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Aufsichtsrat nickt ab Grube ist Bahnchef

Der bisherige Daimler-Manager Rüdiger Grube ist zum neuen Bahnchef berufen worden. Das beschloss der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn in einer Sondersitzung in Essen.

Der 57 Jahre alte Grube folgt auf den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn, der nach massivem Druck wegen der Datenaffäre seinen Posten geräumt hatte. Grube soll zum 1. Mai antreten.

Unterdessen kamen in der Datenaffäre neue schwere Vorwürfe auf. Der Autor und Journalist Günter Wallraff hat nach eigenen Angaben Hinweise auf Manipulationen von Mitarbeiter-Computern bei der Bahn. Ihm lägen entsprechende eidesstattliche Versicherungen vor, sagte Wallraff, der darüber in der Wochenzeitung "Die Zeit" schrieb. Offenkundig sollten so Entlassungsgründe geschaffen werden. Ein Betriebsrat habe entdeckt, dass Adolf Hitlers "Mein Kampf" auf seinen Computer geladen worden sei. Es handele sich um "etliche Fälle". Die Bahn wies Vorwürfe der Beweismittelfälschung zurück und kündigte an, rechtliche Schritte einleiten zu wollen.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) betonte, ein Schwerpunkt für den nächsten Bahn-Chef sei, die Datenaffäre aufzuarbeiten und das Vertrauen der Belegschaft zurückzugewinnen.

Fast fünf Mio. Euro Abfindung

Mehdorn hatte Ende März nach massivem Druck der Politik und der Gewerkschaften seinen Rücktritt angeboten. Hintergrund waren immer neue Vorwürfe in der Affäre um massenhafte Kontrollen der Daten von bis zu 170.000 Beschäftigten im Namen der Korruptionsbekämpfung. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" wird die Bahn Mehdorn mit 4,9 Mio. Euro abfinden. Damit sollen alle Ansprüche aus Mehdorns Vertrag abgegolten werden. Mehdorns Vertrag läuft eigentlich bis Mai 2011. Er hatte darauf gepocht, dass die finanziellen Bestimmungen des Vertrages voll erfüllt werden.

Mehdorn stand fast zehn Jahre an der Spitze der Bahn. Anfang der 1990er Jahre hatten sich seine Wege bereits mit denen Grubes gekreuzt. Mehdorn war von 1989 bis 1992 Chef der Airbus-Geschäftsführung, Grube sein Büroleiter. 1992 wechselten beide zum Luft- und Raumfahrtkonzern Dasa nach München. Der gebürtige Hamburger Grube ist seit 2001 Vorstand bei Daimler und leitete dort die Konzernentwicklung.

Transnet macht Druck

Grube wird sich nach der Berufung auch mit Forderungen der Bahn- Gewerkschaft Transnet auseinandersetzen müssen, die Zweiteilung des Unternehmens wieder rückgängig zu machen. Die Bahn müsse aus einer Hand heraus geführt werden, sagte der Transnet-Chef und stellvertretender Bahn-Aufsichtsratsvorsitzende, Alexander Kirchner, der "Welt".

Im Vorfeld des einst geplanten Börsengangs der Bahn war der Staatskonzern formal in die Deutsche Bahn AG Holding, die sich um das Schienennetz und die Bahnhöfe kümmert, und die DB Mobility Logistics AG, die den Personen- und Güterverkehr sowie die Logistik kontrolliert, aufgespalten worden.

Quelle: n-tv.de

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