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Hundegrab von der Koster-Fundstätte in Illinois, etwa 10.000 Jahre alt.
Hundegrab von der Koster-Fundstätte in Illinois, etwa 10.000 Jahre alt.(Foto: Del Baston/Center for American Archeology/dpa)
Montag, 09. Juli 2018

Fast spurlos verschwunden: Europäer brachten Amerikas Hunden den Tod

Die ersten Europäer erreichten Amerika vor etwa 500 Jahren. Das besiegelte nicht nur das Schicksal der Ureinwohner, sondern auch das der dortigen Hunde. Einziges Relikt ist heute ein weltweit verbreitetes Übel: eine ansteckende Form von Hundekrebs.

Die Ankunft der Europäer war das Ende für die ursprünglichen Hunde Amerikas. Detaillierte Genomanalysen zeigen, dass die ersten Hunde den Kontinent vor mehr als 10.000 Jahren zusammen mit dem Menschen besiedelten. Nach Ankunft der Europäer, die ihrerseits auch Hunde mitbrachten, verschwanden diese Tiere fast spurlos. Einziges Erbe ist eine ansteckende Form von Hundekrebs, die inzwischen weltweit verbreitet ist.

Alte Hundegräber wie dieses von der Janey-B.-Goode-Fundstelle in der Nähe von Brooklyn, Illinois lieferten genetisches Material für die Studie.
Alte Hundegräber wie dieses von der Janey-B.-Goode-Fundstelle in der Nähe von Brooklyn, Illinois lieferten genetisches Material für die Studie.(Foto: Illinois State Archaeological Survey, Prairie Research Institute/dpa)

Die ersten Menschen erreichten Amerikastudien zufolge vor grob 20.000 Jahren über die Beringstraße - Details zur Besiedlung sind noch ungeklärt. Als vor etwa 500 Jahren die ersten Europäer den Kontinent besiedelten, waren Hunde in Nord- wie Südamerika weit verbreitet. Um die Ursprünge der Art auf dem Kontinent zu ergründen, analysierte ein internationales Forscherteam um Máire Ní Leathlobhair von der englischen Universität Cambridge in einer großen Studie die Genome von 71 Hunden, deren Überreste in Nordamerika und Sibirien entdeckt worden waren. Die Funde decken einen Zeitraum von rund 9000 Jahren ab.

Abstammung von sibirischen Hunden

Die Punkte stehen für die Orte, von denen die Knochen von alten Hunden für die Analyse gesammelt wurden.
Die Punkte stehen für die Orte, von denen die Knochen von alten Hunden für die Analyse gesammelt wurden.(Foto: Graphic by Julie McMahon / Photo by Angus McNab/dpa)

Die im Fachblatt "Science" publizierte Studie zeigt, dass die nordamerikanischen Hunde - entgegen Annahmen mancher Experten - sich nicht auf dem Kontinent selbst aus Wölfen entwickelten. Stattdessen kamen sie höchstwahrscheinlich zusammen mit den Menschen aus Sibirien über die Beringstraße. Der älteste untersuchte amerikanische Hund ist etwa 9000 Jahre alt, das Tier stammte demnach von sibirischen Hunden ab.

Obwohl Hunde sich mit dem Menschen über ganz Amerika ausbreiteten und dort Jahrtausende lebten, finden sich von ihnen kaum noch Spuren im Erbgut ihrer heutigen nordamerikanischen Artgenossen. "Fast die ganze Vielfalt ging verloren, höchstwahrscheinlich als Resultat der europäischen Kolonialisierung", wird Ko-Autorin Kelsey Witt von der University of Illinois in einer Mitteilung der Hochschule zitiert.

Die Archäologin Angela Perri von der englischen Durham University ergänzt: "Tatsächlich stammen die modernen amerikanischen Hunde wie Labradore oder Chihuahuas, die weltweit beliebt sind, hauptsächlich von eurasischen Rassen ab, die zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert in Amerika eingeführt wurden."

Fast vollständig verschwunden

Die Gründe für das Verschwinden der uramerikanischen Hunde untersuchte die Studie nicht. Möglicherweise trugen aber - wie auch bei den Menschen - eingeschleppte Infektionskrankheiten dazu bei. "Es ist erstaunlich, dass eine Hundepopulation, die viele Teile Amerikas über Jahrtausende bewohnte, so schnell verschwinden konnte", sagt einer der Studienleiter, Laurent Frantz. "Ihr fast vollständiges Verschwinden geht wahrscheinlich auf die kombinierten Folgen von Krankheiten, kultureller Verfolgung und biologischen Veränderungen zurück, die mit der Ankunft der Europäer begannen."

Dennoch blieb ein Relikt dieser Hunde erhalten - eine weltweit verbreitete Form von Hundekrebs: Das Sticker-Sarkom (CTVT, Canine Transmissible Venereal Tumor) ist ein Tumor der Geschlechtsorgane, der vor allem bei der Paarung übertragen wird. Analysen solcher Tumore zeigen, dass dieser Krebs auf einen einzelnen Hund zurückgeht, der vor rund 8000 Jahren lebte und mit den damaligen amerikanischen Hunden zumindest verwandt war. "Die klarste erhaltene Spur der ersten amerikanischen Hunde existiert nun als weltweit übertragbarer Tumor", schreiben die Autoren.

Quelle: n-tv.de