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Schlanker werden ohne Sport? Fitnesshormon Irisin ist ein Mythos

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Wer dachte, dass Irisin bald helfen könnte, schlank zu werden, der hat sich geirrt.

(Foto: imago/Westend61)

Die Meldung von der Entdeckung eines Hormons, das weißes Fett in braunes umwandeln kann, sorgt 2012 für großes Aufsehen. Doch jetzt wird das Fitnesshormon entzaubert - und damit auch der Traum vom leichten Abnehmen.

Die Wirkung des als "Irisin" bezeichneten Hormons, das im menschlichen Körper den gleichen Effekt wie Sport haben soll, hat 2012 für Aufsehen gesorgt. Mehr als 200 Untersuchungen wurden seitdem dazu veröffentlicht - allerdings mit widersprüchlichen Ergebnissen. Ein internationales Team von Forschern wollte es nun genau wissen und kann nach mehreren Untersuchungen die Wunderwirkung nicht bestätigen.

Irisin

Mit dem Namen "Irisin" wird ein Hormon bezeichnet, das durch Abspaltung eines Teils von einem schon länger bekannten Membranprotein vor allem nach sportlicher Betätigung entsteht und in den Blutkreislauf gelangen soll. Die Originalbefunde wurden überwiegend an Mäusen erhoben.

Jedoch gingen die Entdecker davon aus, dass das Hormon auch beim Menschen in Verbindung mit körperlicher Aktivität und metabolischer Gesundheit steht – und sahen deshalb ein großes therapeutisches Potenzial in Bezug auf Übergewicht und Diabetes. Dieser Zusammenhang konnte in weiteren Untersuchungen nicht bestätigt werden.

Der Name für das Hormon wurde von der griechischen Götterbotin Iris abgeleitet.

"Wir wollten herausbekommen, wie viel Irisin sich im Blut von Rindern mit hoher und wie viel Irisin sich im Blut von Rindern mit niedriger Muskelmasse befindet", erklärt Prof. Steffen Maak vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in einem Gespräch mit n-tv.de. Zuvor hatte es Hinweise gegeben, dass der Botenstoff stark mit der Muskelmasse bei Mensch und Tier zusammenhängt. Um die Konzentrationen im Rinderblut zu messen, nutzten die Forscher ein anderes Verfahren als in den meisten Studien nach der Entdeckung von Irisin.

"Wir haben uns für die Antikörper-basierte Methode mit dem Namen Western Blot entschieden", so Maak weiter. "Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Proteine zuerst der Größe nach aufgetrennt werden und mit Hilfe eines Markers dann die Größe des vom Antikörper erkannten Proteins abgeschätzt wird." Im untersuchten Rinderblut konnte mit Hilfe dieses Tests kein Protein gefunden werden, das mit der für Irisin erwarteten Größe übereingestimmt hätte. Um diesen Befund zu stützen, initiierten die Forscher eine Zusammenarbeit mit Kollegen aus den USA, Norwegen und der Schweiz.

Kein natürliches Irisin gefunden

Mit deren Hilfe konnte gezeigt werden, dass sich in Zellkulturen künstlich erzeugtes Irisin auch in geringen Konzentrationen mit Hilfe von verschiedenen Antikörpern nachgewiesen werden konnte, wenn es Rinderblutproben zugegeben wurde. Natürliches Irisin war dagegen in keiner der Proben der untersuchten Spezies zu finden, egal, wie groß die Muskelmasse oder die Belastung vor der Blutentnahme waren. "Die Ergebnisse sind eindeutig", fasst Maak zusammen. "Weder bei Menschen nach der Absolvierung eines Trainingsprogrammes noch bei Pferden nach einem 160-Kilometer-Langstreckenrennen konnten wir Irisin im Blutkreislauf nachweisen." Irisin sei doch eher ein Mythos als ein Fakt, betont Maak und hofft, dass die kontroverse Diskussion um das Wundermolekül nun endlich beendet ist.

Die Vorstellung, durch eine Irisin-Fitness-Pille Fettpolster zum Schmelzen zu bringen, war wohl zu schön um wahr zu sein. Wer seine Fettreserven minimieren will, der wird sich auch in Zukunft beim Sport abrackern müssen.

Quelle: ntv.de, jaz