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Nach 23 Jahren im Eis Aufgetautes Hodengewebe produziert wieder Spermien

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Die Ergebnisse der Studie im unmittelbaren Vergleich.

(Foto: Eoin Whelan, Whelan et al., 2022, PLOS Biology, CC-BY 4.0)

Oft werden vorpubertäre Kinder aufgrund einer Krebsbehandlung unfruchtbar. Ihnen könnte die Reimplantation von gefrorenem Hodengewebe möglicherweise doch zu eigenen Kindern verhelfen. Die Grundlagenforschung dazu gibt erste Hinweise darauf.

Eine Krebserkrankung bei Jungen im Kindesalter kann dazu führen, dass sie als Erwachsene nicht zeugungsfähig sind. Die Ergebnisse der Forschenden der University of Pennsylvania könnten den Betroffenen nun aber Mut machen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hatten Hodengewebe von Ratten, das 23 Jahre lang eingefroren war, in unfruchtbare Mäuse verpflanzt. Die Mäuse in der Studie waren zuvor mit einem Medikament behandelt worden, das ihre Spermien produzierenden Zellen tötete.

Als später die mit den konservierten Stammzellen implantierten Hoden der Mäuse untersucht wurden, hatten die 23 Jahre alten Stammzellen überlebt und sich zu Gruppen spermienproduzierender Zellen entwickelt. Die Zellgruppen aus den Implantaten stellten reife Spermien her, allerdings nur etwa ein Drittel der Rate aus Implantaten frischer oder kürzlich eingefrorener Zellen. Ihr Ergebnisse veröffentlichten das Forschungsteam bei PLOS Biology.

Hoffnung auf Vaterschaft

Diese Methode der Entnahme, des Einfrierens und der Reimplantation von Hodengewebe könnte künftig dazu beitragen, den durch Krebstherapien verursachten Fruchtbarkeitsverlust bei präpubertären Jungen wiederherzustellen, die wegen Krebs behandelt wurden. Eine Chemotherapie zur Krebsbehandlung kann Stammzellen in den Hoden töten, die Spermien produzieren. Erwachsene können vor dieser Behandlung Samenproben einfrieren lassen, für Kinder, die noch nicht in der Pubertät sind, ist das keine Option. Bestätigt sich, was im Tierversuch gelungen ist, könnte es sinnvoll sein, Hodengewebe vor der Krebsbehandlung zu entnehmen und einzufrieren. Später im Leben könnte es dann aufgetaut und wieder implantiert werden.

Selbst die geringere Spermienzahl ist für das Forschungsteam ermutigend, wenn sie auf den Menschen übertragbar wäre. "Sie brauchen wirklich nur ein lebensfähiges Spermium, um erfolgreich zu sein", sagte Eoin Whelan, einer der Autoren der Studie, gegenüber "New Scientist".

Erste Proben bereits eingefroren

Einige Kliniken haben bereits damit begonnen, kleine Proben unreifen Hodengewebes von Kindern zu entnehmen und einzufrieren. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass es nach einer Reimplantation im Erwachsenenalter reift und mit der Spermienproduktion beginnt. Noch ist allerdings unklar, ob sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, da es einige Unterschiede zwischen den Methoden des Teams und denen gibt, die derzeit von Fruchtbarkeitskliniken verwendet werden, sagt Rod Mitchell von der Universität Edinburgh, Großbritannien.

Die Forschenden hatten beispielsweise isolierte Hodenstammzellen eingefroren, während Fruchtbarkeitskliniken ganze Gewebeproben einfrieren. Die Zellen in der Studie stammten zudem von erwachsenen Ratten, während Kliniken Gewebe von Kindern entnehmen, die noch nicht durch die Pubertät gegangen sind. Frühere Forschungen an Affen hatten bereits gezeigt, dass es möglich war, monatelang eingefrorene Zellen zu verwenden. Die neueste Studie liefert Hinweise darauf, dass auch ein langfristiges Einfrieren möglich ist.

Quelle: ntv.de, sba

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