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Jürgen Fitschen Der bodenständige Banker

Vor nicht allzu langer Zeit rätselte Jürgen Fitschen noch in kleiner Runde, ob sein Vertrag als Vorstand der Deutschen Bank überhaupt noch verlängert wird. Nun steht der Top-Manager gemeinsam mit Anshu Jain an der Spitze die Bank.

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Jürgen Fitschen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn Jürgen Fitschen redet, klingt sanft der norddeutsche Einschlag durch. Der 62-jährige gilt als bodenständig und machte eine Ausbildung, wurde Groß- und Außenhandelskaufmann. Unter den Vorständen von Deutschlands größtem Geldhaus ist der Jürgen Fitschen am ehesten das lange gesuchte Puzzleteil, das dem Investmentbanker Anshu Jain zum kompletten Bankchef fehlt.

Dem Vernehmen nach verstehen sich die Vorstandskollegen Jain und Fitschen ganz gut. Dabei sind sie eigentlich recht unterschiedlich: andere Herkunft, anderer Werdegang, andere Sprache, andere Aufgaben. In der Unterschiedlichkeit könnte aber die Stärke eines Führungsteams Jain/Fitschen liegen. Sie könnten sich prächtig ergänzen: Jain ist der Mann für die großen Gewinne und Fitschen der fürs Deutsche bei der Deutschen Bank.

Gegengewicht zum Investmentbanking

Seit sieben Jahren ist Fitschen die personifizierte "Deutschland-AG" der Deutschen Bank - und geht in dieser Rolle voll auf. Schon 2004 musste er eine Lücke schließen. Josef Ackermann war aufgefallen, dass sich die Deutsche Bank zu weit von ihrer Stammklientel, den deutschen Firmenkunden, entfernt hatte, und machte Fitschen zum Deutschland-Chef.

Der hatte sich gerade bewährt, als er im weltweiten Geschäft mit Firmenkunden einen Stellenabbau geräuschlos über die Bühne brachte. Erneut stellte sich Fitschen in den Dienst "seiner" Bank und zog von London nach Frankfurt. Eine gesunde Ertragslage im Heimatmarkt sei die beste Basis für eine Bank, konstatierte er damals - im Einklang mit Ackermann, der eine zweite Säule neben dem lukrativen, aber riskanten Investmentbanking aufbauen wollte.

Seither jettet der Vater zweier Kinder durch die Republik und macht im Kleinen, was Ackermann von seinem Lieblings-Nachfolger Axel Weber im Großen erhofft hätte. Er parliert mit Kunden ebenso wie mit der Bundesregierung, gibt jedem Gesprächspartner das Gefühl, er kenne ihn schon ewig. Firmenchefs, die ein Problem mit ihrer Bank haben, rufen Fitschen persönlich an - und er kümmert sich darum.

Redetexte braucht er selten - seine Reden klingen trotzdem klug und strukturiert. Fitschen ist vielfach präsent - ob im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft oder im Aufsichtsrat der Deutschen Sporthilfe.

Seit 24 Jahren bei der Deutschen Bank

Dabei war Fitschen diese Rolle nicht in die Wiege gelegt. Auf eine Lehre aus Groß- und Außenhandelskaufmann setzte er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium in Hamburg, eine Autostunde von seiner Heimat Harsefeld. Schon bei der damaligen KKB (später Citibank, heute Targobank) hat er sich innerhalb von zwölf Jahren vom Trainee bis in die deutsche Geschäftsleitung hochgearbeitet.

Die Deutsche Bank ist seit 24 Jahren sein Arbeitgeber. Zehn Jahre baute er das Asien-Geschäft mit auf. Seit 1997 waren die großen Firmenkunden sein Metier. In London traf er dabei erstmals auf den damaligen Investmentbanker Ackermann, dessen Sparte er zugeordnet wurde.

Der war 2002 allerdings für seinen ersten kleinen Karriere-Knick verantwortlich: Den Posten des Firmenkunden-Vorstands, den Fitschen seit 2001 bekleidete, schaffte der neue Vorstandschef erst einmal ab und verkleinerte das Gremium - Fitschen war nicht mehr dabei. Erst 2009 wurde er wieder Vorstand. Unter dessen acht Mitgliedern gehörte er mit einem Gehalt von knapp drei Millionen Euro im vergangenen Jahr zu den vergleichsweise gering bezahlten Mitgliedern.

Quelle: n-tv.de, rts

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23.04.09