Marktberichte

New Yorker Börsen verlieren leicht US-Wirtschaft beschert Dax Horror-Tag

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(Foto: picture alliance / dpa)

Das Wirtschaftswachstum in den USA kommt ordentlich ins Stocken. Der Dax rauscht in der Folge nach unten - an der Wall Street sind die Verluste jedoch gering. Der Grund: Ein schwacher Dollar stützt den US-Markt. Ein starker Euro schadet seinem europäischen Pendant.

Was für ein Rückschlag für den Dax: Steil nach unten ging es nach der Veröffentlichung enttäuschender Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum an der Frankfurter Börse: Der Dax stürzte um mehr als drei Prozent und unterschritt damit die 11.500-Punkte-Marke. Gleichzeitig stieg der Euro steil an und knackte schließlich den Wert von 1,11 Dollar. Grund dafür war vor allem die Schwäche des Dollars.

Im Konsens war erwartet worden, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal um ein Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist. Letztendlich waren es jedoch nur 0,2 Prozent. Angesichts der schwachen BIP-Zahlen dürfte die US-Notenbank, die sich am Abend zur weiteren Zinspolitik äußern könnte, sehr taubenhaft auftreten.

"Die von vielen Akteuren erwartete Zinserhöhung in den USA dürfte - wie von uns wiederum erwartet - für Juni vom Tisch sein", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research die Kursbewegungen. Er rechnet damit, dass der Euro seinen Erholungstrend nun fortsetzt. "Das Pendel wird daher in den kommenden Wochen eher Richtung US-Märkte ausschlagen", so Saurenz. Denn: Aktienmärkte seien vielfach Devisenmarktfolger geworden. Eine weitere Erkenntnis: "Die US-BIP-Zahlen zeigen auch, dass die großen Volkswirtschaften ohne geldpolitisches Doping kaum Wirtschaftswachstum auf die Beine stellen."

Deutschland: Lufthansa mit geringsten Verlusten

Lufthansa
Lufthansa 14,43

Der Dax schloss am Ende mit einem Minus von deftigen 3,2 Prozent bei 11.433 Punkten - sein Tagestief hatte er zuvor bei 11.411 Punkten markiert. Beim MDax zeigte sich ein Verlust von 2,8 Prozent auf 20.342 Zähler. Der TecDax büßte 2,6 Prozent auf 1605 Punkte ein. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 2,5 Prozent runter auf 3623 Punkte.

Dank guter Geschäftszahlen geht es für die VW-Aktie zunächst nach oben, am Ende verlor das Papier jedoch 4,0 Prozent. "Die Zahlen für das erste Quartal waren ordentlich, aber es dürfte ruhig noch etwas mehr sein," schrieb NordLB-Analyst Frank Schwope in einem Kommentar. Auch ein Börsianer stellte fest: "Man sieht, dass Volkswagen-Chef Martin Winterkorn einen guten Job macht - allerdings hatten einige Anleger gerade angesichts der guten Zahlen auf einen höheren Ausblick gehofft." Stattdessen sei die Prognose nur bestätigt worden. Das enttäusche etwas.

An der Dax-Spitze standen am Schluss Lufthansa, die im allgemeinen Abwärtstrend lediglich 1,0 Prozent verloren. Im monatelangen Tarifkonflikt mit der Vereinigung Cockpit ging Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf die Pilotengewerkschaft zu und bot ihr die Gesamtschlichtung zu allen offenen Tarifverträgen an. "Wir reichen Ihnen damit die Hand", sagte Spohr auf der Hauptversammlung in Hamburg.

Im MDax sackten ElringKlinger-Aktien nach einer Gewinnwarnung um 12,4 Prozent ab. "Zahlen und Ausblick enttäuschen", sagte ein Händler. Spitzenreiter im Nebenwerte-Index waren die Aktien von Südzucker, die 1,0 Prozent zulegten.

Drägerwerk
Drägerwerk 44,66

Besser als erwartet ausgefallene Quartalszahlen schoben die Aktien der Software AG zunächst an, danach sanken sie aber aufgrund von Gewinnmitnahmen um 2,1 Prozent. Drägerwerk waren mit einem Abschlag von 12,2 Prozent im TecDax der größte Verlierer. Der Medizintechnikkonzern war zum Jahresauftakt in die roten Zahlen gerutscht.

Nach der Platzierung neuer Aktien mussten auch Manz Federn lassen. Die Titel des Spezialmaschinenbauers fielen um 4,6 Prozent und gehörten damit zu den schwächsten TecDax-Werten. Das Unternehmen hat insgesamt 42 Millionen Euro für Zukäufe eingesammelt. Der Platzierungspreis lag bei 85 Euro.

Nach dem Einzug des BVB ins DFB-Pokalfinale zogen die im Kleinwerte-Index SDax gelisteten Aktien des Traditionsvereins um 1,2 Prozent an. Dortmund hatte den FC Bayern München am Vorabend im Elfmeter-Schießen aus dem Rennen geworfen.

USA: Dow Jones büßt weiter leicht ein

Dow Jones
Dow Jones 27.147,08

Unerwartet schwache Daten zum US-Wirtschaftswachstum halten die Wall Street weiter im Minus. Börsianer zeigten sich enttäuscht vom Bruttoinlandsprodukt, das im vergangenen Quartal wegen des starken Dollar und des kalten Winterwetters kaum noch zulegte.

Die Statistik passt in eine Reihe mauer Konjunkturdaten. Die US-Notenbank Federal Reserve ließ dementsprechend den Zeitpunkt der Zinswende offen. Sie beließ den Leitzins in der Spanne zwischen 0 und 0,25 Prozent.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notiert 0,4 Prozent tiefer und schließt bei 18.035 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verliert ebenfalls 0,4 Prozent auf 2106 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sinkt 0,6 Prozent auf 5023 Punkte.

Von Unternehmensseite kommen gemischte Quartalsbilanzen. Twitter schockte die Anleger mit einer gesenkten Umsatzprognose. Die Twitter-Aktie stürzt um 9 Prozent ab. Mastercard fallen um 1,5 Prozent. Der Kreditkarten-Anbieter steigerte seinen Gewinn deutlich.

Rohstoffe: Ölpreise wieder auf dem Weg nach oben

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 63,70

Die Ölpreise gingen am Nachmittag wieder nach oben. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete 65,25 US-Dollar und damit 61 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 91 Cent auf 57,97 Dollar.

Die Anleger halten sich vor der Veröffentlichung neuer Daten zu den US-Ölreserven zurück, hieß es aus dem Handel. Experten gehen davon aus, dass die Lagerbestände an Rohöl in der größten Volkswirtschaft der Welt einen neuen Rekord erreicht haben. Die Markterwartung liegt bei einem Anstieg um 3,3 Millionen Barrel. Die US-Regierung wird die Daten am Nachmittag veröffentlichen.

Asien: Tokio geschlossen, Shanghai wieder erholt

Die Aktienmärkte in Fernost haben vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank nachgegeben. Investoren realisierten nach der Kurs-Rally Gewinne, sagten Händler. Die Börse in Tokio blieb wegen eines Feiertags geschlossen. In Japan wird der Geburtstag des früheren Kaisers Hirohito gefeiert.

Angesichts fehlender Impulse fiel an den anderen Börsen der Handel schwach aus. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag knapp ein Prozent im Minus. Zum Wochenanfang hatte der Index noch den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht.

Die höchsten Verluste verbuchte der Aktienmarkt in Australien mit einem Rückgang von 1,6 Prozent. Dabei gaben Kurse von Unternehmen querbeet durch alle Sektoren nach. In Shanghai machte die Börse anfängliche Verluste im Handelsverlauf wieder wett. Seit Jahresanfang hat der Index rund 40 Prozent zugelegt.

Quelle: n-tv.de, kst/DJ/rts/dpa

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