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Zum 200. GeburtstagBraille erfand Blindenschrift

04.01.2009, 12:16 Uhr

Auch wenn die Audiotechnologie heute weit entwickelt ist, ermöglicht es nur die Braille-Schrift, dass Blinde lesen und schreiben lernen können. Vor 200 Jahren wurde ihr Erfinder geboren.

Sein Unglück verhalf Millionen von blinden Menschen zum Lesen und Schreiben. Louis Braille, der im 19. Jahrhundert die nach ihm benannte Blindenschrift erfand, war noch ein Kind, als er das Augenlicht durch einen tragischen Unfall verlor. Als dreijähriger stach er sich in der Sattlerei seines Vaters mit einer Lederschere ins Auge. Die Infektion griff auf das zweite Auge über, der kleine Junge erblindete. Braille, der vor 200 Jahren am 4. Januar 1809 in der Nähe von Paris geboren wurde, wird für die Erfindung der Blindenschrift nicht nur in Frankreich als Held geehrt.

Die 1829 veröffentlichte Methode verschafft heute noch Millionen von Blinden weltweit den Zugang zu Bildung und Berufstätigkeit - auch wenn es heutzutage hoch entwickelte Sprachcomputer gibt. Keine andere Blindenschrift hat sich auf der ganzen Welt so durchsetzen können: Die Braille-Schrift ist nicht nur relativ leicht zu erlernen, sondern dient gleichzeitig dem Lesen und Schreiben.

Lesen und Schreiben mit der Braille-Schrift

"Man kann mit Computern und Audiotechnologie viel erreichen. Durch die rein akustische Wahrnehmung bekommen wir aber nur Menschen, die nicht mehr selbstständig lesen und schreiben können", sagt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft sehgeschädigter Computerbenutzer, Peter Brass. Vor allem im Alltag und im Berufsleben sei die Braille-Schrift beim Erkennen von Aufzeichnungen, Notizen und Beschriftungen unerlässlich.

Trotz seiner Behinderung besuchte Braille als Kind zunächst noch eine reguläre Dorfschule, bevor er mit zehn Jahren in dem Königlichen Blinden-Institut in Paris als Schüler aufgenommen wurde. Aus dem Schüler wurde ein Lehrer, der bis zu seinem Tod an der Schule sein Punktschriftsystem unterrichtete, das er bereits im Alter von 16 Jahren komplett entwickelt hatte.

Sechs-Punkte-System mit 63 Kombinationsmöglichkeiten

Nachts, während seine Mitschüler schliefen, stanzte Braille mit einem spitzen Instrument Punkte in ein weiches Holzbrett. Er entwarf ein Sechs-Punkte-System mit 63 Kombinationsmöglichkeiten, aus denen alle Buchstaben, die Ziffern Null bis Neun und sämtliche mathematischen Operationszeichen gebildet werden konnten. Zu dieser Idee hatte ihn die komplexe Geheimschrift des Offiziers Charles Barbier inspiriert, mit der Soldaten auch im Dunkeln Nachrichten übermitteln konnten. Braille hat sie verbessert und auf sechs Punkte reduziert. Die aus Punkten gebildeten Zeichen werden mit den Fingern "gelesen".

Louis Braille starb am 6. Januar 1852 im Alter von 44 Jahren an Tuberkulose. Er war zu Lebzeiten zwar ein berühmter Mann, den weltweiten Siegeszug erfuhr sein Werk jedoch erst Jahre später. 1952 wurde seine Asche in das Pariser Panthon überführt - die letzte Ruhestätte großer Männer und Frauen in Frankreich.

Sabine Glaubitz, dpa