Wissen

Mehr ist nicht drin Der Mensch hat seine Leistungsgrenze erreicht

653787ec0675a75db70d9e0c1255be82.jpg

Stagnation in der Größenentwicklung: Die Forscher führen als Beispiel auch die NBA an: Seit 1984 liege die Durchschnittsgröße der Spieler bei etwa zwei Metern und nehme nicht weiter zu.

(Foto: AP)

Das olympische Motto "Höher, schneller, weiter" galt lange auch für die allgemeine Entwicklung des Menschen. Doch nun seien die biologischen Grenzen des Homo sapiens erreicht, behaupten Wissenschaftler. Einer meint sogar, wir würden immer dümmer.

Der Mensch ist am Ende seiner biologischen Entwicklungsmöglichkeiten angelangt. Die bisherige Tendenz, dass jede Generation die vorhergehende in puncto Körpergröße, Lebensalter und körperliche Leistungsfähigkeit übertrumpft, werde sich in Zukunft nicht fortsetzen. Das schreiben französische Wissenschaftler nach der Analyse zahlreicher Forschungsarbeiten aus den vergangenen 120 Jahren in der Fachzeitschrift "Frontiers in Physiology". Neben genetischen Faktoren hatten sie auch den Einfluss von Umweltaspekten in ihrer Zukunftsprognose berücksichtigt.

Die Forscher Jean-François Toussaint von der Université Paris Descartes in Paris (Frankreich) konzentrierten sich auf die Merkmale Körpergröße, Alter und körperliche Leistungsfähigkeit. "Diese Eigenschaften nehmen nicht mehr zu, trotz weiterer kontinuierlicher Fortschritte in Ernährung, Medizin und Wissenschaft", wird Toussaint in einer Mitteilung der Fachzeitschrift zitiert. Dies lege nahe, dass die menschliche Spezies in der modernen Gesellschaft an seine Grenzen gelangt sei.

In einigen Ländern stagniert Größenentwicklung seit Jahrzehnten

Den Stillstand bei der Entwicklung der Körpergröße belegten zahlreiche Daten. So zeigten eine Reihe von Studien, dass Frauen, die 1996 geboren wurden, im Durchschnitt 8,3 Zentimeter größer sind als die Frauen von 1896. Im selben Zeitraum habe die durchschnittliche Körpergröße von Männern um 8,8 Zentimeter zugenommen. Doch in den wohlhabenden Ländern Westeuropas und Nordamerikas stagniere die Größenentwicklung seit etwa 30 Jahren. Toussaint und Kollegen führen als Beispiel auch die Nationale Basketball-Liga der USA an: Seit 1984 liege die Durchschnittsgröße der Spieler bei etwa zwei Metern und nehme nicht weiter zu. In einigen armen afrikanischen Ländern sei die Entwicklung der durchschnittlichen Körpergröße sogar rückläufig.

Der Mensch mit dem bisher höchsten erreichten Lebensalter ist die Französin Jeanne Calment, die 1997 mit 122 Jahren starb.jpg

Der Mensch mit dem bisher höchsten erreichten Lebensalter ist die Französin Jeanne Calment, die 1997 mit 122 Jahren starb.

(Foto: dpa)

Ähnliches berichten die Forscher von der Entwicklung der Lebenserwartung: "Von 1900 bis 2000 stieg die Lebenserwartung bei der Geburt in den meisten Ländern mit hohem Einkommen um etwa 30 Jahre, hauptsächlich aufgrund einer Verringerung der Kindersterblichkeit durch Ernährung, Hygiene, Impfungen und andere medizinische Verbesserungen", schreiben die Forscher. Doch auch hier würden in den vergangenen Jahrzehnten die Zuwachsraten geringer. Der bisher nachweislich älteste Mensch der Welt, die Französin Jeanne Calment, starb 1997 mit 122 Jahren und 164 Tagen. Seitdem ist niemand älter geworden.

Sportrekorde im Vergleich

Für die Untersuchung der körperlichen Leistungsfähigkeiten ziehen die Forscher vor allem Sportrekorde heran: Seit den 1980er-Jahren hätten sich die Jahresweltbestleistungen in vielen Sportarten kaum oder gar nicht verbessert. Auch jenseits des Sports zeigten Langzeitstudien in Westeuropa und Skandinavien, dass die Ausdauer und die Kraftleistung junger Männer über die Jahre abgenommen haben.

Jetzt, da die Grenzen der menschlichen Spezies bekannt seien, sollten alle Nationen sicherstellen, dass die meisten Menschen in einem Land das obere Limit der Leistungsgrenze erreichten, schreiben die Forscher um Toussaint. Wenn das Plateau erreicht sei, sollte darauf geachtet werden, dass es nicht zu einem Rückgang der Entwicklung komme, auch wenn dies kostspielig werde. "Dieses Ziel wird eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts sein."

Immer dümmer?

Vor einigen Jahren hatte der US-amerikanische Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree eine provokante These zur menschlichen Leistungsfähigkeit formuliert: Er hatte behauptet, dass die Menschen bereits vor etwa 3000 Jahren ihren intellektuellen Zenit erreicht hätten - und seitdem immer dümmer würden.

Er begründete dies damit, dass in der modernen Welt die natürliche Auslese hervorragender Gene nicht mehr funktioniere. Vor Tausenden Jahren, als die Menschen noch in kleinen Gruppen durch die Wildnis streiften, seien intellektuelle Fähigkeiten entscheidend zum Überleben eines jeden Menschen gewesen. Doch seit die Menschheit Ackerbau betreibe und in größeren Gemeinschaften zusammenlebe, sei die Intelligenz des Einzelnen weniger wichtig geworden. Heutzutage könnten auch die weniger Schlauen überleben und sich fortpflanzen - was zu einer Abnahme der durchschnittlichen Intelligenz führe.

Quelle: n-tv.de, Stefan Parsch, dpa

Mehr zum Thema