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Frühes Symptom für Infektion Coronavirus legt den Geruchssinn lahm

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Wer nicht gut riechen kann, sollte derzeit an eine Coronavirus-Infektion denken.

(Foto: imago images/Westend61)

Das Coronavirus hat offenbar ein spezifisches Symptom: In einem sehr frühen Stadium der Infektion schwinden Geschmacks- sowie Geruchssinn. Dies stellen Forscher in Deutschland und Großbritannien übereinstimmend fest. Daraus ergeben sich neue Handlungsanweisungen.

Husten und Halskratzen - diese beiden Symptome sind mittlerweile bekannt für eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Offenbar aber gibt es eines, das noch früher auftritt und ein erstes Anzeichen für eine Covid-19-Erkrankung sein kann: der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, selbst wenn die Erkrankung ansonsten mild verläuft. Viele Patienten bemerken demnach zunächst diese Einschränkung, bevor womöglich weitere Symptome hinzukommen.

Diese Merkmale haben Virologen der Universität Bonn bei Covid-19-Betroffenen aus dem Kreis Heinsberg festgestellt. Mehr als 70 Prozent der Patienten bestätigte dieses Krankheitsmerkmal. "Ein Patient klagte, dass er das Shampoo unter der Dusche nicht mehr gerochen hat. Eine Mutter konnte die vollen Windeln vom Neugeborenen nicht mehr wahrnehmen. Und eine Krankenschwester hat sogar selber mit Essigessenz ihre Geruchsfähigkeit getestet, als sie uns das erzählt hat", sagte Professor Hendrik Streeck laut BR über das Phänomen.

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Gleiche Erkenntnisse haben britische Wissenschaftler. Einer Studie zufolge, die die Forscher mithilfe einer Symptom-Tracker-App erstellten, klagten fast 60 Prozent aller Patienten mit einem positiven Test über den Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. "In Kombination mit anderen Symptomen scheinen Menschen mit Geruchs- und Geschmacksverlust dreimal häufiger erkrankt zu sein und sollten sich daher sieben Tage lang selbst isolieren, um die Ausbreitung der Krankheit zu reduzieren", sagt Tim Spector, Professor am King's College in London, der die Studie leitet, Reuters zufolge.

Dockt Virus direkt am Geruchsnerv an?

Nun gehört diese Sinneseinschränkung auch häufig zum Verlauf einer Erkältung oder eines Schnupfens. Doch der Unterschied besteht darin, dass bei derlei Infekten die Schädigung der Riechzellen erst durch die Folgen der Erkrankung hinzukommt. Damit man Speisen und Getränke schmecken kann, braucht es den Geschmacks-, aber auch den Geruchssinn. Duftmoleküle der Nahrung steigen in die Nase, die Riechzellen nehmen sie auf und leiten sie ans Gehirn. Aromastoffe in Essen werden also nicht geschmeckt, sondern gerochen. Sobald die Nase verstopft ist, können die Aromen nicht mehr weitergeleitet werden und das Essen schmeckt fade.

Allerdings haben Coronavirus-Infizierte häufig keine verstopfte Nase, und so muss es bei Covid-19 andere Ursachen geben. Dr. Stefan Drumm, ein niedersächsischer HNO-Arzt, vermutet, dass das neuartige Coronavirus sich am oberen Atemtrakt vermehrt, daher dort die höchste Virenlast herrscht und die Viren ihre Umgebung früh schädigen. So erklärte er es dem SWR. Der britische Arzt Nirmal Cumar schlussfolgerte laut "Daily Mail", dass das Virus direkt an den Geruchsnerven andockt und sie so lahmlegt.

Britische Ärzte haben bereits angeregt, grundsätzlich Patienten mit einer neu aufgetretenen Riechstörung als Covid-19-Verdachtsfall zu behandeln. Das schlägt auch die europäische rhinologische Gesellschaft vor. So könnten Patienten bei genügend Vorsicht und Isolation in einem frühen Stadium weniger Personen anstecken.

Die gute Nachricht: Die Sinne kommen relativ schnell zurück. Den Bonner Forschern zufolge können Patienten schon nach zwei bis drei Tagen wieder riechen und schmecken.

Quelle: ntv.de