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Weitere Top-Manager gehen Grube greift durch

Der neue Vorstandschef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, räumt in der Führung des Konzerns auf und will unter die Datenaffäre einen Schlussstrich ziehen. "Fehlverhalten kann und werde ich nicht tolerieren, deshalb brauchen wir einen Neuanfang", sagte er nach einer Aufsichtsratssitzung in Berlin.

Nach dem Abgang von Personalmanagerin Margret Suckale gehen nun auch Logistik-Vorstand Norbert Bensel sowie Politik-Vorstand Otto Wiesheu. Arbeitsdirektor Norbert Hansen wird zudem aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden. Weitere Manager der zweiten Ebene müssen ebenfalls gehen. Zwei Dutzend weitere Mitarbeiter stünden noch in Verdacht, in die Affäre verwickelt zu sein, sagte Grube.

Zuvor war dem Aufsichtsrat ein Gutachten zur Datenaffäre von den Sonderermittlern und Ex-Ministern Gerhart Baum (FDP) und Herta Däubler-Gmelin (SPD) vorgelegt worden. Danach ist über Jahre im großen Stil bei der Überwachung von Mitarbeitern bei der Bahn gegen Recht verstoßen worden. In Einzelfällen sei das Vorgehen auch strafrechtlich relevant. Man habe die Ergebnisse daher auch der Staatsanwaltschaft übergeben. Aufsichtsratschef Werner Müller sprach von einem "erschreckenden Ausmaß" der Affäre. Man brauche nun einen personellen Neuanfang. Ende März hatte schon Vorstandschef Hartmut Mehdorn seinen Rückzug verkündet.

Entschuldigung bei Betroffenen

In einem Zwischenbericht vom Februar hatte die Bahn eingeräumt, dass sie Strafrechtsverstöße in der Affäre nicht ausschließen könne. Es könnten auch Akten vernichtet oder manipuliert worden sein. Das Unternehmen hat drei Massenabgleiche von Daten fast aller Mitarbeiter sowie weitere Überwachungen von Führungskräften eingestanden. Damit habe man Verbindungen zu Lieferanten aufdecken wollen, um Hinweise auf Verdachtsfälle von Korruption zu erhalten. Die Mitarbeiter wurden darüber auch im Nachhinein nicht informiert. In mindestens einem Fall sollen zudem Bewegungen auf Konten überprüft worden sein.

Die Sonderermittler fanden nun zudem heraus, dass fast 500 E-Mail-Fächer auch mit privaten Daten kontrolliert wurden. Insgesamt hätten 800 Mitarbeiter Zugang zu den 60.000 Computern der Bahn gehabt. "Es muss das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Mitarbeiter wieder hergestellt werden", forderte Grube daher. Man werde sich bei den Betroffenen entschuldigen und Wiedergutmachung leisten.

Neues Ressort

Neben den Vorständen müssen auch der interne Chefermittler Wolfgang Schaupensteiner, der Leiter der Konzernrevision Josef Bähr sowie der Leiter der Konzernsicherheit Jens Puls gehen. Auch der Verantwortliche für politische Beziehungen, Jürgen Illing, wird seinen Posten aufgeben.

Grube kündigte an, er werde ein eigenes Vorstandsressort für Recht und Einhaltung der Konzernrichtlinien schaffen. Das Politik-Ressort werde er dagegen zunächst selbst mit übernehmen. Nach Worten von Aufsichtsratschef Werner Müller bemüht man sich weiter, Finanzvorstand Diethelm Sack zu halten. Dieser hat seinen Abgang angeboten, bleibt aber zumindest für die nächsten Monate. Auch die Vorstände Stefan Garber (Infrastruktur) und Karl-Friedrich Rausch (Personenverkehr) bleiben auf ihren Posten.

Logistik-Vorstand Bensel war in die Schusslinie geraten, weil ein Teil der Mitarbeiterüberwachung in seine Amtszeit als Personalchef fiel. Arbeitsdirektor Hansen ist zwar erst 2008 in den Bahn-Vorstand gewechselt, er ist aber seit längerem erkrankt und gilt zudem als enger Mehdorn-Vertrauter.

Die neuen Vorstände sollen bei einer Aufsichtsratssitzung am 25. Mai präsentiert werden.

Quelle: n-tv.de, dpa / AFP / Reuters

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