Marktberichte

Russland-Sanktionen und Zinswende Wall Street kommt nicht hoch

47593031.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Die US-Konjunkturdaten bleiben unverändert positiv und signalisieren ein solides Wachstum. Die Anleger registrieren das derzeit jedoch mit gemischten Gefühlen. Mit der spürbar stärkeren Konjunktur rückt auch die Zinswende immer näher.

Neue Sanktionen der USA gegen Russland haben die Wall Street zum Wochenschluss belastet. Vor allem Energieaktien reagierten mit Kursverlusten auf die Strafmaßnahmen. Für einen Paukenschlag in einem ansonsten eher trägen Handel sorgten Marktgerüchte über einen angeblichen Einstieg von Google bei Ebay. Schon vorher hatte die Angst vor einer baldigen Zinswende in den USA hat die Börsianer wieder mal fest im Griff, zumal sich die US-Notenbank kommende Woche trifft.

Dow Jones
Dow Jones 25.610,00

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,4 Prozent auf 16.987 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,6 Prozent auf 1985 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,5 Prozent auf 4567 Punkte.

Wenig Impulse lieferten Daten vom Einzelhandel. So haben die Geschäft der Unternehmen im August spürbar an Fahrt gewonnen - wie erwartet. Die Umsätze kletterten um 0,6 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium mitteilte. Das deutliche Plus signalisiere, "dass die US-Konjunktur auch weiterhin vom privaten Konsum getragen wird", sagte Helaba-Analyst Johannes Jander.

Mehr Wirkung ging derweil vom überraschend stark gestiegenen Verbrauchervertrauen der Uni Michigan aus und drückten die Aktienkurse. "Der starke Aktienmarkt in den USA und die gesunkenen Benzinpreise haben die Stimmung aufgehellt", sagt ein Händler. Mit 84,6 Punkten liege der Umfragewert recht deutlich über den Konsensschätzungen. Die Zahlen "passen in eine Börsenwoche, die vor allem vom Thema steigende US-Zinsen bestimmt wurde", sagt der Händler.

Ansonsten rückte auch die Ukraine-Krise wieder in den Vordergrund. Das US-Finanzministerium gab weitere Sanktionen gegen Russland bekannt. Russischen Banken soll der Zugang zu den US-Kredit- und Aktienmärkten erschwert werden. Betroffen sind ferner die Öl- und Rüstungsindustrie. An der Wall Street setzte dies insbesondere Energiewerte unter Druck.An der Wall Street setzte das vor allem Energiewerte unter Druck. Der S&P-Branchenindex  gab 1,5 Prozent nach. Exxon Mobil verloren 1,3 Prozent, Conoco Phillips 1,2 Prozent. "Der Markt verarbeitet die Sanktionen, und einige Leute benutzen dies als Entschuldigung für Verkäufe", sagte Anlagestratege John Traynor von People's United Wealth Management.

Im Rampenlicht standen Ebay-Aktien, die bei hohen Handelsumsätzen bis zu 4,7 Prozent stiegen. Händler verwiesen auf Marktgerüchte, wonach Google einen großen Anteil an dem Online-Händler kaufen könnte. Ebay erklärte daraufhin, es habe keine Gespräche mit Google über ein solches Vorhaben gegeben. Das drückte den Kurs wieder etwas lagen die Papiere noch 2,9 Prozent im Plus. Google gaben rund ein Prozent nach.

Einzelhandelstitel profitierten von steigenden Umsätzen der Branche, die im August im Vergleich zum Vormonat erwartungsgemäß um 0,6 Prozent zulegten. Der Branchenindex von Morgan Stanley für die Einzelhändler kletterte um 0,7 Prozent. Best Buy und Staples zogen jeweils um 3,4 Prozent an.

Ohne Wirkung blieb für das Twitter-Papier der gute Verkauf der Wandelanleihe. Der Kurznachrichtendienst kann sich angesichts hoher Nachfrage deutlich mehr Geld am Anleihemarkt besorgen als zunächst geplant. Die beiden Wandelanleihen könnten ein Gesamtvolumen von zwei Milliarden US-Dollar haben, knapp die Hälfte davon ist schon platziert. Das Papier schloss 1,0 Prozent tiefer.

Die Hertz-Aktie tauchte am Ende doch noch mit 0,2 Prozent leicht ins Minus ab. Offenbar reagiert das Unternehmen auf eine Einigung mit dem streitbaren Großanleger Carl Icahn. Der Autovermieter hat sich den Forderungen Icahns gebeugt und drei Vertraute des Milliardärs in den Board aufgenommen, um einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Im früheren Wochenverlauf war Hertz-Chairman und CEO Mark Fissora von seinem Amt zurückgetreten. 

Auf Anerkennung stieß die Strategie des neuen Sprint-Chefs Marcelo Claure. Diese sieht unter anderem Kostensenkungen, wettbewerbsfähige Preise und die Verbesserung des Netzes vor. JP Morgan erhöht die Ebitda-Schätzung für das laufende Kalenderjahr. Auch Wells Fargo ist begeistert und glaubt, dass Sprint die Zahl seiner Kunden nun schneller steigern wird. Das Papier legt 6,5 Prozent zu.

In Frankfurt schloss der Dax mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 9651,13 Punkten. Für Nervosität unter den Anlegern sorgten das nahende Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands sowie die anstehende Sitzung der US-Notenbank Fed.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 690 Millionen Aktien den Besitzer. 631 Werte legten zu, 2459 gaben nach und 100 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,75 Milliarden Aktien 872 im Plus, 1818 im Minus und 139 unverändert.

Die US-Kreditmärkte gaben nach. Die zehnjährigen Bonds verloren 23/32 auf 97-30/32. Die Rendite stieg auf 2,614 Prozent. Der 30-Jährige sank 1-24/32 auf 95-25/32 und rentierte mit 3,349 Prozent. Händler erklärten dies mit den guten Einzelhandelsdaten, die zu einer früher als bislang erwarteten Anhebung der US-Leitzinses beitragen könnten.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/rts

Mehr zum Thema