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Hatten Delfine Alzheimer? Algengift lässt Meeressäuger stranden

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Für Delfin-Strandungen könnte das Gift von Algen verantwortlich sein.

Immer wieder stranden Delfine. Die meisten Tiere sterben daran. Wie es zu den Strandungen kommen kann, untersuchen Forscher und stoßen auf Algen und einen alzheimertypischen Stoff.

Gestrandete Delfine sind ein schlimmer Anblick. Die meisten Tiere können nicht gerettet werden und sterben nach der Strandung. Warum die Meeressäuger, die als intelligent gelten, ihre Orientierung verlieren, wollten Forscher um David Davis von der University of Miami wissen. Für ihre Untersuchungen nahmen sich die Wissenschaftler die Gehirne von insgesamt 14 Tieren vor, die zwischen 2005 und 2012 an unterschiedlichen Stellen in Florida und Massachusetts gestrandet waren.

Die Forscher fanden im Gehirngewebe der Tiere Giftstoffe von sogenannten Cyanobakterien. Das sind Bakterien, die sich auch im Meer, vor allem bei ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen, massenhaft vermehren. Dann entsteht ein farbiger Teppich aus diesen winzigen Lebewesen, der auf der Meeresoberfläche schwimmt. Das, was grün, blau oder rot schimmert und faszinierend aussieht, ist allerdings oft für Mensch und Tier giftig.

Algengift in Meerestieren

Die sogenannten Algenblüten bestimmter Cyanobakterien sondern ein Neurotoxin ab, das als Beta-Methylamino-L-Alanin (BMAA) bezeichnet wird, ab. Dieses wurde bereits in anderen Untersuchungen in der Nahrungskette von Meeresbewohnern nachgewiesen. Die Forscher fanden jedoch noch mehr in den Delfinhirnen. Sie stießen auf beschädigte Neuronen und sogenannte Beta-Amyloid-Plaques, die als typisch bei Alzheimer-Erkrankungen gelten. Zudem wurde BMAA bereits im Gehirn von Alzheimer-Patienten nachgewiesen.

Auch wenn es bisher keinen eindeutigen wissenschaftlichen Beweis gibt, halten die Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Gift der Algenblüten und den typischen Alzheimer-Ablagerungen - und zwar nicht nur bei den gestrandeten Tieren - für denkbar. Da auch Menschen entweder beim Baden oder beim Verzehr von Meeresfrüchten in den Kontakt mit den Neurogiften der Algenblüten kommen können, sind weitere Forschungen in dem Bereich nach Angaben der Forscher dringend nötig - vor allem im Hinblick auf den Klimawandel, der in Zukunft immer öfter giftige Algenteppiche hervorbringen könnte.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Plos".

Quelle: n-tv.de, jaz