Marktberichte

Lockerungen zu zügig? Wall Street hat Hoffnung - und neue Sorgen

3841022f7f3f6d559e42c3dbc5760ea2.jpg

(Foto: AP)

Die USA stehen vor ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen. An der Börse sorgt das einerseits für Hoffnung. Andererseits gibt es Befürchtungen, das dies zu schnell gehen könne.

Die Wall Street hat sich am Montag uneinheitlich präsentiert. Zwar stützten die globalen Lockerungen nach den Coronavirus-Beschränkungen etwas die Stimmung, andererseits schürten diese Maßnahmen auch neue Ängste. Denn in einigen Staaten könnten die Lockerungsschritte zu zügig und möglicherweise auch zu früh erfolgt sein. So wurde aus Südkorea die höchste Anzahl an Neuinfektionen seit einem Monat gemeldet und in Deutschland stieg die Infektionsrate ebenfalls wieder. Händler sprachen von der Sorge einer zweiten Welle an Infektionen - möglicherweise auch in den USA. "Wir werden mit der Unsicherheit dieses Nachrichtenflusses zwei Schritte vorwärts und einen zurück leben müssen", sagte Chefmarktstratege Christopher Smart von Barings.

In den USA wollen die Bundesstaaten Kalifornien, New York und Ohio das Wirtschaftsleben in den nächsten Tagen wieder in Gang setzen. Finanzminister Steven Mnuchin stellte indes neue Ausgaben in Aussicht und nannte eine Gesamtsumme von 3 Billionen Dollar. Und der US-Notenbankpräsident von Chicago, Charles Evans, hielt eine moderate Erholung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte für möglich. Der zuletzt nicht ganz so schlimm wie befürchtet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht sei nur ein kleiner Lichtblick gewesen, ergänzte ein Marktbeobachter. Die Situation in den USA rund um die Pandemie bleibe weiter angespannt und die Diskussion über Ausmaß und Dauer der Rezession halte an. Analysten warnten vor weiteren Abwärtsrevisionen bei den Gewinnschätzungen der Unternehmen.

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 9.608,37

In dieser Gemengelage verlor der Dow-Jones-Index 0,4 Prozent auf 24.222 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten dagegen um knapp einen Zähler und 0,8 Prozent zu. Die Nasdaq wurde vor allem durch Aufschläge bei Apple gestützt. Den 1.036 (Freitag: 2.109) Kursgewinnern an der NYSE standen 1.901 (828) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 64 (52) Aktien.

Die Ölpreise zeigten sich hoch volatil. Nach anfänglichen Verlusten schoben neue Maßnahmen aus Saudi-Arabien die Notierungen kurzzeitig nach oben. Saudi-Arabien will zur Stützung des weltweiten Ölpreises die tägliche Fördermenge nochmals deutlich senken. Doch die Sorgen vor einer zweiten Infektionswelle mit den damit verbundenen Nachfragerückgängen machten die Aufschläge wieder zunichte. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sank um 2,4 Prozent auf 24,14 Dollar, für europäisches Erdöl der Sorte Brent ging es um 4 Prozent auf 29,63 Dollar nach unten.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 36,52

Am Devisenmarkt legte der ICE-Dollarindex um 0,3 Prozent zu - der Euro schwächelte. Analysten sahen die Gefahr, dass der Konflikt zwischen Bundesverfassungsgericht und Europäischem Gerichtshof um die Staatsanleihekäufe der EZB einen Kursrutsch des Euro zum Dollar hervorrufen könnte. Die EU-Kommission drohe Deutschland schon unverhohlen mit Bestrafung, falls die Bundesbank aus der gemeinsamen Politik aussteige, hieß es. Für die Euro-Wechselkurse sei das ein nicht unerhebliches Risiko.

Der Goldpreis fiel mit der Dollar-Stärke, die Feinunze des Edelmetalls verbilligte sich um 0,3 Prozent auf 1.698 Dollar. Allerdings könnte die Goldpreisrally mit den neuen Spannungen zwischen China und den USA und einer möglichen zweiten Infektionswelle schnell wieder in Gang kommen, hieß es.

Mit leichten Abschlägen zeigte sich der US-Rentenmarkt. Im Blickpunkt standen die zahlreichen im Wochenverlauf anstehenden Emissionen von US-Staatsanleihen. So werden Papiere mit Laufzeiten von drei, zehn und 30 Jahren begeben. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg um 2,0 Basispunkte auf 0,71 Prozent.

Nvidia
Nvidia 314,30

Die Apple-Aktie zeigte sich mit Aufschlägen von 1,6 Prozent und stützte somit auch die technologielastige Nasdaq. Der Kurs des Technologiegiganten verbuchte den höchsten Schlusskurs seit rund drei Monaten. Händler verwiesen auf die nahende Dividendenausschüttung. Dividendenberechtigt sind Aktionäre, die das Papier zum Montagsschluss besitzen.

Die Aktien von Nvidia kletterten auf Rekordhoch. Die Titel des Grafikprozessorenherstellers stiegen um 3,2 Prozent. Händler verwiesen auf positive Analystenstimmen. Needham-Analyst Rajvindra Gill stufte die Aktie weiter mit "Kaufen" ein, erhöhte aber das Kursziel deutlich. Die Aktien von Abbvie legten um 4,7 Prozent zu. Der Pharmakonzern hatte mitgeteilt, dass die 62 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Allergan nun endgültig in trockenen Tüchern sei.

Under Armour
Under Armour 8,42

Der Sportartikelhersteller Under Armour muss angesichts der Einbußen durch die Coronavirus-Pandemie auf die Kostenbremse treten. Das Unternehmen sprach von deutlich gestiegenen Lagerbeständen und Ergebnissen unter Erwartung. Daher werden nun auch die Investitionen heruntergefahren. Die Aktie knickte um 9,7 Prozent ein. Marriott International sanken um 5,6 Prozent. Der Hotelbetreiber warnte vor einem herben Gewinnabsturz wegen der vielen geschlossenen Hotels.

Quelle: ntv.de