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Auch noch Jahre nach dem TodBienenart kann ihre Farbe wechseln

28.04.2026, 10:41 Uhr
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Agapostemon subtilior
Die Körper der Bienen veränderten ihre Farbe bei unterschiedlicher Luftfeuchtigkeit innerhalb von 24 Stunden. (Foto: Madelein Ostwald et. al. / Biology Letters)

Eine nordamerikanische Bienenart passt sich den Umgebungsbedingungen an. Je nach Trockenheit oder Nässe schimmert der Panzer blaugrün bis gelb-rot. Wozu dieser Effekt dient, können die Fachleute bisher nicht sagen.

Eine Bienenart ändert ihre Farbe je nach Wetter. Ein Forschungsteam hat am Beispiel der nordamerikanischen Biene Agapostemon subtilior nachgewiesen, dass die Farbe der Tiere von der Luftfeuchtigkeit in der Umgebung abhängt. Dabei handelt es sich um einen passiven Effekt der Insekten, wodurch die Farben des Körpers von blaugrün bis gelb-rötlich erscheinen können.

Wie das Team um Madeleine Ostwald von der Queen Mary University of London im Fachjournal "Biology Letters" berichtet, handelt es sich dabei um eine Veränderung der sogenannten Strukturfarbe. Im Gegensatz zu Pigmenten entsteht diese durch die Wechselwirkung von Licht mit mikroskopisch kleinen Strukturen auf dem Panzer der Insekten.

Drastischer Farbwechsel innerhalb von 24 Stunden

In Laborexperimenten setzten die Forschenden sowohl frisch gesammelte als auch jahrealte Museumspräparate unterschiedlichen Bedingungen aus. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von weniger als 10 Prozent zeigten die Tiere ein tiefes Blaugrün. Erhöhten die Forscher die Feuchtigkeit auf 95 Prozent, änderte sich die Farbe innerhalb von 24 Stunden zu einem blassen Kupfergrün.

Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei älteren Exemplaren, die bereits drei bis sechs Jahre in Sammlungen aufbewahrt worden waren. Die Forschenden vermuten, dass die natürliche Abnutzung des Panzers bei älteren Tieren die Durchlässigkeit für Wasser erhöht und so die Reaktion auf Feuchtigkeit verstärkt.

Um zu prüfen, ob dieser Effekt auch bei lebenden Tieren in der Natur eine Rolle spielt, wertete das Team über 1000 Fotografien aus. Die Analyse der Aufnahmen von der US-Westküste und aus Mexiko bestätigte den Trend: Bienen in Regionen mit höherer Luftfeuchtigkeit wiesen tendenziell rötlichere Farbtöne auf als Artgenossen in trockeneren Gebieten.

Ähnliche Mechanismen bei anderen Tieren

Zwar ist die genaue physikalische Ursache bei den analysierten Bienen noch nicht abschließend geklärt, doch vieles deutet auf ein Anschwellen der mehrschichtigen Strukturen im Panzer hin. Durch die Einlagerung von Wasser verändern sich die Abstände der reflektierenden Schichten, wodurch Licht mit längeren Wellenlängen - also eher rötliche Töne - zurückgeworfen wird. Ein ähnlicher Mechanismus ist bereits von einigen Käfern, Schmetterlingen und Tintenfischen bekannt.

Die Funktion dieses Farbwechsels ist nach Auskunft des Teams bei den Bienen dieser Studie bislang nicht geklärt. Die Entdeckung habe jedoch wichtige Konsequenzen für die Wissenschaft: Wenn die Farbe eines Insekts so stark von der aktuellen Luftfeuchtigkeit abhängt, müsse man bei der Interpretation von Farben bei Museumsexemplaren äußerst vorsichtig sein. Diese spiegelten unter Umständen nicht das tatsächliche Erscheinungsbild der lebenden Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum wider.

Quelle: ntv.de, Marco Rauch, dpa

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