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Bauernregeln und Bodenfrost Die Eisheiligen sind zu fünft

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Empfindliche Pflanzen gehen bei Bodenfrost ein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Neben einem viel zu trockenen April und dem Ausfall von Erntehelfern durch die Coronavirus-Krise müssen sich Landwirte wie Kleingärtner nun noch mit den Eisheiligen herumschlagen. Doch was hat es damit auf sich? Und kommen die Eisheiligen in Form von Bodenfrost wirklich jedes Jahr?

Eisheilige, die auch als "Gestrenge Herren" bezeichnet wurden, waren mehrere Gedenktage für Wetterheilige im Mai. Dabei handelte es sich um insgesamt fünf Heilige, die aus dem 4. und 5. Jahrhundert stammen. Mit ihnen wurde verschiedener Bischöfe und Märtyrer gedacht: Mamertus (Bischof von Vienne), Pankratius (frühchristlicher Märtyrer), Servatius (Bischof von Tongeren), Bonifatius (frühchristlicher Märtyrer) und Sophia von Rom (frühchristliche jungfräuliche Märtyrerin).

Den fünf Heiligen wurden regional bedingt fünf aufeinanderfolgende Tage im Mai zugeordnet, die nach dem aktuellen Kalender in Norddeutschland mit Mamertus am 11. Mai starteten. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz hingegen waren nur Pankraz, Servaz und Bonifaz als Eismänner bekannt. Die "kalte Sophie" wurde später für den 15. Mai hinzugefügt. Das ist ein Hinweis darauf, dass die von Norden kommende Kaltluft in Süddeutschland einen Tag später ankam. Die daraus entstandenen Bauernregeln, die sich regional unterscheiden, sollten die Saat und damit das Überleben der Bauern sichern. Die Eisheiligen gehen als Witterungsereignis auf jahrhundertealte Beobachtungen von Bauern zurück. Die fünf Wetterheiligen erlangten deshalb eine gewisse Popularität.

Eisheilige in der Meteorologie

Stichwort Schafskälte

Die sogenannte Schafskälte ist ein Wetterphänomen ähnlich den Eisheiligen, das in Deutschland mit großer Regelmäßigkeit auftritt. Besonders in der ersten Junihälfte kommt es häufig zu einem starken Temperaturrückgang, wenn Tiefdruckgebiete über Nord- und Osteuropa kühle Luftströme aus der Arktis nach Mitteleuropa bringen.

Vereinzelt kann es dann sogar im Juni noch zu einstelligen Temperaturen und nachts sogar zu Bodenfrost kommen. Ihren Namen trägt die "Schafskälte" deswegen, weil um diese Jahreszeit die Schafe schon geschoren wurden und unter den niedrigen Temperaturen leiden können.  

Aus meteorologischer Sicht dagegen werden als Eisheilige heute die immer wiederkehrenden Temperatureinbrüche mit Bodenfrost im Wonnemonat Mai bezeichnet. Zu den Wetterlagen, die zu einer bestimmten Zeit im Jahresverlauf mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten (die sogenannte Singularität), zählen beispielsweise auch Schafskälte, Hundstage oder Altweibersommer. Sie stellen eine deutliche Abweichung von den sonst vorherrschenden Wetterelementen dar, liegen gleichzeitig jedoch im langjährigen Mittel.

Die Temperaturen im Mai, die in Mitteleuropa in den zweistelligen Bereich klettern, erwärmt das Festland deutlich schneller als das Meer. So kommt es zu Temperaturdifferenzen, die wiederum Tiefdruckgebiete erzeugen. Diese verschieben die warmen Luftmassen vom Festland Richtung Norden. Dort werden die eiskalten Luftströme der Polargebiete in Richtung Festland gesogen. Die Temperaturen auf dem Festland fallen. Bleibt der Himmel dabei unbewölkt und klar, kann es sogar zu Bodenfrost kommen.

Auch wenn langjährige Messungen in der Schweiz die Häufung von niedrigen Temperaturen an den besagten Tagen im Mai nicht bestätigen können, tritt dennoch im Mai an ein bis zwei Tagen Bodenfrost auf. In knapp der Hälfte der Jahre gibt es im Wonnemonat sogar mehr als zwei Tage Bodenfrost. Der Bauernregel zufolge kann man erst "nach Sophie", also nach dem 15. Mai, den Boden bestellen, wenn die Saat nicht erfrieren soll.

Die ursprünglichen Eisheiligen von Mamertus bis Sophia kennen als Namensgeber heute die wenigsten. Dass man frostempfindliche Pflanzen erst nach dem 15. Mai im Freiland aussetzt, beherzigen hingegen Landwirte und erfahrene Kleingärtner gleichermaßen. Wer sich bis dahin nicht gedulden kann oder auch auf Nummer sicher gehen will, sollte regelmäßig den Wetterbericht verfolgen. Dann kann man im Fall der Fälle seine Pflanzen mit Hüten und Hauben schützen oder sie zurück ins Frühbeet oder Gewächshaus stellen. Landwirte und Gemüsebauern setzen, wenn möglich, auf robustere Pflanzen oder auf Tunnel, Vlies und Abdeckplanen. Dann ist man auch flexibel, falls die Eisheiligen sich mal verspäten.

Quelle: ntv.de