Intel sprechen. Folgerichtig raten sie zum Kauf der Aktie. Sie stufen die Aktie auf "Buy" von zuvor "Hold" hoch und erhöhen das Kursziel auf 30 von zuvor 27 Dollar. Der Halbleiterkonzern untermauere seine Marktführerschaft, indem er Chips mit geringerem Stromverbrauch, höherer Leistung und niedrigerem Preis als die der Konkurrenz anbiete. Daher dürfte Intel auch bei günstigen Tablets und Mobiltelefonen Marktanteile dazugewinnen. 

Mit Twitter und Chrysler könnten bald zwei weitere Unternehmen das Börsenparkett betreten. Der US-Kurznachrichtendienst teilte am Donnerstag mit, bei der US-Börsenaufsicht SEC Dokumente für eine Börsenplatzierung eingereicht zu haben. Die mögliche Rückkehr des US-Autobauers Chrysler an die Börse könnte Anfang nächsten Jahres über die Bühne gehen. Die Registrierung des IPO bei der Finanzaufsicht werde wahrscheinlich noch im September erfolgen, teilte die amerikanische Fiat-Tochter mit.

Quelle: n-tv.de, rts

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