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Ohne unangenehme Prozedur Hightech erkennt Corona allein am Atem

Corona-Schnelltests sind mittlerweile Alltag in Deutschland. Doch noch immer sind sie unangenehm und relativ zeitaufwendig. Ändern könnten das neue Geräte, die eine Infektion bereits anhand der Atemluft erkennen. Eines davon wird derzeit in Deutschland getestet.

Corona-Schnelltests sind ein wichtiger Bestandteil der Strategie gegen die Pandemie. Doch viele sind noch immer mit unangenehmen Prozeduren verbunden - wie etwa Antigen-Tests, bei denen ein Abstrich tief aus dem Rachen genommen wird. Das Ergebnis liegt danach in der Regel in 15 bis 20 Minuten vor. Noch schneller, und gleichzeitig weniger unangenehm, sollen jedoch neu entwickelte Geräte sein, die allein anhand der Atemluft feststellen können, ob ein Mensch ansteckend ist.

Eines davon ist der QuBA (Quick Breath Analyzer, also: schneller Atem-Analysierer). Er wird derzeit am Berufsbildungszentrum der Industrie in Remscheid getestet. Dabei handelt es sich um eine Kabine, in die sich der Proband hineinstellen muss. Ausatmen allein reicht nicht: Mindestens acht Sekunden lang müssen die Probanden schreien oder singen, damit das Gerät Coronaviren in der Luft erkennen kann. Bereits innerhalb einer Minute liefere QuBA dann ein negatives oder positives Ergebnis, sagt Ingo Breuer vom deutschen Vermarkter "Fire and Safety" zu ntv.

Funktioniert nur bei infektiösen Personen

Allerdings soll der Test nur dann funktionieren, wenn ein Mensch bereits ansteckend ist. Ob ein Mensch bereits infiziert, aber womöglich noch nicht ansteckend ist, kann weiterhin nur ein PCR-Test feststellen. Das Prinzip der Schrei-Kabine erläutert Aerosolexperte Christof Asbach von der Gesellschaft für Aerosolforschung: "Wir wissen, dass eine infektiöse Person deutlich mehr Partikel ausstößt als eine nichtinfektiöse Person." Mit der neuen Technik werde versucht, allein aufgrund der Partikelgröße und Partikelkonzentration Infizierte zu erkennen.

Doch wie verlässlich ist der Test? "Die Testgenauigkeit der QuBA-Kabine ist mit einem PCR-Test vergleichbar", sagte der niederländische Erfinder Peter van Wees der "Rheinische Post". Dies hätten erste Probeläufe ergeben, die er ab Dezember in seiner niederländischen Heimat durchgeführt habe. Ganz billig ist das Gerät nicht: Ein QuBA kostet zwar rund 120.000 Euro - ein einzelner Test soll dennoch vergleichsweise günstig sein. Ein weiterer Unterschied zum Antigen-Schnelltest: Es fällt kein Müll an. Zudem sollen mit der Kabine bis zu 80 Tests pro Stunde durchgeführt werden können. Eine Zulassung in Deutschland ist bereits beantragt.

Weitere Technologien in der Entwicklung

Es ist nicht das erste Gerät, das auf eine Erkennung von Coronaviren in der Atemluft setzt. In Israel etwa wurde an der Ben-Gurion Universität der Atem-Corona-Test "Breathalyzer" entwickelt. Die niederländische Firma Breathomix wiederum hat das System SpiroNose entwickelt, das etwas einem Alkoholtestgerät ähnelt. Auch bei dieser Technik soll das Testergebnis innerhalb einer Minute vorliegen.

"Es ist eine vielversprechende Technologie, vor allem wegen der Geschwindigkeit. Man hat innerhalb einer Minute ein Ergebnis", sagte der belgische Virologe Marc Van Ranst der Nachrichtenagentur Reuters über SpiroNose. Aber: "Wir haben noch nicht genug Ergebnisse, um eindeutig zu sagen, ob das die Zukunft, ob das der richtige Weg ist."

Breathomix untersucht nach eigenen Angaben Optionen für den Einsatz der SpiroNose in Unternehmen oder Schulen. Aber die Maschine werde keine sofortige Lösung für die Wiedereröffnung von Veranstaltungsorten für großes Publikum sein - jeder Test dauere von Anfang bis Ende zwei bis drei Minuten. Zudem reagiere das Gerät empfindlich auf Alkohol, Rauch und andere ablenkende Faktoren im Atem einer Person.

Quelle: ntv.de, kst

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