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Buckelwal in Wismarer BuchtWarum schwimmen Wale zum Sterben ins flache Wasser?

15.04.2026, 15:31 Uhr
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Der Buckelwal liegt vor der Insel Poel. Vor fast zwei Wochen wurden alle weiteren Rettungsversuche aufgegeben. (Foto: picture alliance/dpa)

Noch immer gibt der kranke und geschwächte Buckelwal in der Wismarer Bucht Lebenszeichen von sich. Doch die Rettungsversuche wurden schon vor zwei Wochen eingestellt. Der Fall wirft aber weiterhin eine Menge Fragen auf.

Seit Wochen zieht das Schicksal eines Buckelwals ganz Deutschland in seinen Bann. Bereits im März war das teilweise "Timmy" genannte Tier in der Lübecker Bucht bei der Gemeinde Timmendorfer Strand gestrandet. Trotz mehrerer Rettungsversuche schwamm sich der Wal immer wieder fest - seit dem 31. März liegt das kranke und geschwächte Tier in der Wismarer Bucht vor der Insel Poel. Die letzten aktiven Rettungsversuche wurden am 1. April aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands eingestellt.

Doch einige Fragen bleiben offen. Wieso schwamm der Wal in die Ostsee? Und wie oft kommt es vor, dass Wale noch lebend stranden? Eine Übersicht.

Schwamm der Buckelwal absichtlich in die Ostsee, um dort in Ruhe zu sterben?

Es sei durchaus denkbar, dass sich der Wal zum Ausruhen oder sogar zum Sterben in das niedrige Gewässer begeben hat, schreibt die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) in einer E-Mail auf eine Anfrage von ntv.de. "Im Vergleich zu tiefem Gewässer birgt das seichte Gewässer weniger Gefahren, zum Beispiel durch natürliche Feinde oder umherfahrende Schiffe, und dient als Rückzugsort."

Dafür spreche im Fall des Buckelwals vor Poel, dass dieser auch nach seiner ersten Befreiung durch den Bagger-Einsatz immer wieder Kurs in Richtung niedrige Gewässer nahm, schreibt WDC. Nur durch die Boots-Eskorte hätte er tagsüber davon abgehalten werden können. Den genauen Grund, wieso der Buckelwal in die Ostsee geschwommen ist, könne jedoch niemand benennen - am wahrscheinlichsten sei, dass mehrere Faktoren im Zusammenspiel dazu beigetragen hätten.

Weiß man, wie das Sterben eines Wals in der Natur abläuft?

Weltweit sterben laut WDC jährlich rund 300.000 Wale und Delfine einen ähnlichen Tod wie der Buckelwal, weil sie sich in Fischereigeräten verstrickt haben. "In vielen Fällen bekommen wir davon nichts mit, weil die Meeressäuger entweder auf hoher See an den Folgen der Verstrickungen sterben oder bereits tot an den Strand gespült werden", so die Organisation.

Laut der Tierschutzorganisation sind Wale und Delfine in ihren Lebensräumen zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt, die zu ihrem Tod führen können: von Krankheiten über Beifang, Schiffskollisionen, Plastik im Magen, bis hin zu Vergiftungen durch Chemikalien oder toxische Algenblüten.

"In den meisten dieser genannten Fälle haben die Individuen einen längeren Leidensweg und sterben nicht unmittelbar", schreibt das WDC. Wenn ein kleiner Wal oder Delfin Plastik verschluckt, könne er über Wochen verhungern. Auch in Fischereiausrüstung können sich Wale verstricken und diese lange Zeit als zusätzlichen Ballast mit sich schleppen, was das Tier mehr und mehr schwächt. Verheddere sich in ein Wal in der Tiefe in einem Fischernetz, sodass er nicht mehr rechtzeitig zum Atmen an die Wasseroberfläche gelangt, ertrinkt er.

Kann man den Wal nicht erlösen, um sein Leid zu verringern?

Laut dem WDC stehen für eine aktive Sterbehilfe nur drei Optionen zur Verfügung: Einschläfern, Erschießen oder das Sprengen des Kopfes. Sowohl für eine Euthanasie als auch für Schüsse in den Kopf des Wals fehle es an ausreichender praktischer Erfahrung. Zudem fehle es an Lizenzen, um sicherzustellen, dass der Tod des Wals unmittelbar und ohne Bewusstsein oder Schmerzen herbeigeführt würde, heißt es in einem Blog des WDC zu dem Thema.

Eine Sprengung des Kopfes des Wals wäre laut den Tierschützern die einzig "sichere" Methode, um den Wal unmittelbar zu töten. Jedoch sei diese Option ethisch kaum vertretbar und auch in Anbetracht der vielen unterschiedlichen Meinungen aus der Bevölkerung nur schwer zu rechtfertigen.

Wie oft stranden lebende Wale an Küsten?

Der Fall des genannten Buckelwals ist laut dem Deutschen Meeresmuseum in Stralsund die erste Lebendstrandung eines Großwals in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen zehn Jahren. Vor 201 Jahren strandete ein lebendiger Finnwal vor Rügen, dessen Skelett mittlerweile im Meeresmuseum hängt. Konkrete Daten und Zahlen zu Strandungen sowohl toter als auch lebender Großwale aus früheren Jahren liegen laut Meeresmuseum aktuell nicht vor.

Dennoch gilt der Fall des Buckelwals als weltweit einzigartig: "Noch nie ist beobachtet worden, dass ein Wal innerhalb weniger Tage mehrfach an einer Küste strandet und weiterlebt", hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus vergangene Woche mitgeteilt. Dies habe die Internationale Walfangkommission (IWC) in einem Schreiben an das Ministerium erklärt.

Quelle: ntv.de, jaz/kst

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