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Bei einzelnen Corona-Fällen Drosten: Nicht gleich ganze Schule schließen

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Wegen Corona-Fällen wurden einige Schulen in Deutschland komplett geschlossen.

(Foto: imago images/Michael Weber)

Bisher ist noch unklar, welche Rolle Schulen in der Corona-Pandemie spielen. Charité-Virologe Drosten mahnt dazu, die Situation "im Auge zu behalten". Allerdings sollte bei Corona-Fällen an Schulen nicht gleich die ganze Einrichtung geschlossen werden. Drosten rät vielmehr zu gezielten Maßnahmen.

Wie wird sich die Corona-Infektionswelle auf den Schulbetrieb auswirken? Und welche Rolle spielen Schulen überhaupt in der Pandemie? Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, betont im Corona-Podcast des NDR, dass Zahlen aus anderen Ländern wie Frankreich oder Kanada "sehr klar zeigen, dass es überall Ausbrüche gibt in den Schulen". Auch die Situation an deutschen Schulen müsse "im Auge behalten" werden, vor allem ab den Herbstferien.

Für Deutschland, fordert er, müsse es eine transparente Datenlage geben. Denn zwei Beobachtungen hob er kritisch hervor: Zum einen würden Schulen teilweise oder ganz geschlossen, wenn Schüler oder Lehrer positiv auf Sars-CoV-2 getestet würden, was jedoch nicht zwingend notwendig sei. Denn es könne sich dabei auch um Infektionen handeln, die von "außen eingetragen" wurden, Betroffene sich also außerhalb der Schule angesteckt haben. "Dann reagiert man vielleicht auch mal zu schnell", so Drosten.

Zum anderen bemängelt Drosten, dass wenig zum Infektionsgeschehen in Schulen bekannt sei, weil man sich bereits vor den Sommerferien in einigen Bundesländern auf die Interpretationsweise festgelegt habe, "dass es gar keine Fälle in den Schulen gibt". Dabei sei allerdings ignoriert worden, dass viele Studien zu Schulen aus den Zeiten während oder kurz nach dem Lockdown stammten, zu denen es in Deutschland "einfach keine Inzidenz" gab, so Drosten.

Wichtig sei, betont der Forscher im NDR, Ausbrüche an Schulen bereits in der Frühphase zu erkennen - was durchaus möglich sei, denn "ein Schulausbruch, der schaukelt sich ja über Wochen hoch", es gebe also ausreichend Zeit zum Reagieren. Wenn dies nicht gelinge, warnt Drosten, drohten Infektionen über Kinder und Jugendliche aus den Schulen nach Hause getragen zu werden, wo sich deren Eltern anstecken könnten. Diese Altersgruppe würde dann eine hohe Inzidenz aufweisen - was problematisch sei, da "diese Altersgruppen auch Risikopatienten haben".

"Besser und schneller testen"

Wie aber sollen Ausbrüche an Schulen schnell unter Kontrolle gebracht werden, ohne die Einrichtungen zu schließen? Drosten schlägt vor, dass im Umfeld von Schulen auch mit Antigen-Tests gearbeitet werden sollte. Diese sind wesentlich einfacher zu handhaben als die PCR-Tests und liefern oft bereits nach kurzer Zeit ein Ergebnis. "Wir müssen uns im Herbst darauf einstellen, dass besser und schneller getestet wird, das muss dann auch für Lehrer und Schüler gelten", so der Virologe.

Um das Entstehen ganzer Schulausbrüche zu verhindern, brachte Drosten zudem erneut die Idee von einer Mischung aus kurzer Quarantäne und Isolation für betroffene Gruppen ins Spiel, die er als "Abklingzeit" bezeichnet. Diese bräuchte nur wenige Tage angewandt werden, um "Cluster, die entstehen, abklingen zu lassen". Damit könne vermeiden, Schulen schließen zu müssen.

Im NDR-Podcast äußerte sich Drosten auch zur Debatte über die Zuverlässigkeit der PCR-Tests auf das Coronavirus. Angesichts von Behauptungen in sozialen Medien, die Tests seien oft falsch positiv und wiesen mitunter nur Fragmente des Virus nach, sagte der Virologe: "Ohne ein volles Virus-Genom gibt es keine Virus-Reste." Es gebe auch keine Verwechslungen mit sonstigen Viren wie etwa anderen Erkältungsviren und Coronaviren, fügte er hinzu. "Die PCR ist da einfach zweifelsfrei."

Quelle: ntv.de, kst