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Wann kam der moderne Mensch an? Australien wurde früher als gedacht besiedelt

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Am Ausgrabungsort in Madjedbebe.

(Foto: Dominic O'Brien/Copyright Gundjeihmi Aboriginal Corporation 2015)

Wann der Homo sapiens Australien erreicht hat, war lange umstritten. Nun finden Forscher heraus: bereits vor 65.000 Jahren - viel früher als bisher vermutet. Die Erkenntnis bringt Bewegung in die Debatte, ob der Mensch die großen Tiere des Kontinents ausrottete oder nicht.

Der moderne Mensch hat Australien viel früher besiedelt als bislang vermutet. Wie ein internationales Forscherteam im Magazin "Nature" berichtet, erreichte der Homo sapiens den entlegenen Kontinent schon vor mindestens 65.000 Jahren - gut 10.000 Jahre früher als bisher angenommen. Die Studie zeigt weiter, dass die Menschen damals schon ein ausgeprägtes Repertoire an Steinwerkzeugen und Farbpigmenten hatten. Der Fund liefert zudem Hinweise auf die umstrittene Frage, ob der Mensch die Großfauna des Kontinents ausgerottet hat oder nicht.

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Steine aus verschiedenen Schichten und ein rechteckiger Schärfstein aus dem 65.000-jährigen Niveau.

(Foto: Dominic O'Brien/Copyright Gundjeihmi Aboriginal Corporation 2015)

Nach derzeitigem Kenntnisstand hat der Homo sapiens Afrika vor grob 80.000 bis 100.000 Jahren verlassen. Wann er Australien - den neben Amerika entlegensten Kontinent - erreichte, sorgt seit Langem für Diskussionen. Forscher gingen bisher von einem Zeitraum von 45.000 bis 60.000 Jahren aus. Das Team um Chris Clarkson von der University of Queensland in Brisbane untersuchte nun den ältesten bekannten Siedlungsort in Australien: Der Felsüberhang Madjedbebe liegt im Northern Territory in der Umgebung des Kakadu-Nationalparks.

20.000 Jahre früher als in Europa

An dem 1973 entdeckten Ort fanden Forscher Tausende Steinwerkzeuge und diverse Farbpigmente. Die frühesten Schichten datierten die Forscher mit Optisch-Stimulierter Lumineszenz (OSL) recht präzise auf ein Alter von 65.000 Jahren. Damals lag der Meeresspiegel deutlich niedriger als heute, dennoch waren die Zuwanderer auf seetüchtige Boote angewiesen, um das Meer von Südasien aus zu überqueren. Erstaunlich ist auch, dass die aus Afrika kommenden Menschen das entlegene Australien etwa 20.000 Jahre früher erreichten als das nahe Europa.

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Australischer Ureinwohner.

(Foto: imago/Mint Images)

Zudem betrifft die Studie die umstrittene Frage, ob der Mensch damals für das Aussterben großer Tiere wie etwa riesigen Kängurus und Wombats verantwortlich war. Kurioserweise leiten Experten aus dem Resultat entgegengesetzte Schlüsse ab.

Debatten bleiben kontrovers

"Wissenschaftliche Debatten über die Ausrottung großer Tiere bleiben äußerst kontrovers, insbesondere in Bezug auf Australien", schreibt Curtis Marean von der Arizona State University in einem "Nature"-Kommentar. Erst vor Kurzem habe eine Untersuchung gezeigt, dass die Megafauna vor grob 45.000 Jahren verschwand. "Jene Studie zusammen mit den Resultaten von Clarkson und Kollegen liefert nun zwingende Belege dafür, dass der Mensch früh genug in Australien war, um einen Teil des Aussterbens zu verursachen."

Anders die Einschätzung von Ko-Autor Ben Marwick von der University of Wollongong: "Bisher dachte man, dass der Mensch sie (Anm.: die Megafauna) nach seiner Ankunft jagte oder ihren Lebensraum zerstörte bis zum Aussterben, aber die neuen Daten bestätigten, dass Menschen schon so viel früher ankamen, dass sie nicht die zentrale Ursache für den Tod der Megafauna waren." Seine Kollegin Zenobia Jacobs betont, der Mensch könne zwar eine Rolle gespielt haben, aber wenn dies der Fall sei, dann über längere Zeiträume auf verschiedenen Teilen des Kontinents.

So oder so, "Nature"-Kommentator Marean skizziert die damaligen Menschen an der Küste Südasiens vor ihrem Aufbruch ins Ungewisse - und zieht Parallelen zur Gegenwart. "Von dieser Startrampe aus stellten sich vielleicht manche von ihnen jenseits des Wassers anderes Land vor, das sie nicht sehen konnten", schreibt er. "Sie beschlossen, es zu wagen, und bauten Boote, die sie mit neuen und bewährten Technologien beluden. Dann stiegen sie mit ihren Familien ein und traten eine Entdeckungsreise an. Klingt vertraut - klingt nach Menschen, die nach den Sternen greifen."

Quelle: n-tv.de, Walter Willems, dpa

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