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Bei Menschen mit Übergewicht Bauchfett setzt fiesen Botenstoff ins Blut frei

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Mit dem Messen des Bauchumfangs kann man das gesundheitliche Risiko durch Übergewicht bestimmen.

(Foto: imago/McPHOTO)

Rückenschmerzen, Diabetes oder Krebs: Übergewicht kann für eine Reihe von Erkrankungen verantwortlich sein. Ein Stoff, der aus dem Bauchfett kommt, könnte eine wesentliche Rolle bei Stoffwechselerkrankungen und Entzündungen spielen.

Fett ist nicht gleich Fett. Das wissen Forscher schon lange. Und das, was am Bauch sitzt, wird als ungesünder beschrieben als das an anderen Körperteilen. Ein internationales Forscherteam nimmt deshalb das Bauchfett von Menschen mit starkem Übergewicht unter die molekularbiologische Lupe und findet einen Botenstoff, der bedenkliche Prozesse im Körper begünstigt.

Bei dem Stoff handelt es sich um ein Eiweißmolekül, das den Namen Wingless-type signaling pathway protein-1, kurz WISP1, trägt. Dieses Stoff wurde in vorhergehenden Untersuchungen bereits mit der Regulierung des Knochenwachstums, der Bildung einiger Krebsarten und dem Entstehen einer Lungenfibrose in Verbindung gebracht. Die Forscher konnten jetzt mit ihrer neuen Untersuchung zeigen, dass dieser Stoff die Insulinwirkung in Muskelzellen und in der Leber so beeinflusst, dass die Zellen insulinunempfindlich reagierten.

Zu wenig Sauerstoff im Bauchfett?

"Wir vermuten, dass eine vermehrte WISP1-Produktion aus dem Bauchfett eine der Ursache sein könnte, warum übergewichtige Menschen oft einen gestörten Glukosestoffwechsel haben", sagt Erstautorin Tina Hörbelt vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Eine schlechte Sauerstoffversorgung des Gewebes könnte die Ursache für die vermehrte WISP1-Produktion und Freisetzung aus dem Bauchfett sein, mutmaßen die Forscher weiter. Diese könnte außerdem zu den chronischen Entzündungsreaktionen bei Menschen mit schwerem Übergewicht führen.

Auf der Grundlage der neuen Erkenntnisse könnten neue, wirksame Therapieansätze für Erkrankungen, die durch Übergewicht ausgelöst werden, entstehen. Bis dahin jedoch müssen noch einige weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachjournal "Diabetologia".

Quelle: ntv.de, jaz