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Europäische Feuerwehr am CERN Brandschutz im Grenzgebiet der Physik

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Der LHC-Beschleunigerring befindet sich in einem 27 Kilometer langen Tunnel, 50 bis 175 Meter unter der Erde. Mit Tunnelbränden müssen sich die Feuerwehrleute am CERN folglich auskennen.

(Foto: Julian Herzog/Wikipedia/CC BY-SA 3.0)

Am Teilchenbeschleuniger CERN suchen Forscher nach Dunkler Materie. Zum Gelingen der bahnbrechenden Experimente tragen auch Feuerwehrleute aus ganz Europa bei. Rund 1200 Einsätze im Jahr absolvieren sie an einem der extremsten Orte der Welt.

Für den drohenden Weltuntergang gab es keinen Notfallplan. Jedenfalls nicht, dass Heiko Clicqué wüsste. "Ist mir nicht bekannt", sagt der Berliner Feuerwehrmann auf die Frage nach Einsatzszenarien für den Fall, dass der Teilchenbeschleuniger am Europäischen Kernforschungszentrum CERN doch zur Bildung Schwarzer Löcher geführt hätte. Aber es muss ja nicht gleich das Ende der Erde sein. Bei der größten je von Menschen gebauten Maschine, die den Geheimnissen des Universums nachspürt, kann auch so schon genug schiefgehen.

Schließlich werden am Large Hadron Collider (LHC) bei Genf gewaltige Naturkräfte heraufbeschworen. Protonen werden fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, dann prallen sie aufeinander. Die dabei entstehende Hitze ist millionenfach höher als die Temperatur im Inneren der Sonne. Die Magnete, die die Teilchenstrahlen lenken, sind hingegen auf minus 271 Grad heruntergekühlt und damit kälter als das Weltall. Ein Kabelbrand oder ein geplatztes Rohr kann in dieser extremen Umgebung fatale Folgen haben. Dass es nicht so weit kommt, dafür sorgen Clicqué und seine Kollegen von der werkseigenen Feuerwehr am CERN.

Strahlenschutz, Höhenrettung, Tunnelbrände

Nicht nur bei den Physikern, auch bei den Rettungskräften wird internationale Zusammenarbeit großgeschrieben. Die derzeit 44 operativen Feuerwehrleute (darunter drei Frauen) kommen aus Frankreich, Finnland, Schweden, den Niederlanden, Portugal, Spanien, Großbritannien, Italien und Deutschland. Amtssprachen sind Französisch und Englisch. Die grenzübergreifende Zusammensetzung der Truppe liegt auch in der Natur der Forschungseinrichtung begründet. "CERN wird von den Mitgliedsstaaten bezahlt, man versucht daher auch, Mitarbeiter aus diesen Ländern zu rekrutieren", erklärt Sektionsleiter Clicqué. Er leitet eins von vier Feuerwehrteams, die abwechselnd auf Schicht sind.

Die Feuerwehr ist rund um die Uhr im Dienst und absolviert auf dem 200 Hektar großen Gelände auf Schweizer und französischem Staatsgebiet rund 1200 Einsätze im Jahr. Zu den Aufgaben gehört es auch, die CERN-Mitarbeiter in Erster Hilfe und dem Umgang mit Feuerlöschern zu schulen. Die Feuerwehrleute müssen sich aber auch mit Strahlenschutz, Höhenrettung und Tunnelbränden auskennen – schließlich befindet sich der LHC-Beschleunigerring in einem 27 Kilometer langen Tunnel, 50 bis 175 Meter unter der Erde.

Durchgebrannter Trafo und ein Helium-Leck

Neun Tage nach der Inbetriebnahme im September 2008 wurde die Feuerwehr wegen eines gewaltigen Helium-Lecks am Teilchenbeschleuniger alarmiert. Der Unfall führte zu einer über einjährigen Zwangspause. Solche Unglücke sind für Clicqué und seine Kollegen zum Glück die Ausnahme. Ihr rasches Eingreifen vor Ort hat aber so manches Mal den Forschungsbetrieb aufrechterhalten. So auch, als ein durchgebrannter Trafo einen dreistündigen Stromausfall am CERN verursachte und ohne die werkseigene Feuerwehr der Neustart des LHC bedroht gewesen wäre.

Seit dem 5. April ist der aufgerüstete Teilchenbeschleuniger nach der Entdeckung des Higgs-Bosons unter anderem auf der Suche nach Dunkler Materie, Supersymmetrie und neuen Raumdimensionen. Was es damit auf sich hat, gehört allerdings nicht zu den Sonderqualifikationen eines CERN-Feuerwehrmannes. "Die normale Schulphysik ist im Allgemeinen ausreichend", beruhigt Clicqué.

Quelle: n-tv.de

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