Studie zu GLP-1-MedikamentAbnehmspritze könnte auch Brustkrebsrisiko senken

Brustkrebs trifft nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation eine von acht Frauen und ist damit die häufigste Krebsart bei Frauen. Übergewicht gilt als Risikofaktor. Die Einnahme von Abnehmmedikamenten könnte zumindest einige Frauen schützen.
Frauen, die GLP-1-Medikamente - auch als Abnehmspritzen bekannt - verabreicht bekommen, könnten ein geringeres Brustkrebsrisiko haben als Frauen, die diese Medikamente nicht erhalten. Das ist das Ergebnis einer Beobachtungsstudie, die Forschende der University of Pennsylvania durchgeführt haben.
Für die Studie wertete das Team um die Radiologin Elizabeth S. McDonald die Daten von insgesamt 111.646 Frauen im Alter von 45 bis 80 Jahren aus. Bei allen lag der Body-Mass-Index BMI bei über 25. Das bedeutet: Alle Frauen waren zum Zeitpunkt der Studie übergewichtig. Zudem war bei allen Studienteilnehmerinnen während des Studienzeitraums von 2022 bis 2025 eine bildgebende Untersuchung der Brüste vorgenommen worden. Das Durchschnittsalter lag bei 61 Jahren.
Effekte ablesbar
Insgesamt hatten mehr als 15.000 der Frauen vor der Brustuntersuchung ein GLP-1-Medikament verschrieben bekommen, mehr als 96.000 von ihnen hatten keines erhalten. Von allen Studienteilnehmerinnen wurde bei 2628 Frauen während des Untersuchungszeitraums Brustkrebs diagnostiziert. Das entspricht rund 2,36 Prozent. Bei der weiteren Auswertung der Daten zeigte sich: Bei den Frauen mit GLP-1-Medikamenten wurde bei knapp zwei Prozent Brustkrebs diagnostiziert, in der Kontrollgruppe ohne GLP-1 lag der Wert bei 2,5 Prozent.
Ein ähnlicher Effekt zeigte sich auch, wenn die Forschenden die Teilnehmerinnen mit gleichem Alter, ethnischer Zugehörigkeit, BMI, Brustdichte und Diabetes-Typ2-Diagnose direkt verglichen. Dabei zeigte sich ein um 35 Prozent niedrigeres Risiko in der Gesamtgruppe und ein um 30,5 Prozent niedrigeres Risiko in der Kontrollgruppe, schreiben die Forschenden in einer Mitteilung der Uni. Die Art der GLP-1-Medikamente, die Anwendungsdauer, genetische Risikofaktoren oder das Stadium der Krebserkrankung bei der Diagnose wurden bei diesen Vergleichen nicht berücksichtigt.
Übergewicht, Entzündung, Brustkrebs
Die Gründe dafür könnten in der Wirksamkeit von GLP-1-Medikamenten bei der Gewichtsabnahme liegen. Schon seit einiger Zeit werde die Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts als Teil der Brustkrebsprävention empfohlen, da Übergewicht und Adipositas, insbesondere nach den Wechseljahren, bekannte Risikofaktoren für Brustkrebs darstellten, so die Forschenden.
Zudem vermuten Fachleute schon seit einiger Zeit, dass eine leichte Entzündung bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle spielen könnte. GLP-1-Medikamente reduzieren systemische Entzündungen über verschiedene Signalwege. Sie haben weitere Effekte, die das Tumorwachstum hemmen könnten. Die Forscher und Forscherinnen gehen derzeit davon aus, dass diese vielfältigen Wirkungen von GLP-1-Medikamenten die Entwicklung von Brustkrebs hemmen könnten.
Auch wenn sich aus den Ergebnissen, die im Fachjournal "JCO Oncology Practice" veröffentlicht wurden, kein direkter Zusammenhang zwischen der Einnahme von GLP-1-Medikamenten und dem Schutz vor Brustkrebs ableiten lässt, sind die Hinweise für weitere Untersuchungen bedeutend. "Letztendlich wollen wir bessere Möglichkeiten zur Vorbeugung von Brustkrebs finden", wird McDonald in der Mitteilung zitiert. Es sei ermutigend zu sehen, wie sich die Überlebensraten bei Brustkrebs in den vergangenen Jahrzehnten verbessert habe. Die Forschenden würden sich freuen, die gleichen Fortschritte auch bei der Prävention zu erzielen, resümiert die Radiologin.