Oldtimer kurz vor AusmusterungDas betagte "Warzenschwein" der USA jagt Irans Schnellboote

Ein kurz vor der Ausmusterung stehender Oldtimer kommt erneut zum Einsatz: Über der Straße von Hormus operieren die USA mit A-10-Kampfjets. Laut Washington attackieren die Maschinen iranische Schnellboote. Die Verlegung in den Nahen Osten zeigt, wie wertvoll die Maschine aus den 70ern noch immer ist.
Auf ihre alten Tage schickt Washington einen bewährten, aber eigentlich auslaufenden Oldtimer-Jet in den Nahen Osten. An der Südflanke des Iran setzt das US-Militär nun auch Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 Thunderbolt II ein. Das sagte General Dan Caine, der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff, am Donnerstag während einer Pressekonferenz. Die A-10 des Herstellers Fairchild-Republic nehmen iranische Schnellboote in der Straße von Hormus unter Beschuss, die der Iran im Wesentlichen für den Seeverkehr gesperrt habe, sagte Caine.
Bereits vergangenen Sonntag zeigte das US-Zentralkommando (Centcom) auf X Fotos mehrere A-10, die in der Luft über dem Nahen Osten betankt werden. Es war die erste visuelle Bestätigung des Kampfjets im Rahmen der Operation "Epic Fury". Zuvor hatte das Centcom die Maschine lediglich in einer Aufzählung kurz nach Kriegsbeginn schriftlich erwähnt.
Die US-Luftwaffe versucht schon lange, die A-10 auszumustern, um Mittel für die Entwicklung fortschrittlicherer Flugzeuge einzusparen. Bis 2028 soll die Maschine eigentlich in den Ruhestand gehen. Doch die A-10 hat sich in früheren Luftkampagnen gegen Aufständische und nun gegen iranische Ziele immer wieder als nützlich erwiesen. Besonders die im Bug montierte Kanone eignet sich unter anderem für den Abschuss von Drohnen.
Die A-10 trägt wegen ihrer Unförmigkeit den Spitznamen "Warthog" – also "Warzenschwein". Konzipiert wurde sie für den Angriff gegen Bodenziele auf kurzer Distanz. Gebaut wurde sie seit 1975 und zählt heute zu den legendärsten noch aktiven Flugzeugen der Welt. Ursprünglich wurde sie entwickelt, um die Armeen des Warschauers Pakts aufzuhalten. Im Tiefflug sollte sie die Panzerspitzen angreifen und alles, was sich ihr entgegenstellte, mit der Bordkanone bekämpfen.
Die A-10 wurde um diese Hauptwaffe herum aufgebaut. Ihre 30-mm-Bordkanone vom GAU-8/A Avenger und ihr typischer Klang sind ihr Markenzeichen. Das liegt an der Rolle des Kampfflugzeugs. Zum Kampf gegen sowjetische Panzerkolonnen kam es nie. Doch wurde die A-10 im Irak und in Afghanistan mit Erfolg eingesetzt. Wenn US-Truppen in Gefahr gerieten, wurde das "Warzenschwein" geschickt, um sie herauszuhauen. Aus ausrangierten Kanonenrohren werden Devotionalien wie Kampfmesser gefertigt. Neben der Feuerkraft des Jets beeindruckt seine Fähigkeit, gegnerische Treffer wegzustecken.
Die A-10 ist der Nachfolger von Flugzeugen des Zweiten Weltkriegs wie dem deutschen Sturzkampfbomber "Stuka" Ju-87 oder der sowjetischen Iljuschin Il-2 "Schturmowik". Von der Schturmowik übernahmen die Amerikaner die Idee, den Piloten in eine Art stählerne Badewanne zu setzen, um ihn vor Bodenfeuer zu schützen.
Im Vergleich zum russischen Gegenstück, der Suchoi Su-25, hat die A-10 eine Besonderheit: Ihre beiden Triebwerke sind oberhalb der Flügel und weit voneinander getrennt montiert. Das erhöht die Überlebensfähigkeit erheblich. Die A-10 übersteht dadurch sogar Treffer und Feuer in einem Triebwerk, während die Su-25 dann meist in Brand gerät. Die A-10 ist ein Tiefdecker mit breiten Flügeln. Sie wurde so gebaut, dass sie in Bodennähe und bei niedrigen Geschwindigkeiten hochgradig beweglich bleibt, um so den Gegner mit der rotierenden Kanone zu bekämpfen.
Als Frontflugzeug kann sie von kurzen Pisten aus starten und auch an Behelfsflugplätzen gewartet werden. Eine weitere Besonderheit: Das Erdkampfflugzeug wurde so gebaut, dass es auch bei schweren Schäden in der Luft bleibt. Insgesamt wurden bis 1984 über 700 A-10 gebaut. Im Betrieb sind heute immerhin etwa 160 Maschinen.