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Rekord trotz Krise Alles klar bei Ackermann

Die Deutsche Bank hat die Verschärfung der weltweiten Finanzkrise fast ohne neue Abschreibungen weggesteckt und 2007 einen Rekordgewinn eingefahren. Der Überschuss lag vorläufigen Zahlen zufolge mit 6,5 Mrd. Euro um sieben Prozent über dem Ergebnis von 2006, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstag mitteilte. Zwar brach der Nachsteuergewinn im Schlussquartal vor allem wegen Einbußen im Investmentbanking um 47 Prozent auf 969 Mio. Euro ein.

Damit übertraf das Institut aber die durchschnittlichen Analystenerwartungen und schnitt deutlich besser als ab als viele Konkurrenten, die mit Verlusten kämpfen. Auch für 2008 gab sich Vorstandschef Josef Ackermann trotz des anhaltend schwierigen Marktumfelds optimistisch, die Ziele zu erreichen.

Den Aktionären winkt eine Dividende für 2007 von 4,50 Euro. Im Jahr zuvor wurden 4,0 Euro je Aktie ausgeschüttet. Ackermann dürfte mit der Bilanz in dem schwierigen Marktumfeld zufrieden sein. Insbesondere, weil er sie an seinem 60. Geburtstag präsentieren durfte.

Marginale Wertberichtigungen

Anders als von einigen Anlegern befürchtet traf die Deutsche Bank kein Abschreibungsschock. Die Wertberichtigungen in Folge der nochmals verschärften Kreditmarktturbulenzen im letzten Vierteljahr 2007 bezifferte das Geldhaus mit weniger als 50 Mio. Euro netto. Damit summieren sich die krisenbedingten Abschreibungen 2007 insgesamt auf gut 2,3 Mrd. Euro - wenig verglichen mit zweistelligen Milliardenbeträgen bei vielen US-Wettbewerbern und der schweizerischen Großbank UBS. Ackermann hatte wiederholt deutlich gemacht, dass die Krise für sein Haus weitgehend abgehakt sei. Dennoch waren an den tief verunsicherten Finanzmärkten bis kurz vor Bekanntgabe der Zahlen Zweifel geblieben.

Das Vorsteuerergebnis sank im letzten Vierteljahr 2007 um 25 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro. Die neuen Abschreibungen seien ausschließlich bei zugesagten Großkrediten angefallen, die derzeit wegen des Marktumfelds nicht weiterverkauft werden könnten, erklärte die Bank. Im Geschäft mit zweitklassigen Hypotheken (Subprime), verbrieften Wohnungsbaukrediten oder anderen komplexen Schuldverschreibungen (CDOs) seien aber unter dem Strich keine weiteren Wertberichtigungen nötig gewesen. Die Bank hatte ihr CDO-Engagement im dritten Quartal auf unter eine Milliarde Euro zurückgefahren.

Probleme mit einem einzelnen Kunden

Völlig spurlos ging die Krise aber auch an der Deutschen Bank nicht vorbei. Im Investmentbanking, dem traditionellen Wachstumsmotor des Instituts, brach der Vorsteuergewinn um fast 60 Prozent auf 447 Mio. Euro ein. Im dritten Quartal hatte dort allerdings sogar ein Verlust in den Büchern gestanden. Vor allem im Geschäft mit strukturierten Anleiheprodukten sanken die Erträge, während die Bank im Devisen- und Geldmarkthandel sowie im Beratungsgeschäft Zuwächse verzeichnete.

Negativ zu Buche schlug eine auf 329 Mio. Euro deutlich erhöhte Risikovorsorge im Kreditgeschäft. Dies sei auf Probleme mit einem einzelnen Kunden im Investmentbanking zurückzuführen und kein Zeichen für eine allgemein erhöhte Ausfallgefahr, sagte ein Sprecher. In den Medien war zuletzt von einem wackelnden Milliardenkredit an den Immobilieninvestor Harry Macklowe in den USA die Rede. Das Institut bestätigte das aber nicht.

In der Finanzkrise erwies sich wie schon im dritten Quartal das Privatkundengeschäft als Treiber. Auch dank Kundenzuwächsen in Deutschland legte die Sparte ihr bestes viertes Quartal der Geschichte hin: Der Gewinn stieg um 13 Prozent auf 252 Mio. Euro. Die Kundenzahl weltweit kletterte 2007 auf vergleichbarer Basis um eine Million auf 13,8 Mio.

Belegschaft aufgestockt

Die Belegschaft wurde im vergangenen Jahr deutlich aufgestockt. Ende 2007 beschäftigte das Institut weltweit 78.291 Mitarbeiter, das waren fast 10.000 mehr als Ende 2006. "Der überwiegende Teil davon ist organisches Wachstum", sagte ein Banksprecher. Im Heimatmarkt zählte das größte deutsche Finanzinstitut mit 27.779 gut 1300 Mitarbeiter mehr als 2006. Die Deutsche Bank hatte vor ein paar Jahren heftige Kritik geerntet, weil sie trotz Rekordgewinne tausende Stellen abgebaut hatte.

Aufgrund der höheren Mitarbeiterzahl nahm der Personalaufwand im Schlussquartal 2007 um fünf Prozent auf 3,2 Mrd. Euro zu. Der Sachaufwand stieg um zehn Prozent auf 2,1 Mrd. Euro. Insgesamt lagen die Kosten des Instituts im Zeitraum von Oktober bis Dezember bei 5,5 Mrd. Euro, ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Ackermanns Vision

Für 2008 bekräftigte Ackermann die "Vision" eines Gewinns vor Steuern von 8,4 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr waren es 8,7 Mrd. Euro. In der Erklärung war aber zugleich von weiter herausfordernden Marktbedingungen und einem unsicheren Konjunkturumfeld die Rede. Dies dürfte Auswirkungen auf das Kapitalmarktgeschäft haben, warnte die Bank. In den vergangenen Wochen hatten an den Märkten die Zweifel zugenommen, dass das Geldhaus sein Gewinnziel für 2008 erreichen wird.

Bei Postbank "gesprächsbereit"

Ackerman signalisierte grundsätzlich Interesse an einer Fusion mit der Postbank. "Wenn jemand auf uns zukommt wegen der Postbank, sind wir gesprächsbereit", sagte er auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt. Ein Zusammengehen der beiden Institute wäre eine sinnvolle Lösung für Deutschland. Die Postbank ist auf Privatkunden spezialisiert und hat rund 15 Mio. Kunden.

In den vergangenen Wochen hatte es vermehrt Spekulationen um die Zukunft der Banktochter der Deutschen Post gegeben. Post-Chef Klaus Zumwinkel hatte gesagt, nach dem Fall des Briefmonopols eine Lösung für die mehrheitlich der Post gehörende Privatkundenbank zu suchen. In einem Medienbericht hatte es diese Woche geheißen, Zumwinkel schmiede an einem Bankriesen für Deutschland und habe bereits die Deutsche Bank und andere Institute kontaktiert. (Siehe link unter den Bildern rechts)

Quelle: ntv.de

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