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Pflanzenschutzmittel machen die Bienen krank - weltweit.
Pflanzenschutzmittel machen die Bienen krank - weltweit.(Foto: picture alliance / Fredrik von E)
Freitag, 06. Oktober 2017

Pflanzenschutzmittel im Honig: Bienen sind weltweit Giften ausgesetzt

Honig gilt als ein natürliches Lebensmittel. Seine Inhaltsstoffe geben Auskunft über die Umweltbedingungen. Aus diesem Grund untersuchen Forscher Honig aus allen Erdteilen und sehen, dass sich Bienen weltweit mit Giften herumschlagen müssen.

Bienen in aller Welt sind Insektiziden aus der Klasse der umstrittenen Neonicotinoide ausgesetzt. Das zeigt eine Analyse von knapp 200 Honigproben aus allen Erdteilen mit Ausnahme der Antarktis. In knapp der Hälfte aller Proben, genau in 48 Prozent, fand das Team um Edward Mitchell von der Université de Neuchâtel (Neuenburg/Schweiz) Konzentrationen, die Studien zufolge Bienen schädigen können. Alle Werte lägen jedoch unter den Grenzen, die in den USA und der EU als bedenklich für den Menschen gelten, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science".

Honig wird auch als flüssiges Gold bezeichnet.
Honig wird auch als flüssiges Gold bezeichnet.(Foto: picture alliance / Oliver Berg/d)

Das Team hatte Freunde und die Neuenburger Bevölkerung aufgefordert, Honig aus aller Welt mitzubringen. Zwischen 2012 und 2016 erhielten die Wissenschaftler mehr als 300 Honiggläser, von denen sie 198 auswählten. Dabei achteten sie darauf, dass die Proben geografisch ausgeglichen verteilt waren, und sie bevorzugten Kleinerzeuger. "Bienen entfernen sich für die Nektarsuche bis zu zwölf Kilometer von ihrem Bienenstand. Damit decken sie eine beachtliche Fläche ab", betont Ko-Autor Alexandre Aebi. Der aus Blütennektar entstandene Honig gebe Auskunft über die Umweltbedingungen.

Honig aus Südamerika am wenigsten belastet

Mitchell und Kollegen untersuchten den Honig auf die fünf am meisten verbreiteten Neonicotinoide (Acetamiprid, Clothianidin, Imidacloprid, Thiacloprid und Thiamethoxam). In 75 Prozent aller Proben wiesen sie mindestens eines der Mittel nach. Gut ein Drittel (35 Prozent) enthielt zwei oder drei Neonicotinoide, zehn Prozent sogar vier oder fünf. Unterschiede ergab die Auswertung nach Erdteilen: Mindestens ein Neonicotinoid enthielten 86 Prozent der Proben aus Nordamerika, in Asien waren es 80 Prozent, in Europa 79 Prozent. Am seltensten belastet war Honig aus Südamerika (57 Prozent).

Neonicotinoide galten lange als Wunderwaffe im Pflanzenschutz, weil sie Fressfeinde der Pflanzen töten, aber nützliche Insekten nicht. Nach und nach entdeckten Forscher aber, dass die Substanzen durchaus Auswirkungen auf Bienen und andere Pflanzenbestäuber haben. Die Autoren verweisen auf Studien, denen zufolge eine Konzentration von 0,1 Nanogramm (Milliardstel Gramm) pro Gramm Honig Bienen auf verschiedenste Weise beeinträchtigen kann: Die nicht tödlichen Effekte umfassen demnach unter anderem Fortpflanzungs- und Wachstumsprobleme, geschwächtes Immunsystem, Störungen der Nerven- und Gedächtnisfunktion sowie der Atmung.

EU-Kommission schlägt Verbote vor

Nicht berücksichtigt werde derzeit bei den meisten Untersuchungen der sogenannte Cocktaileffekt, also die Wirkung mehrerer giftiger Stoffe, die gleichzeitig auftreten, heben die Biologen hervor. "In der Schweiz werden mehr als 350 verschiedene synthetische Pestizide eingesetzt", sagt Mitchell. "Die Kombinationsmöglichkeiten sind unendlich." Forschungsergebnisse führten aber bereits dazu, dass die EU-Kommission ein weitgehendes Verbot von Neonicotinoiden vorgeschlagen hat. Einige Wirkstoffe sind bereits für das Beizen von Saatgut und als Spritzmittel in blühenden Kulturen verboten.

In einem "Science"-Kommentar schreibt Christopher Connolly von der schottischen University of Dundee: "Die Verluste an Bienen sind eine große Bedrohung für die Sicherung der menschlichen Nahrungsversorgung und die Stabilität der Ökosysteme." Die Studie zeige, dass Honig ein guter Indikator für Umweltverschmutzung sein könne. Auch hebe die Untersuchung eine Wissenslücke hervor: Es sei wenig darüber bekannt, wie Bienen dauerhaft auf Neonicotinoide reagierten.

Quelle: n-tv.de

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