Wissen

Folgen eines Corona-Infekts Covid-19 könnte Lunge dauerhaft schädigen

129180984.jpg

Wissenschaftler vermuten bleibende Lungenschäden bei schwer erkrankten und wieder genesenen Corona-Patienten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Fast 200.000 Menschen weltweit sollen bereits von einer Corona-Infektion genesen sein. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass ein Teil der Patienten körperliche Langzeitschäden davonträgt. Besonders betroffen dabei: die Lunge der Erkrankten.

Über die Symptome der Covid-19-Erkrankung gibt es nach derzeitigem Wissensstand überwiegend Einigkeit: Es kann unter anderem zu trockenem Husten, Fieber, Atemproblemen, Kopfschmerzen, Durchfall oder lebensbedrohlichen Lungenentzündungen kommen. Deutlich vorsichtiger äußern sich Experten zurzeit in Bezug auf die Langzeitfolgen der Krankheit.

Erst kürzlich machte Virologe Christian Drosten in einem seiner täglichen NDR-Podcasts auf die langfristigen Symptome nach schweren Verläufen von Corona-Erkrankungen aufmerksam: "Über einen Monat nach der Krankenhausentlassung sind die Patienten noch allgemein geschwächt, gerade die, die schwerere Verläufe hatten. Auch die Lungenfunktion scheint nicht gut zu sein nach überstandener schwerer Infektion."

Bereits Anfang Februar hatten Wissenschaftler des Zhongnam Hospitals der Universität in Wuhan über irreversible Schäden an der Lunge bei geheilten Covid-19-Erkrankten berichtet. In einer Studie hatten sie die Lungenbilder von 140 Corona-Patienten untersucht - bei allen entdeckten sie milchglasartige Trübungen auf den Lungenbildern, die ihnen zufolge auf langfristige Schäden an dem Organ hindeuten könnten.

Gewebeschäden in der Lunge möglich

Ärzte des George Washington University Hospitals hatten die Lunge eines 59-jährigen Corona-Patienten gescannt und das Ergebnis vor etwa einer Woche veröffentlicht. Auf dem 3D-Scan ist befallenes und unbefallenes Lungengewebe farbig voneinander abgegrenzt. Dem leitenden Arzt Keith Mortmann zufolge offenbart diese Darstellung, dass sich das Virus nicht auf eine Stelle beschränke, sondern mehrere Teile der Lunge angreife. Es sei "schwerer Schaden diffus an beiden Lungenflügeln" zu sehen.

Wenn die Entzündung nicht abklinge und auf diese Weise Narbengewebe in der Lunge hinterlasse, könnten solche Gewebeschäden bleibende Atembeschwerden auslösen, so die US-Ärzte. Die Entdeckung bezeichneten die Ärzte auch deshalb als beunruhigend, weil der Untersuchte kein klassischer Risikopatient gewesen sei. Langfristige Lungenschäden könnten demnach auch anderen Genesenen ohne Vorerkrankungen drohen.

Andere Experten wie der Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht warnen allerdings vor zu schnellen Schlüssen. Ob die Lunge nur zeitweise Schaden nimmt oder ob es zu irreversiblen Einschränkungen ihrer Funktionen kommen kann, lasse sich aufgrund der Neuartigkeit des Virus zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht durch belastbare Studien beantworten.

Insgesamt ist allerdings fraglich, wie viele Corona-Patienten überhaupt von Folgeschäden an der Lunge betroffen sein werden. Die dem Robert-Koch-Institut (RKI) vorliegenden Zahlen aus China zeigen, dass bei 14 Prozent der Patienten Gewebeschäden in einem Großteil der Lunge nachgewiesen wurden. Da die Krankheitsverläufe vielfältig verlaufen und von symptomfreien bis zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen und Tod variieren, warnt das RKI jedoch davor, zum jetzigen Zeitpunkt allgemeingültige Aussagen zum typischen Krankheitsverlauf von Covid-19 zu treffen.

Sind Corona-Genesene künftig immun?

Offen ist zudem auch die Frage, inwiefern bereits Erkrankte langfristig immun gegen das Coronavirus sind. Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Institut erklärte vor einigen Tagen der ARD: "Wir wissen, dass die Patienten eine Immunantwort haben, aber wie lange diese aufrechterhalten bleibt, wissen wir nicht. Wir kennen das Virus erst seit Mitte Januar."

Gesichert ist die These von der Immunität zurzeit also noch nicht. Allerdings konnten bei genesenen Patienten Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden. Auch zeigen bisherige Ergebnisse aus Tests an Affen, dass nach einer ersten Infektion mit dem Virus eine weitere Infektion ausblieb, obwohl die Tiere mit einem Vielfachen des Virus in Kontakt gekommen waren.

Der Virologe Uwe Gerd Liebert hingegen hält eine längerfristige Neuerkrankung nach erstmaliger Infektion mit dem Coronavirus durchaus für möglich. Gegenüber dem MDR sagte er, dass ein Impfschutz gegen Corona vermutlich wie bei einer Grippe jährlich aufgefrischt werden müsse.

Quelle: ntv.de, swa