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Tambora ist immer noch aktiv Der Vulkanausbruch, der die Welt veränderte

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Krater des Tambora auf Sumbawa.

(Foto: dpa)

Die folgenschwerste Naturkatastrophe der Neuzeit: Vor 200 Jahren brach auf der Insel Sumbawa der Vulkan Tambora aus. Im darauffolgenden "Jahr ohne Sommer" brachen in Europa und auch Amerika Hungersnöte aus.

Es spukt auf Sumbawa, sagen die Einheimischen. Der Geist eines Königs treibe sein Unwesen auf der indonesischen Insel im Indischen Ozean. Er locke junge Leute in den Dschungel, die nie wieder das Tageslicht erblicken. Der König, heißt es, kann nicht ruhen, seit der gewaltige Ausbruch des Vulkans Tambora ihn und sein sagenhaftes Reich voller Gold und Schätze zerstörte.

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Hungerbrötchen aus dem Jahr 1817 im Haus der Geschichte in Stuttgart. Sie sind Teil einer Ausstellung über die Auswirkungen des Ausbruchs des Tambora vor 200 Jahren auf Baden-Württemberg.

(Foto: dpa)

Der Spuk ist Ansichtssache, aber der Vulkanausbruch ist dokumentiert. Die beispiellose Eruption passierte vor genau 200 Jahren, am 10. April 1815. An dem Tag explodierte der Tambora nach mehreren Tagen kleinerer Ausbrüche regelrecht. Weit über 1000 Meter des damals rund 4300 Meter hohen Berges stürzten ein. Zehntausende Menschen wurden von Magma und Gestein erschlagen. Meterdicke Asche begrub Dörfer auf Sumbawa. Ein Tsunami verwüstete die Küsten über Hunderte Kilometer. Insgesamt kamen nach Schätzungen etwa 100.000 Menschen um. Asche und 400 Millionen Tonnen Schwefelgase wurden nach Schätzungen in die Atmosphäre geschleudert und verbreiteten sich um den Erdball.

Das Folgejahr 1816 ging als "das Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein. Dichte Wolken ließen die Sonne kaum durchkommen. In Europa brachen Hungersnöte aus, weil die Ernte ausfiel oder das Getreide auf dem Feld verdorben war. In Amerika begann kurz darauf der große Treck nach Westen, weil Bauern im Osten fast verhungerten.

Folgenschwerste Naturkatastrophe der Neuzeit

Die Explosion des Tambora war die folgenschwerste Naturkatastrophe der Neuzeit. Die Ursache des verheerenden Wetters ahnte zunächst niemand. Der Telegraf war noch nicht erfunden, die Kunde von dem Vulkanausbruch am anderen Ende der Welt erreichte Europa erst Monate später. Selbst in Asien wusste man zunächst nichts. "Die Explosionen waren 1500 Kilometer weiter westlich auf Sumatra zu hören", schrieb zwar 1850 ein britischer Geologe, der sich auf den damaligen Gouverneur von Indonesien, Sir Stamford Raffles, berief. Doch dachten die Menschen dort zunächst an Kanonenschüsse und einen bevorstehenden Angriff.

Anders war es knapp 70 Jahre später, bei der gewaltigen Explosion des Krakatau 1883, ebenfalls in Indonesien. Die Naturkatastrophe war kleiner, beeinflusste aber auch das globale Klima. Über den Ausbruch des Krakatau war die Welt aber in kürzester Zeit informiert und er ist bis heute die deutlich bekanntere Naturkatastrophe. Ob es das sagenhaft reiche Königreich gab, von dem die Menschen auf Sumbawa heute erzählen?

2004 entdeckten die Geologen Haraldur Sigurdsson und Lewis Abrams an dem Vulkan Überreste eines Dorfes drei Meter unter der Erde. "Es kann gut sein, dass Tambora das "Pompeji des Ostens" wird", meinte Sigurdsson damals. Sie gruben eine verkohlte Frauenleiche aus, die noch ein Messer in der Hand hielt, wie Abrams im Magazin "Current Science" berichtete. Dazu Bronzeschalen und Scherben von Keramiktöpfen. Solche Funde gab es auch in Pompeji, der beim Ausbruch des Vesuvs bei Neapel im Jahr 79 verschütten Stadt, die erst im 18. Jahrhundert entdeckt wurde.

Jahrestag soll Gäste bringen

Von sagenhaftem Reichtum ist auf Sumbawa wenig geblieben. Die meisten der 1,5 Millionen Einwohner leben dort von der Hand in den Mund, als Bauern oder Fischer. Der Touristenstrom zieht an der Insel vorbei. Segeltörns von Bali und Sumbawas Nachbarinsel Lombok schippern Besucher meist geradewegs in den nahe gelegenen Komodo-Naturpark. Vergangenen Sommer war Sumbawa kurzzeitig in den Schlagzeilen: Ein Boot mit mehr als 20 Touristen war auf dem Weg zu den Komodo-Inseln vor der Küste untergegangen. Die meisten, darunter zwei Freundinnen aus Rheinland-Pfalz, konnten sich 40 Stunden über Wasser halten, ehe sie gerettet und nach Bima auf Sumbawa gebracht wurden.

Die indonesische Touristenbehörde preist die Insel als Paradies: "Kommen Sie, wenn Sie Abenteuerlust verspüren und authentische lokale Kultur erleben wollen" lockt sie und verspricht lange Sandstrände und beste Surferwellen. Von Lombok aus gibt es Ausflüge mit Wanderung auf den noch 2851 hohen Vulkan: "Aufstehen um Mitternacht, fünf Stunden später den Sonnenaufgang am Kraterrand genießen", preist ein Anbieter.

Auch der Jahrestag soll Gäste bringen: Die Lokalbehörden haben Paraden mit Tänzen und Musik der auf der Insel vertretenen Bevölkerungsgruppen organisiert. Präsident Joko Widodo nimmt an einer Gedenkveranstaltung am Strand teil. Der Tambora ist weiter aktiv. Zuletzt brach er 1967 aus.

Quelle: n-tv.de, Christiane Oelrich, dpa

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