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Galaxienhaufen MACS J1149.5 + 2223, aufgenommen mit dem "Hubble"-Teleskop der NASA/ESA. Das Hintergrundbild ist die sehr weit entfernte Galaxie MACS1149-JD1, wie sie vor 13,3 Milliarden Jahren war, beobachtet mit "Alma". Die mit "Alma" entdeckte Sauerstoffverteilung ist rot dargestellt.
Galaxienhaufen MACS J1149.5 + 2223, aufgenommen mit dem "Hubble"-Teleskop der NASA/ESA. Das Hintergrundbild ist die sehr weit entfernte Galaxie MACS1149-JD1, wie sie vor 13,3 Milliarden Jahren war, beobachtet mit "Alma". Die mit "Alma" entdeckte Sauerstoffverteilung ist rot dargestellt.(Foto: ESO/dpa)
Donnerstag, 17. Mai 2018

Gruß aus Dunklem Zeitalter: Hinweis auf erste Sterne in uralter Galaxie

Das Licht war 13,3 Milliarden Jahre unterwegs, also fast das ganze Weltalter: Forscher entdecken in einer extrem fernen Galaxie Sauerstoff. Der stammt vermutlich von der ersten Sternengeneration, die das Dunkle Zeitalter des jungen Universums beendete.

In einer extrem fernen Galaxie haben Astronomen Hinweise auf die Entstehung der ersten Generation von Sternen im Universum entdeckt. Bereits 250 Millionen Jahre nach dem Urknall müssen sich demnach dort die ersten Sonnen gebildet haben, wie die Forscher um Takuya Hashimoto von der Osaka Sangyo Universität und dem Nationalen Observatorium Japans im Fachblatt "Nature" berichten. Heute ist das Universum 13,81 Milliarden Jahre alt.

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Die Wissenschaftler hatten mit dem internationalen Radioteleskop Alma in den chilenischen Anden die Galaxie mit der Katalognummer MACS1149-JD1 ins Visier genommen. Dabei entdeckten sie ein sehr schwaches Leuchten von Sauerstoff, wie die Europäische Südsternwarte Eso in Garching mitteilte, die das Observatorium mitbetreibt. Aus der Beobachtung dieses Sauerstoffleuchtens ließ sich die Entfernung der Galaxie bestimmen. Sie ist demnach so weit entfernt, dass ihr Licht 13,3 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war, also fast das ganze Weltalter.

Fernster Sauerstoff, der bislang im All beobachtet worden ist

"Wir sehen die Galaxie heute so, wie sie zu der Zeit aussah, als das Universum erst 500 Millionen Jahre alt war", erläutert Ko-Autor Nicolas Laporte vom University College London in der Eso-Mitteilung. Der beobachtete Sauerstoff - der fernste, der bislang im Weltall beobachtet worden ist - muss jedoch in einer noch früheren Population von Sternen entstanden sein, denn nach dem Urknall enthielt das Weltall zunächst fast nur Wasserstoff und Helium. Alle anderen chemischen Elemente werden durch die Kernfusion in Sternen erzeugt, die sie zum Ende ihrer Existenz in die kosmische Umgebung schleudern.

"Wir sind also in der Lage, mit dieser Galaxie in eine noch frühere, völlig unbekannte Periode der kosmischen Geschichte einzutauchen", betont Laporte. Beobachtungen mit den Weltraumteleskopen "Hubble" und "Spitzer" zeigten der Eso zufolge, dass sich die Helligkeit der Galaxie gut durch ein Modell erklären lässt, bei dem die ersten Sterne dort bereits 250 Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden sind.

Kosmische Dämmerung

Damit nähern sich die Astronomen der Erkundung jener Epoche, die als kosmische Dämmerung bezeichnet wird und in der das Licht der ersten Sterne das sogenannte Dunkle Zeitalter des jungen Universums beendete. Wann dies genau stattfand, ist schwer zu bestimmen. Ein anderes Forscherteam hatte kürzlich indirekte Hinweise darauf entdeckt, dass sogar schon 180 Millionen Jahre nach dem Urknall die erste Sonnen aufgeflammt sind. Sie hatten im Echo des Urknalls, das als kosmische Hintergrundstrahlung durch jeden Winkel des Weltalls wabert, eine Art Schatten von Wasserstoff entdeckt.

Der Wasserstoff muss durch das ultraviolette Licht von Sternen angeregt worden sein, so dass er Teile der kosmischen Hintergrundstrahlung verschlucken konnte, argumentierte das Team um Judd Bowman von der Arizona State University ebenfalls in "Nature". Der detaillierten Analyse zufolge muss dies bereits 180 Millionen Jahre nach dem Urknall geschehen sein. Gesehen haben die Forscher die ersten Sterne allerdings nicht, das war mit ihrer Beobachtungstechnik auch nicht möglich.

Quelle: n-tv.de