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Hubble blieben sie verborgen ESO-Teleskop spürt 72 neue Galaxien auf

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So sieht es aus, wenn Spektrograph Muse einen Blick auf das "Hubble Ultra Deep Field" wirft. Das Instrument lieferte Informationen über 1600 Galaxien - und fand 72 neue.

(Foto: ESO/MUSE HUDF collaboration)

Es war das Weltraumteleskop Hubble, mit dem der Blick auf früheste Galaxien gelang. Doch Hubble sieht nicht alles. Ein Teleskop der Europäischen Südsternwarte ermöglicht jetzt viele weitere Entdeckungen. Sie erzählen aus der Zeit kurz nach dem Urknall.

Nicht einmal das Weltraumteleskop Hubble hatte sie entdeckt: Das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile hat 72 neue Galaxien aufgespürt. Ziel war es, 1600 Galaxien in dem kleinen Himmelsausschnitt zu vermessen, der als "Hubble Ultra Deep Field" bekannt ist. Viele dieser Galaxien sind aus der Frühzeit des Universums und können auf weniger als eine Milliarde Jahre nach dem Urknall zurückdatiert werden.

Das Gebiet war bereits mehrfach von Hubble und anderen Teleskopen untersucht worden. Nun ist mit einem bestimmten Instrument des Very Large Telescopes, dem Spektrographen Muse, die weitere Erkundung - und das Aufspüren neuer Galaxien - gelungen. "Muse kann etwas, was Hubble nicht kann", erklärt der an der Forschung beteiligte Astronom Roland Bacon von der Universität in Lyon. "Es spaltet das Licht von jedem Punkt im Bild in die Farben auf, aus dem es besteht, und erstellt ein Spektrum. Das erlaubt es uns, die Entfernung zu messen, die Farben sowie andere Eigenschaften aller Galaxien, die wir sehen können - und dazu gehören einige, die für Hubble selbst unsichtbar sind."

Bericht aus Anfängen des Universums

Muse ermöglichte somit einen neuen Blick auf schwache, sehr weit entfernte Galaxien, die aus der Zeit von vor rund 13 Milliarden Jahren erzählen, kurz nach dem Beginn des Universums. Den Wissenschaftlern zufolge sind diese Galaxien zum Teil rund 100 Mal lichtschwächer als die bisher bekannten.

Die 72 neu entdeckten Galaxien scheinen in nur einer einzigen Farbe zu leuchten. Mit dem bisherigen Wissen über die Sternentstehung sind sie nicht vollständig erklärbar. "Wir erfahren Dinge über diese Galaxien, die man nur durch Spektroskopie erfahren kann, wie ihre chemische Zusammensetzung und ihre innere Dynamik", sagt Jarle Brinchmann von der Universität Leiden, einer der Hauptautoren der Studien, die in einer Sonderausgabe von "Astronomy & Astrophysics" veröffentlicht werden. Die Forscher mussten dafür nicht Galaxie für Galaxie unter die Lupe nehmen; Muse lieferte Daten für alle Galaxien auf einmal.

Der Spektrograph machte auch leuchtende Wasserstoff-Sphären um frühe Galaxien ausfindig. Die Forscher hoffen, mit dieser Erkenntnis besser herausfinden zu können, wie Material in die Galaxien hinein- und aus ihnen hinausgelangte. Auch bei vielen anderen Fragen können die Daten von Muse hilfreich sein - etwa wenn es um das Verschmelzen von Galaxien im frühen Universum geht, um Galaktische Winde, die Sternentstehung oder die Bewegung von Sternen.

Die Forscher gehen davon aus, dass Muse demnächst noch mehr revolutionäre Daten liefern wird: Das Instrument wurde nämlich vor Kurzem aufgerüstet. Die jetzt veröffentlichten Daten gewann man in der Zeit davor.

Quelle: n-tv.de, asc