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Milch-Macht als Ziel Bauern kämpfen

Der oberste Milchbauer Deutschlands, Romuald Schaber, ist wieder in Aktion. Mit einem Glas Milch in der Hand steht er neben Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) und Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Das Treffen ist eine Konsequenz aus dem zehntägigen Lieferstopp der Milchbauern. Der Durchbruch, den Seehofer vor zwei Wochen verkündet hatte, stand schon wenige Tage danach wieder infrage, weil Handelsketten einen Teil der Preiserhöhungen wieder rückgängig machten. "Es herrscht Unruhe draußen im Land", sagt Schaber bei diesem Spitzengespräch, dem ersten einer ganzen Reihe.

Nachdem alle ihr Glas Milch getrunken haben, geht es an die Arbeit. Seehofer, die Milchbauern, der Bauernverband und vier Ländervertreter können nicht über Preise verhandeln. Aber sie sprechen über die Rahmenbedingungen. Der Milchmarkt ist, so scheint es, ein Markt von David und Goliath. Auf der einen Seite gibt es wenige Handelskonzerne, die die Preise mit mehr als 100 Molkereien verhandeln. "Das ist ein Fall für das Kartellamt", sagt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Er spricht von Erpressung bei den Preisen.

Als Marktführer Aldi die Milch zugunsten der Bauern nicht wie Discounter Lidl um 10 Cent, sondern nur um sieben Cent pro Liter für Verbraucher verteuert hatte, war Lidl gleich nachgezogen. Lidl und Aldi wollen aber den Molkereien 10 Cent zahlen. Was die Bauern davon sehen, ist unklar - die Auszahlungen stehen im Juli an.

Milch-Paket in Planung

Seehofer will ein ganzes Paket an Maßnahmen schnüren, um den Milchbauern entgegenzukommen. Viele davon kommen aus Bayern, wo im September ein neuer Landtag gewählt wird. Seehofer will innerhalb der kommenden zwei Wochen auch mit Molkereien, Handel und Biobauern sprechen. Dabei geht es um stabilere Preise - in einer Zeit, in der die Preise so schwanken wie lange nicht. Noch im vergangenen Sommer waren die Bundesbürger aufgeschreckt über einen Preisanstieg bei Butter um bis zu 50 Prozent. Fast ein Jahr später geht es nun darum, dass die Milchpreise nicht sinken - zumindest für die Erzeuger.

In Brüssel will Seehofer für ein Hilfsprogramm für Milchbauern werben - denn im Jahr 2015 soll die Milchquote fallen, die in Zeiten von Milchseen und Butterbergen eingeführt worden war. Durch den Wegfall könnten die Preise sinken. Die Bauern wollen die Milchmenge begrenzen, um Preise schon jetzt zu stabilisieren. Sie schlagen vor, die Saldierung von Über- und Unterlieferungen zu verbieten.

Seehofer hält eine Mengenbegrenzung für fragwürdig, denn der Markt ist international. Außerdem wird über Fusionen der Molkereien gesprochen, um dem Handel mehr Macht entgegenzusetzen. Die Länder prüfen Mittel, um Anreize für Investitionen zu geben. Das Kartellamt soll ebenfalls Teil des Maßnahmenkatalogs werden, Details sind offen.

Der Einzelhandel weist die Kritik an der Preispolitik zurück. "Hier geht es ja nicht um Marktmacht, hier geht es um die Frage, ob man den Markt akzeptieren möchte", sagt der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Der Handel war bei dem Spitzengespräch am Donnerstag noch nicht an der Reihe, ein Treffen steht aber auch an. "Auf den Handel freue ich mich ganz besonders", sagt Seehofer mit einem Schmunzeln. Dann gebe es einen Exkurs über Marktwirtschaft. Auch eine andere Lösung hat er noch parat. Am Ende des Spitzengesprächs ruft er allen zu: "Trinken Sie Milch!".

Quelle: n-tv.de, von Marc-Oliver von Riegen, dpa

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