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Notenbank muss Erklärung abgeben Britischer Inflationssprung

Der kräftigste Preisanstieg in Großbritannien seit mehr als zehn Jahren hat die Bank of England erstmals zu einer offiziellen Inflations-Erklärung vor der Regierung gezwungen. Die Verteuerung von Milch und Benzin trieb die Preissteigerung nach amtlichen Angaben vom Dienstag im März völlig unerwartet auf 3,1 Prozent von 2,8 Prozent im Februar. Dies heizte die Spekulation über weitere Zinserhöhungen an und trieb den Pfund-Kurs erstmals seit 15 Jahren über die psychologisch wichtige Schwelle von zwei US-Dollar.

Die Notenbank strebt eine Inflation von lediglich zwei Prozent an und muss der Regierung ab einer Rate von drei Prozent eine schriftliche Erklärung für die Abweichung liefern. Seit ihrer Unabhängigkeit vor zehn Jahren war dies jedoch noch niemals der Fall. In dem offenen Brief verteidigte Notenbankchef Mervyn King die Geldpolitik der Bank of England und erhielt postwendend Rückendeckung von Finanzminister Gordon Brown.

Die Zinspolitik könne nur Einfluss auf die längerfristige Teuerung nehmen und sei deshalb gegen unerwartete kurzfristige Preissteigerungen machtlos, schrieb King. Er zeigte sich zudem überzeugt, dass die Inflation in den kommenden Monaten wieder deutlich sinken werde. Brown sagte, die Regierung stimme mit dem Vorgehen der Notenbank überein und sicherte ihr Unterstützung zu. Premierminister Tony Blair sagte, der Anstieg des Pfunds zum Dollar werde zwar den Exporteuren des Landes Schwierigkeiten bereiten, dürfte aber gleichzeitig ebenfalls die Inflation in Schach halten.

Der Inflationsanstieg erwischte sowohl die Notenbank als auch die Finanzmärkte auf dem falschen Fuß: Volkswirte hatten wie im Februar lediglich mit einem jährlichen Preisanstieg von 2,8 Prozent gerechnet. Aber allein innerhalb eines Monats kletterten die Preise um 0,5 Prozent. Die Preise im Einzelhandel - die Basis für viele Lohnabschlüsse - legten im Jahresvergleich sogar um 4,8 Prozent zu, die höchste Rate seit gut 15 Jahren.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of England schon bald mit höheren Zinsen gegen die Inflation vorgehen muss. Die meisten Experten rechnen damit, dass sie bereits im Mai ihren Schlüsselzins von derzeit 5,25 auf 5,50 Prozent anhebt.

Quelle: ntv.de