Fakten & Mythen

Mythen und Fakten über Schweiß Warum Schwitzen lebensnotwendig ist

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(Foto: imago stock&people)

Die menschliche Haut ist übersät mit Schweißdrüsen. Zwei bis vier Millionen davon sind über den gesamten Körper verteilt. Besonders viele davon sind an Händen, Füßen und unter den Achseln zu finden. Sie sorgen dafür, dass täglich mindestens ein halber Liter Flüssigkeit auf der menschlichen Haut verdunstet, damit die Körpertemperatur stabil bleibt. Obwohl er hervorragend funktioniert, ist der Kühlmechanismus des menschlichen Körpers mit reichlich Vorurteilen belegt. Wir beleuchten einige der Mythen.

Schwitzen ist gesund

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Schweißdrüsen sind über den gesamten Körper verteilt.

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"Schwitzen ist eine normale Körperreaktion zur Temperaturregulierung", erklärt Professor Christian Raulin, Dermatologe an der Universität Heidelberg im Gespräch mit n-tv.de. Funktioniere das körpereigene Kühlsystem mit Hilfe von Schweißbildung, dann sei der Körper gesund, übermäßiges Schwitzen dagegen könne nicht nur störend, sondern auch krankhaft sein, so der Experte weiter. Das Schwitzen in der Sauna oder beim Sport ist für viele Menschen eine wohltuende Erfahrung und schon dadurch gesundheitsfördernd. Zudem werden bei solchen Aktivitäten sämtliche Drüsen, die für die Schweißproduktion zuständig sind, aktiviert und so kann Schwitzen trainiert werden.

Wer viel schwitzt, ist nicht gesund

"Das so zu sagen, ist falsch! Ob jemand prinzipiell viel oder wenig schwitzt, ist genetisch bedingt und lässt sich dementsprechend  auch nur wenig beeinflussen. Darüber hinaus gibt es aber tatsächlich Erkrankungen und Faktoren, wie beispielsweise Übergewicht, die das Schwitzen stark beeinflussen können", sagt der Experte. In Deutschland leiden rund zehn Prozent der Erwachsenen unter ihrem übermäßigen Schwitzen, das zumeist an bestimmten Stellen am Körper wie Händen, Nacken, Stirn oder Achseln auftritt.

Gibt es Menschen, die nicht schwitzen können?

"Nein. Aber es gibt Menschen, die an bestimmten Bereichen am Körper überhaupt nicht schwitzen. Dieses sogenannte Ross-Syndrom gehört zu den seltenen Erkrankungen und geht oftmals mit weiteren, meist neurologischen Störungen einher", antwortet Raulin. Das Ross-Syndrom wurde das erste Mal im Jahr 1958 von dem Arzt A.T. Ross beschrieben. Die Ursache für diese seltene Erkrankung ist bisher unbekannt. Obwohl die Schweißdrüsen vorhanden und voll funktionstüchtig sind, arbeiten sie auf einer Körperseite gar nicht. Die Schweißbildung wird bei Betroffenen durch übermäßiges Schwitzen an anderer Stelle, meistens auf der gegenüberliegenden Körperseite, ausgeglichen.

Mit zunehmendem Alter schwitzt man weniger

Richtig. Im Laufe des Lebens altern auch die Schweißdrüsen eines Menschen. Ihre Aktivität nimmt kontinuierlich ab. Gerade ältere Menschen müssen deshalb im Sommer achtgeben, damit sich nicht überhitzen. Durch regelmäßig bewusst herbeigeführtes Schwitzen können jedoch auch die Schweißdrüsen und ihre Funktionsfähigkeit im Alter trainiert und so das Altern in diesem Bereich verlangsamt werden kann. Doch nicht nur die Schweißbildung altert, auch der Schweiß scheint im Alter eine andere Zusammensetzung zu bekommen. Das zumindest ist das Ergebnis einer Untersuchung von Neurobiologen vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia. Die Wissenschaftler wollten herausbekommen, ob Probanden am Schweißgeruch erkennen können, wie alt jemand ist. Tatsächlich konnten die Studienteilnehmer den Schweiß der drei verschiedenen Altersgruppen, jung, mittelalt und alt erschnüffeln. Das ist zugleich ein Beleg dafür, dass der typische "Geruch des Alters" nicht vom Schweiß stammen kann.

Schweiß riecht schlecht

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Frischer Schweiß riecht nicht.

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Da muss man erst einmal zwischen den beiden verschiedenen Arten von Schweiß unterscheiden. Es gibt die sogenannten ekkrinen Schweißdrüsen, die ungleichmäßig weit über die Haut verteilt sind. Diese sind für die Schweißproduktion zur Regulierung der Körpertemperatur verantwortlich. Sie sondern Schweiß ab, der an sich nach nichts riecht, da er hauptsächlich aus Wasser und Salz besteht. Der typische Geruch entsteht erst durch die nachfolgende Zersetzung der Flüssigkeit durch Bakterien und andere Mikroorganismen, die sich auf Haut, Haaren und Kleidung befinden. Die sogenannten apokrinen Schweißdrüsen dagegen, auch als Duftdrüsen bezeichnet, kommen nur in der Achselhöhle, an den Brustwarzen und im Genitalbereich vor. Sie werden erst in der Pubertät gebildet. Die Sekrete, die sie absondern, werden vor allem durch emotionale Reize, wie Angst, Erregung und Wut aktiviert. Diese Drüsen stehen in enger Beziehung zu den Haarfollikeln. Das, was sie abgeben, ist milchig-trüb und nicht so flüssig wie der Schweiß aus den ekkrinen Drüsen.

Im Schweiß aus den Duftdrüsen sind körpereigene Duftstoffe, sogenannte Pheromone, enthalten. Der typische Körpergeruch eines Menschen ist jedoch mehr als die Absonderung seiner Duftdrüsen. Es ist eine komplexe Mischung verschiedener chemischer Komponenten und wird häufig mit Duftstoffen in Waschmitteln, Weichspülern, Duschbädern und Deodorants oder Parfümen vermischt.

Angstschweiß kann man riechen

Richtig! Wissenschaftler der State University of New York haben die Wahrnehmung von Angstschweiß untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass Menschen, die Angstschweiß gerochen hatten, ebenfalls in eine Art Alarmbereitschaft versetzt worden sind. Der Geruch nach Angst lässt sich zwar nicht beschreiben, aber unterbewusst eindeutig erkennen. Die Wahrnehmung von Angstschweiß über die Nase aktivierte bei den Probanden die sogenannte Amygdala, das Furchtzentrum im Gehirn. Angst ist also über den Geruch ansteckend. Der Angstschweiß wird von den Duftdrüsen im Körper produziert.

"Vielschwitzer" müssen mehr trinken als andere

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Egal, ob man viel oder wenig schwitzt: Man sollte gleichmäßig über den Tag verteilt trinken.

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Menschen geben zwischen einem halben und bis zu sechs Liter Schweiß am Tag ab. Wie viel es tatsächlich ist, kommt auf die Umgebungstemperaturen, die körperliche Beanspruchung und die Veranlagung einer Person an. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, sollte man sich den verlorenen Anteil durch Getränke, am besten durch Wasser zurückholen. "Wer viel schwitzt, egal aus welchem Grund, sollte auch viel trinken", sagt Raulin. Anzunehmen, dass auch die Umkehrung zutrifft, ist allerdings falsch. Genervte Vielschwitzer, die absichtlich weniger trinken, um weniger zu schwitzen, begeben sich in echte Gefahr, denn ein Flüssigkeitsmangel im Körper kann nicht nur die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit mindern, sondern auch zu einer lebensgefährlichen Dehydrierung führen. Regelmäßiges Trinken ist also höchstes Gebot, doch auch dabei sollte man maßhalten. Jeder normal schwitzende Erwachsene sollte am Tag mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, um seinen Flüssigkeitshaushalt stabil zu halten - und zwar nicht an einem Stück, sondern gleichmäßig über den Tag verteilt. Wer an einem heißen Sommertag schweißgebadet denkt, dass er sich zum Feierabend nun schnell zwei Liter was auch immer zu Gemüte führen sollte, der irrt. "Der Durchschnittskörper kann nur 0,8 Liter Flüssigkeit pro Stunde verarbeiten", weiß Raulin. Trinkt man zu viel auf einmal, könnten wichtige Mineralien aus dem Körper gespült werden. Im Ernstfall kann auch die Salzkonzentration im Körper so sehr abfallen, dass Muskelschwäche, Desorientierung oder Kreislaufstörungen auftreten können.

Durch Schwitzen nimmt man ab?

Falsch! Fett oder auch andere Stoffe, die mit dem Abnehmen verbunden sind, werden beim Schwitzen nicht abgegeben. Schweiß besteht zu 99 Prozent aus Wasser, das beim nächsten Trinken dem Körper wieder zugeführt wird. Diese sich hartnäckig haltende Annahme, dass man beim Schwitzen an Körpergewicht verlieren könnte, entsteht wohl, weil in den meisten Saunen Waagen stehen, die dazu verführen, sich vor und nach jedem Saunagang zu wiegen.

Wenn der Schweiß farbig ist, ist man krank.

Richtig! Menschen, die farbigen Schweiß absondern, leiden unter einer sogenannten Chromhidrose. Der Schweiß kann sich bei dieser extrem seltenen Schwitzkrankheit in vier verschiedenen Farben zeigen: gelb, grün, blau und schwarz. Die Ursache für diese Erkrankung ist bisher unbekannt. Es wird angenommen, dass der Stoff, der zu Altersflecken führt, das sogenannte Lipofuscin, eine tragende Rolle bei der Schweißfärbung spielt.

Aluminium in Deodorants ist krebserregend.

"Das ist falsch und es gibt keinerlei Beweise dafür", betont Raulin. "Viele meiner Patienten, die unter übermäßigem Schwitzen leiden, sind sehr froh, dass sie Produkte mit Aluminiumchlorid nutzen können, weil ihnen nichts anderes hilft", so der Experte weiter. "Der Anteil an Aluminium, den man täglich mit der Nahrung oder über das Trinkwasser zu sich nimmt, ist wesentlich höher, als der Anteil an Aluminiumchlorid, den man durch die Anwendung von Antiperspiranten über die Haut aufnimmt", weiß der Experte. Gute Antiperspiranten müssten zudem nur ein bis zwei Mal pro Woche aufgetragen werden.

Quelle: n-tv.de

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