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Britischer Leitzins Währungshüter streiten

Das Führungsgremium der Bank of England ist gespalten. Aufgrund der schwierigen finanzpolitischen Lage konnten sich die Entscheidungsträger der britischen Zentralbank nur mehrheitlich darauf einigen, den aktuellen Leitzins von fünf Prozent beizubehalten.

So uneinig wie zuletzt waren sich die Währungshüter dabei seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Sitzungsprotokoll der britischen Notenbank hervorgeht, stimmte Mitte Juli zwar die große Mehrheit der neun Mitglieder des geldpolitischen Komitees dafür, den Leitzins für Großbritannien bei fünf Prozent zu belassen. Je ein Geldpolitiker sprach sich jedoch für eine Zinserhöhung beziehungsweise eine Senkung des Schlüsselzinssatzes aus. Eine solche Dreiteilung der Stimmen gab es zuletzt im Mai 2006. Grund für die Unsicherheit des Zentralbankrats ist die schwierige Gemengelage in der britischen Wirtschaft, der sich die Bank von England gegenübersieht. Einerseits steigt die Inflation von Monat zu Monat, andererseits macht sich die Krise an den Immobilien- und Finanzmärkten ausgehend von den USA nun auch in Großbritannien immer stärker bemerkbar. Analysten hatten dennoch mit einem eindeutigeren Votum gerechnet und lediglich eine abweichende Stimme erwartet.

Die meisten Experten gehen derzeit davon aus, dass die britische Zentralbank den Leitzins in den kommenden Monaten nicht antasten wird. Wegen der sich abzeichnenden Abschwächung der Konjunktur rechnen viele Beobachter mittelfristig mit sinkenden Zinsen. Das nun veröffentlichte Protokoll der Sitzung vom 9. und 10. Juli zeigt aber, dass es bislang offenbar keinen Konsens über einen solchen Fahrplan zu geben scheint.

Besorgnis äußerte die Bank von England in dem Protokoll über die hohe Inflation, die derzeit rund doppelt so hoch ist wie das Inflationsziel der Zentralbank von zwei Prozent. Kurzfristig könne der geldpolitische Rat wenig tun, um etwa durch eine Zinserhöhung in diesem Monat den Anstieg der Inflation zu bremsen, heißt es in dem Protokoll. Dennoch könnte er ein starkes Signal senden, dass er auf den Kampf gegen die Teuerung fokussiert sei und weiterhin dabei bleibe, die Inflation mittelfristig auf die Zielmarke zurück zu bringen. Es sei entsprechend bereits ein "starkes Signal" in Zeiten einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums, den Leitzins stabil zu halten.

Von einigen Analysten wurden die in dem Sitzungsprotokoll enthaltenen Aussagen als Hinweis auf kurzfristig unveränderte Zinsen in der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft interpretiert. "Es sieht so aus, also sollten die Zinsen für einige Monate unverändert bleiben", sagte etwa ING-Ökonom James Knightley. "Wir zweifeln daran, dass es zu Zinserhöhungen kommt, wenn man sich die schwache Konjunktur anschaut (...) und berücksichtigt, dass der jüngste Rückgang des Ölpreises auch den Inflationsausblick senkt." Investec-Chefvolkswirt Philip Shaw sagte dagegen: "Der Zinsausblick ist unsicherer geworden. Das Komitee hat sich ernsthaft mit einer Straffung der Geldpolitik (...) auseinandergesetzt."

Quelle: n-tv.de

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