Wissen

Selbstversuch mit Mikroplastik "Als Erstes spürte ich Kopfschmerzen"

Plastik gehört zum Alltag von Bundesbürgern - aber damit auch rund 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf und Jahr. Was aber bedeutet der unbewusste Konsum von Mikroplastik für die Gesundheit? In seinem neuen Experiment geht Jenke von Wilmsdorff den umgekehrten Weg. Er isst und nutzt, begleitet von einem Speziallabor, möglichst viele Produkte, die in Plastik verpackt sind. Wie wird sich das auf seinen Körper und seine Gesundheit auswirken?

n-tv.de: Jenke von Wilmsdorff, warum ist das Thema "Nachhaltigkeit" aktuell so wichtig?

Wo ist "Das Jenke-Experiment" zu sehen?
RTL_DasJenkeExperiment_Logo.jpg

Das Jenke-Experiment "Das Plastik in mir: Wie der Müll uns krank macht" ist am Montag, 23.9., um 20.15 Uhr auf RTL zu sehen, oder in der TVNOW App. Weitere Folgen vom Jenke-Experiment stehen bei TVNOW und in der TVNOW App zum Abruf bereit.

Jenke von Wilmsdorff: Das Problem gibt es schon seit Langem, aber jetzt wird es immer sichtbarer. Du musst einfach mal durch die Gegend laufen und dir die Natur angucken, wie oft du Plastikreste irgendwo findest. Die verschwinden nicht. Es gibt Plastikflaschen, die sind Jahrzehnte in der Umwelt. Die werden immer kleiner, aber sie lösen sich nicht auf. Der Wind weht sie auf den Acker und dann landen sie in unserem Obst und Gemüse oder in den Mägen der Tiere, die auf der Wiese stehen. So eine Kuh frisst dieses Mikroplastik, ich esse dann die Kuh und habe das Mikroplastik in mir. Dann bekommst du auf einmal diese Tragweite zu spüren. Ob wir Kleidung tragen oder ob wir Kosmetika benutzen, die voller Plastikreste und Mikroplastik sind oder bei Lebensmitteln, die in Plastik verpackt sind. Die Weichmacher im Plastik werden von uns gegessen und schädigen unsere Gesundheit. Laut Experten kann das neben entzündlichen Prozessen auch hormonelle Störungen nach sich ziehen, bis hin zu Impotenz.

Worum wird es bei Ihrem neuen "Jenke-Experiment" gehen?

Ich habe mich vier Wochen lang ausschließlich von Lebensmitteln ernährt, die in Plastik verpackt waren. Ich habe Lebensmittel in Plastik noch zusätzlich in der Mikrowelle oder dem Backofen erhitzt. Auch Cremes, Deo und Zahnputzzeug genommen, die Mikroplastik enthalten. Also all das, was Spuren von Plastik enthält, habe ich meinem Körper über den Zeitraum von vier Wochen zugefügt, um zu gucken: Was macht es mit mir? Was macht es mit meinem Körper?

Und was hat das Experiment körperlich mit Ihnen gemacht?

Als Erstes waren Kopfschmerzen spürbar, dann tauchte so eine allgemeine Ermattung auf. Um die Veränderung in meinem Körper messbar zu machen, habe ich vor dem Experiment eine Urin- und eine Blutprobe in einem Speziallabor abgegeben. So konnte man feststellen, wie viel Weichmacher durch die Einnahme von Mikroplastik bereits im Körper war. Am Ende des Experiments, also nach vier Wochen Plastik intensiv, habe ich mein Blut und Urin nochmal checken lassen. Das waren extrem erschreckende Werte - schon nach vier Wochen.

Im neuen "Jenke-Experiment" werden auch die Themen Recycling und Müll-Exporte ins Ausland kritisch beleuchtet. Gelten wir nicht als Recycling-Weltmeister in Deutschland?

Ich habe mir das vor Ort auf einem Recyclinghof einmal erläutern lassen und fand erschreckend, dass viele Kombiprodukte wie Joghurtbecher oder Chipstüten, die aus Plastik und Aluminium bestehen, von den Maschinen nicht sortiert werden können und daher verbrannt werden müssen. Auch erkennen die Maschinen, die mit Lichtsensoren arbeiten, schwarzen Plastikmüll nicht. Was nicht verbrannt wird, wird dann exportiert und geht trotzdem in die deutsche Recyclingquote ein. Das schönt die Zahlen und macht uns zum Recyclingweltmeister.

Und der restliche Müll geht ins Ausland, womit das Problem nur verlagert wird?

Unsere Recherchen führen bis nach Indonesien und Malaysia, wo Greenpeace-Mitarbeiter vor Ort gemeinsam mit mir in den Müllbergen nach deutschem Müll gesucht und ihn auch gefunden haben. Allein nach Malaysia gingen 2018 über 114.000 Tonnen Müll aus Deutschland. Daher geht der Müll in fremden Ländern uns auch etwas an und umso wichtiger ist es, den Plastikmüll nach allen Möglichkeiten und Kräften zu reduzieren. Zum Beispiel durch Mehrweg statt Einweg. Hier ist auch politisch gesehen noch viel Luft nach oben, denn die Plastik-Lobby ist extrem stark. Jeder Verbraucher hat es aber auch selbst in der Hand, welche Produkte er einkauft.

Was tun Sie konkret für eine plastikfreiere Welt?

Ich halte mich eigentlich für sehr durchschnittlich in diesen Punkten. Ich ernähre mich ausgewogen, aber natürlich kaufe ich mir auch Sachen, die in Plastik verpackt sind und habe gerne meinen Kaffee aus einem Plastikbecher "to go" getrunken. Ich bin vorher immer davon ausgegangen, dass es mehr Pappbecher als Plastik ist, aber letztendlich ist der Becher auch mit Plastik beschichtet. Eine Dose ist auch mit Kunststoff beschichtet. Das geht wahrscheinlich vielen Menschen so. Wir sehen es, aber denken nicht intensiv darüber nach. Ich verändere jetzt nach und nach meine Gewohnheiten. Zum Beispiel brauche ich keine Plastikverpackungen bei Lebensmitteln und kaufe sie auch nicht mehr. Mir war es daher wichtig, dass wir auch viele praktische Tipps in unserer Reportage geben, die auch realistisch umsetzbar und oft auch gar nicht teurer sind. Daher haben wir exemplarisch etwa eine fünfköpfige Familie begleitet. Wir wollen dabei nicht mit erhobenem Zeigefinger rumrennen. Wichtig ist: Auch kleine Schritte in die richtige Richtung haben eine Wirkung.

Mit Jenke von Wilmsdorff sprach Heike Speda

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema