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Steueraffäre weitet sich aus Razzien in Augsburg

Im Raum Augsburg haben Steuerfahnder im Zusammenhang mit der Liechtensteiner Steueraffäre weitere Razzien durchgeführt. Im Rahmen der Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft seien die Räume mutmaßlicher Steuersünder am Donnerstag und Freitag durchsucht worden, teilte die Augsburger Staatsanwaltschaft mit. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

Von den bundesweiten Razzien waren zuvor schon in München mehreren Privatbank-Niederlassungen und auch der bayerische Datenschutz-Beauftragte Karl Michael Betzl betroffen.

Neue Daten

Der größte Steuerskandal in der deutschen Geschichte könnte weitaus größere Ausmaße annehmen als bislang bekannt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock bestätigte dem "Focus", ein inhaftierter Erpresser verfüge über mindestens 725 Daten deutscher Kunden der Liechtensteinischen Landesbank LLB. "Wenn der Beschuldigte schlau ist, bietet er uns die Daten an, um seine Strafe zu mildern", sagte Staatsanwalt Peter Lückemann. Es sei nicht auszuschließen, dass der in Rostock inhaftierte mögliche Informant sogar über 1.600 weitere Datensätze verfüge.

Die LLB hat mit dem bisherigen Steuerskandal nichts zu tun. Sie ist nach der LGT die zweitgrößte Bank im Fürstentum Liechtenstein. Bei der LLB wurden laut "Focus" im Jahr 2003 sensible Daten von einem Mitarbeiter gestohlen, der damit seinen Arbeitgeber erpresste. Unter dem Diebesgut hätten sich 2325 Konteninformationen deutscher Kunden der LLB befunden. Der in Rostock Inhaftierte sei ein mutmaßlicher Komplize des Liechtensteiner Erpressers.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft bereits seit Monaten gegen die Erpresser. Sollten die Ermittler die Datei von den Beschuldigten bekommen, würden steuerstrafrechtliche Vorermittlungen eingeleitet, sagte Oberstaatsanwalt Lückemann der Zeitung.
Dem Bericht zufolge wurden bereits vor sechs Jahren von einem Angestellten der Liechtensteiner Landesbank die Daten von mehr als 2.000 Konten kopiert, auf denen er Schwarzgeld vermutete.

Ähnlich wie bei der Fürstenbank sollen die Kunden insgesamt ein Vermögen in Milliardenhöhe angelegt haben. Als der untreue Angestellte das Geldinstitut erpressen wollte, sei er gefasst und verurteilt worden. Seine Liste aber sei an deutsche Kriminelle gelangt, die die Landesbank erpresst haben sollen.

Schweizer Banker distanziert sich von Gestapo-Vergleich

Der schweizerische Top-Banker Pierre Mirabaud hat sich von seinem Vergleich deutscher Steuerfahnder mit der Gestapo distanziert und bedauert den Eindruck, der durch die Aussage entstanden sein könnte. "Er hat mit dieser unglücklichen Formulierung nur sein Missbehagen über die Methoden ausdrücken wollen, dass Geheimdienste mit derartigen Methoden gegen befreundete Staaten vorgehen", hieß es in einer Stellungnahme der von Mirabaud geleiteten Schweizerischen Bankiervereinigung, die der Nachrichtenagentur SDA vorlag. Dem Branchenverband gehören mit rund 350 Schweizer Banken alle führenden Institute an.

Mirabaud hatte in einem Interview mit einem Schweizer Fernsehsender am Vortag für Empörung gesorgt, als er das Vorgehen deutscher Steuerfahnder in der Liechtensteiner Steueraffäre mit dem Nationalsozialismus in Zusammenhang gebracht hatte. "Das sind Methoden, die leider ein bisschen an Gestapo-würdige Methoden erinnern", sagte er. Das deutsche Steuersystem müsse attraktiver gemacht werden. Er antwortete damit auf die Frage, ob Schweizer Bankangestellte gegen Bezahlung bereit wären, als potenzielle Informanten zu fungieren.

Quelle: n-tv.de

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