Wissen

Je unregelmäßiger, desto besser Fellmuster ist für Giraffen überlebenswichtig

1920px-Giraffe_Family.jpg

Die Jungtiere erben die Fellflecken von ihren Müttern.

Die Flecken einer Giraffe sind so einzigartig wie der Fingerabdruck eines Menschen. Die Größe der Zeichnungen ist zudem ausschlaggebend für ihre Überlebenschancen, wie Forscher nun feststellen. Eine wichtige Erkenntnis - auch für andere Tierarten.

Ihr einzigartiges Fleckenmuster macht Giraffen zu einem der auffälligsten Tiere der afrikanischen Savanne. Größe und Verteilung der Fellflecken erben Jungtiere von ihren Müttern, so das Ergebnis einer Studie der Penn State Universität, University Park. Die Biologen bestätigten mit ihrer Untersuchung nicht nur eine langgehegte Vermutung - sie fanden auch heraus, dass die Fellzeichnung Einfluss auf die Überlebenschancen der Tiere hat.

Mit ihren bis zu sechs Metern Körpergröße sind Giraffen die größten Landsäugetiere der Welt. Ihr langer Hals ist der Grund dafür, dass die Paarhufer auch den höchsten Blutdruck im Tierreich haben: Er sorgt dafür, dass das Blut das große Gefälle zum Kopf erreichen kann. Zudem verfügen Giraffen über ein Fellmuster, das ähnlich dem Fingerabdruck eines Menschen für jedes Tier einzigartig ist. Trotz dieser außergewöhnlichen Eigenschaften gehören Giraffen zu den weniger erforschten Spezies. So entdeckten Wissenschaftler erst vor zwei Jahren, dass es nicht nur eine Giraffenart mit mehreren Unterarten gibt, sondern vielmehr vier verschiedene Giraffenarten.

Nun haben sich Biologen der US-amerikanischen Penn State Universität mit dem Fellmuster der Tiere beschäftigt, genauer mit dem der Massai-Giraffen (Giraffa tippelskirchi). Wie sie im Fachblatt "PeerJ" berichten, erben die Kälber bestimmte Eigenschaften der Fellzeichnung von den Muttertieren.

Diese Zeichnungen fallen sehr unterschiedlich aus: Die Flecken variieren in Farbe und Form von nahezu perfekten Kreisen mit glatten Kanten bis hin zu elliptischen Gebilden mit gezackten Rändern. Insgesamt unterschieden die Forscher zwischen elf verschiedenen Charakteristika - zwei davon, die Kreisförmigkeit und die Solidität der Flecken, waren bei den 31 untersuchten Mütter-Kälber-Paaren signifikant ähnlich, was den Forschern zufolge für eine entsprechende Vererbung spricht.

Muster verantwortlich für Überlebensfähigkeit

Schon 1968 hatte Anne Innis Dagg, eine kanadische Biologin, die als erste Giraffen-Feldforscherin gilt, Belege für diese These veröffentlicht. Allerdings stammten ihre Ergebnisse aus der Beobachtung einer relativ kleinen Zoopopulation. "Wir haben wilde Giraffen und moderne Bildgebungs- und Analysetechniken benutzt, um ihre Schlussfolgerungen zu bestätigen", erklärt Mitautorin Monica Bond von der Universität Zürich.

Die Wissenschaftler analysierten zudem nicht nur die Entstehung der auffälligen Muster, sondern suchten auch nach ihrem Zweck. "Komplexe Markierungen könnten den Tieren helfen, Raubtieren auszuweichen, ihre Körpertemperatur zu regulieren oder Familien oder Individuen zu erkennen", so Erstautor und Wildtierbiologe Derek Lee. All jene Faktoren spielten eine Rolle für die Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere.

Hier untersuchten die Forscher nun den Einfluss der verschiedenen Fellmuster. Tatsächlich ergab eine Beobachtung von 258 Jungtieren, dass insbesondere jene die ersten Monate nach der Geburt überlebten, deren Zeichnung große und unregelmäßig geformte Flecken aufwies. Die Biologen vermuten, dass diese Musterart eine bessere Tarnung für den Nachwuchs bedeutet. Weitere Erklärungen könnten eine günstigere Temperaturregulierung oder eine bessere visuelle Kommunikation sein.

Die Wissenschaftler hoffen, dass sich andere Forscher nun den Fellmustern weiterer Tiere widmen. Dazu erklärt Biologe Lee: "Die Bestimmung von Erblichkeit und gesundheitlichen Folgen von Fellmustervariationen könnte uns helfen zu verstehen, wie und warum sich komplexe Fellzeichnungen in wilden Tieren entwickeln."

Quelle: n-tv.de, Alice Lanzke, dpa

Mehr zum Thema