Marktberichte

Wackelt der Rekord? Wall Street holt Luft

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Der Immobilienmarkt sorgt für Gesprächsstoff.

(Foto: REUTERS)

Die Überraschung kommt vom Immobilienmarkt: Die Zahl der verkauften Neubauten legte unerwartet zu. Zuletzt geben die US-Börsen auch die Richtung an den Märkten auf dem alten Kontinent vor. Im Fokus steht dabei vor allem der S&P 500.

Die US-Börsen haben sich nach den Abgaben des Vortages kaum verändert präsentiert. Der Dow-Jones-Index gewann 0,1 Prozent auf 16.198 Punkte, der S&P 500 verharrte bei 1845 Zählern. Der Composite der technologielastigeren Nasdaq schloss bei 4285 Zählern.

In den beiden vergangenen Tagen hatte der S&P-500-Index zweimal ein Rekordhoch getestet - es auf Schlusskursbasis aber jeweils verfehlt. Zu Beginn nahm der Index einen kurzen neuen Anlauf und markierte kurz ein neues Hoch, fiel dann aber wieder zurück.

Sollte der Index nach zuletzt mehreren vergeblichen Anläufen erneut an der Widerstandsmarke von 1850 Punkten scheitern, könnte es mit den Kursen erst einmal abwärts gehen, hieß es aus dem Handel. Sollte die Hürde aber nachhaltig genommen werden, dürfte dies für deutliche Aufschläge sorgen.

Auf zwei gegensätzliche Phänomene machte indes ein Händler aufmerksam: Während zuletzt die europäischen Börsen vor der Schlussglocke mit Käufen nach oben getrieben worden sind, ging es in den USA im Schlussgeschäft jeweils abwärts. "Möglicherweise schichten einige Anleger aus US-Aktien in europäische Titel um", vermutete der Händler.

Immobilienmarkt überrascht

Auf der Konjunkturagenda standen lediglich die Neubauverkäufe für Januar. Demnach hat sich der Immobilienmarkt in den USA trotz der anhaltenden Kältewelle zu Jahresbeginn überraschend belebt. Der Eigenheimabsatz stieg im Januar auf den höchsten Wert seit fünfeinhalb Jahren, wie das Handelsministerium mitteilte. Die Zahl der verkauften Neubauten kletterte im Vergleich zum Dezember um 9,6 Prozent auf eine Jahresrate von 468.000 Einheiten. Das ist der höchste Wert seit Juli 2008. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 400.000 gerechnet. Investoren warteten aber vor allem auf die BIP-Daten aus den USA am Freitag, um ein genaueres Bild über den Stand der US-Konjunktur zu erhalten.

Unternehmensseitig hat die Baumarktkette Lowe's Quartalszahlen vorgelegt, die die Erwartungen knapp verfehlt haben, wenngleich das flächenbereinige Umsatzwachstum von 3,9 Prozent positiv gesehen wird, da es nur knapp hinter dem des Rivalen Home Depot zurückblieb. Die Aktie gewann 5,2 Prozent, gestützt von einer Aufstockung des Aktienrückkaufprogramms auf 5 Milliarden Dollar. Für Home Depot ging es um 0,8 Prozent nach oben.

Einzelhändler im Blick

In den Fokus rückten auch Einzelhandelswerte rücken. Bei Target fielen die Ergebnisse nicht so schlecht aus wie das Unternehmen noch im Vormonat prognostiziert hatte. Der Gewinn in den USA lag am oberen Ende der gesenkten Spanne und die Verluste in Kanada waren nicht so hoch wie befürchtet. Für die Aktie ging es 7 Prozent nach oben.

Das Unternehmen befürchtet allerdings wegen des massiven Datendiebstahls auf Jahre hohe Sonderlasten. Die Attacke werde die Geschäfte im laufenden Quartal, in diesem Jahr und auch danach dämpfen, teilte der Branchendritte mit. Kriminelle hatten vor Weihnachten die Daten von bis zu 70 Millionen Kunden gestohlen. Der Gewinn brach im Schlussquartal 2013, das wegen der Feiertage besonders wichtig ist, bereits auf 520 Millionen Dollar ein. Ein Jahr zuvor war er noch fast doppelt so hoch gewesen.

Der Datenklau selbst kostete Target bisher 61 Millionen Dollar, davon übernahm die Versicherung 44 Millionen. Für den Umsatz 2014 wollte das Unternehmen entgegen seiner üblichen Praxis keine Prognose abgeben. Das resultiert nach Meinung von Beobachtern aus der Unsicherheit, wie lange Kunden die Handelskette weiter "boykottieren" werden.

J.C. Penney wird nach Handelsende Ergebnisse für das Schlussquartal 2013 vorlegen. Hier erwarten die Analysten einen Verlust von 0,81 Dollar je Aktie. Im Vorfeld verteuerte sich die Aktie um 1,7 Prozent.

Derweil bricht US-Modekette Abercrombie & Fitch das Geschäft immer weiter weg. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stürzte sogar um 58 Prozent auf 66,1 Millionen Dollar ab. Zumindest konnten die Amerikaner mit ihrem Gewinn im vierten Quartal des am 1. Februar beendeten Geschäftsjahres die Markterwartungen übertreffen. Mit Preisnachlässen wurden einige Kunden zurückgewonnen. Auch Kostensenkungen wirkten sich positiv aus. Im US-Handel stiegen die Papiere um 11,2 Prozent. Sie hatten im vergangenen Jahr allerdings 25 Prozent an Wert eingebüßt.

Wacker hat sich größte US-Buchhändler Barnes & Noble im dritten Quartal gehalten. So wies das Unternehmen für das dritte Geschäftsquartal einen höher als erwarteten Gewinn je Aktie aus. Die freien Barmittel waren mit 490 Millionen US-Dollar doppelt so hoch wie im Vorjahr, wohl auch weil die Bestände des Lesegeräts Nook deutlich abgebaut wurden. Die Aktie stieg um 4,2 Prozent.

Steil bergab ging es dagegen mit dem Kurs von First Solar. Er rutschte um 9,2 Prozent ab. Der Solarmodulbauer musste einen Gewinneinbruch um 58 Prozent hinnehmen.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ