Wissen

Kranke Diplomaten in Havanna Biologen vermuten Grillen hinter "Angriff"

AP_17277048487482.jpg

Die USA zogen viele Diplomaten wegen der Gesundheitsprobleme ab.

(Foto: AP)

Eine besonders heimtückische neuartige Waffe soll hinter den gesundheitlichen Problemen von US-Botschaftsmitarbeitern in Havanna stecken. Anders lassen sich die nervtötenden Geräusche scheinbar nicht erklären. Nun legen Wissenschaftler eine neue These vor.

Seit Monaten wird darüber gerätselt, mit welcher geheimnisvollen akustischen Waffe die Mitarbeiter der US-Botschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna angegriffen wurden. Das Personal der diplomatischen Vertretung hatte 2017 zunächst über Kopfschmerzen, Übelkeit und andere Beschwerden geklagt, die offenbar in Verbindung mit eigenartigen Geräuschen standen.

Die Laute waren auch in den Wohnhäusern der Diplomaten und nahegelegenen Hotels deutlich zu hören. Schließlich zogen die USA etwa die Hälfte der Belegschaft ab. Parallel dazu liefen Untersuchungen, um der möglicherweise neuartigen Waffe auf die Spur zu kommen, die hier eingesetzt wurde.

Im Oktober 2017 veröffentlichte die Nachrichtenagentur AP den Mitschnitt eines Botschaftsmitarbeiters, bei dem dieser den Ton mit seinem Handy aufgenommen hatte. Trotzdem gelang es monatelang nicht, die Geräuschquelle eindeutig zu identifizieren. Diese Aufzeichnung untersuchten nun Wissenschaftler und haben immerhin eine Theorie über den Verursacher.

Suche nach Weibchen

Die Biologen Alexander Stubbs von der University of California in Berkeley und Fernando Montealegre-Zapata von der britischen University of Lincoln vertreten im britischen "Guardian" die Meinung, bei den Geräuschen handele es sich um das Zirpen von Anurogryllus celerinictus. Die karibische Grillenart bewege sich bevorzugt im Frequenzbereich von sieben Kilohertz, wie er auf der Handyaufnahme zu erkennen sei.

Montealegre-Zapata erklärte der Zeitung, er habe als Kind in Südamerika Grillen einer ähnlichen Art gezüchtet und selbst erfahren, wie nervtötend die Töne sein können, die die Insekten erzeugen. Er sei eines Nachts wegen eines durchdringenden Tons aufgewacht. Es habe sich dann herausgestellt, dass ein bestimmtes männliches Tier diesen Ton erzeugte, das er daraufhin aus seinem Zimmer schaffte. Aber auch nach dieser Maßnahme habe man das Männchen noch immer deutlich nach Weibchen rufen hören. "Ich bin nicht überrascht, dass dieses Geräusch Menschen stören kann, die sich nicht mit den Klängen von Insekten auskennen", so der Forscher.

Mit der neuen These ist jedoch noch nicht eindeutig widerlegt, dass ein akustischer Angriff stattgefunden hat. Die Erkenntnisse der beiden Wissenschaftler sind noch nicht geprüft und offiziell veröffentlicht worden. Außerdem räumten die beiden Biologen ein, dass der Paarungsruf der verdächtigten Grille und die Tonaufnahme nicht exakt übereinstimmten. Demnach gab es Abweichungen, die bei den Insekten nicht nachgewiesen wurden. Diese könnten jedoch auch darauf zurückzuführen sein, dass die Botschaftsaufnahme in einem Innenraum gemacht wurde, während die meisten Biologen Grillenzirpen in der freien Natur aufzeichnen.

Quelle: n-tv.de, sba

Mehr zum Thema