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Was ist das Hantavirus?Dieser Erreger steckt hinter Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff

04.05.2026, 07:35 Uhr Hedviga-NyarsikVon Hedviga Nyarsik
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Elektronenmikroskopische Aufnahme des Sin-Nombre-Hantavirus. (Foto: picture-alliance / BSIP/CDC)

Insgesamt drei Menschen sterben, nachdem sie sich an Bord eines Kreuzfahrtschiffs eine schwere Atemwegserkrankung eingefangen haben. Mindestens einer der Toten ist mit dem Hantavirus infiziert - was für ein Erreger ist das genau?

Drei Tote, drei weitere Infizierte: Auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantischen Ozean grassiert das Hantavirus, es löst potenziell tödliche akute Atemwegserkrankungen aus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde einer der drei Verstorbenen positiv auf das Hantavirus getestet, bei fünf anderen Erkrankten handele es sich um Verdachtsfälle. Was ist das Hantavirus? Und wie gefährlich ist es?

Hantaviren sind weltweit verbreitet und kommen auch in Deutschland vor. Sie werden über Nagetiere wie Mäuse oder Ratten auf Menschen übertragen. Die infizierten Nager scheiden die Viren über Speichel, Urin und Kot aus. Der Mensch infiziert sich über den Kontakt mit den Ausscheidungen, wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet werden oder in Hautwunden gelangen. Die Viren sind in der Umwelt relativ stabil und können dort bis zu sechs Wochen überdauern. Daher ist zur Ansteckung kein direkter Kontakt mit den Nagern notwendig. Eine Infektion durch Bisse von infizierten Mäusen und Ratten ist aber ebenfalls möglich.

Sehr niedrige Sterblichkeitsrate in Deutschland

Eine Diagnose ist besonders in der Frühphase der Erkrankung schwierig, da sie unspezifisch ist und leicht mit einer Grippe verwechselt werden kann. Typische Anzeichen sind Müdigkeit, plötzlich auftretendes hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und Kurzatmigkeit. Bei einem schweren Verlauf können Komplikationen wie Nieren- und Lungenversagen auftreten.

Eine spezifische Behandlung für eine Hantavirus-Infektion gibt es nicht. Und auch keine Impfung. Eine Erkrankung wird symptomatisch behandelt, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt. Die Behandlung konzentriere sich auf die Linderung der Symptome. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung mit künstlicher Beatmung oder Dialyse notwendig sein.

Woher kommt der Name "Hantavirus"?

Der Name des Hantavirus leitet sich vom koranischen Grenzfluss Hantan (oder Hantaan) ab. Während des Koreakrieges Anfang der 50er Jahre erkrankten mehr als 3000 Soldaten an einem schwer verlaufenden hämorrhagischen Fieber, das mit inneren und äußeren Blutungen einhergeht. Erstmals isoliert wurde das Virus 1977.

In Deutschland werden jedes Jahr Dutzende bis Hunderte Erkrankungen mit dem Hantavirus gemeldet. Die Häufigkeit schwankt von Jahr zu Jahr allerdings erheblich. Denn diese hängt mit dem Nahrungsangebot für die Wirtstiere ab, wie das Portal gesund.bund.de des Bundesgesundheitsministeriums schreibt. Finden die Nager viel Futter, können sie sich stark vermehren. Dadurch steigt dann auch die Zahl der Infektionen beim Menschen. So wurden 2022 nur etwa 140 Erkrankungen gemeldet, während es 2021 mehr als 1700 waren.

Todesfälle durch Hantavirus-Infektionen kommen in Deutschland allerdings sehr selten vor. Seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 wurde lediglich ein Todesfall registriert. Die meisten Infektionen verlaufen mild oder asymptomatisch und schwerere Verläufe treten vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen auf. Zu den Gebieten, in denen ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, gehören dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zufolge die Schwäbische Alb, der Raum Osnabrück, Unterfranken, der Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen und West-Thüringen.

Wie schützt man sich am besten?

Vor einer Ansteckung kann man sich dem FLI zufolge am besten schützen, indem man sein Zuhause frei von Mäusen hält. Das Institut gibt folgende Tipps:

  • Bewahren Sie Lebensmittel für Nager unzugänglich auf (dicht schließende Schränke, Metall- oder Plastikbehälter).

  • Lassen Sie Tierfutter und Wasser nicht über Nacht offen stehen.

  • Beseitigen Sie Abfall in verschließbaren Mülleimern.

  • Geben Sie Essensreste und tierische Abfälle nicht auf den Hauskompost.

  • Machen Sie mögliche Eintrittsstellen ins Haus ausfindig und dichten Sie Ritzen und Fugen an Türen, Fenstern und Wänden mit Stahlwolle oder Beton ab.

  • Beseitigen Sie Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Nager (zum Beispiel Sperrmüll, Altreifen und Abfallhaufen).

Quelle: ntv.de, mit dpa

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