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Panzerkiller der WehrmachtIm Hinterhalt wurde das Sturmgeschütz III zur tödlichen Waffe

10.05.2026, 15:01 Uhr
imageVon Gernot Kramper
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Ein Sturmgeschütz III mit langer 75-Millimeter-Kanone und seitlich angebrachten Panzerschürzen 1944 in der Sowjetunion. (Foto: picture alliance / SZ Photo)

Es zählt zu den effektivsten Waffen der Wehrmacht: Das Sturmgeschütz III wird als Infanteriebegleiter entwickelt und wandelt sich ab 1942 zum gefürchteten Panzerjäger. Seinen ersten Einsatz erlebt das StuG III im Mai 1940 beim Angriff auf Frankreich.

Einer der erfolgreichsten deutschen Panzerkiller gehörte nicht zu den populären Ikonen des Panzerbaus. Das Sturmgeschütz III war klein, unscheinbar und gerade deshalb besonders tödlich. Im deutschen System galt das StuG III nicht als Kampfpanzer, sondern gehörte zur Sturmartillerie. Die Deutschen fassten ihre "echten" Panzer in eigenen Verbänden zusammen, die unabhängig von der langsamen Infanterie schnelle Angriffe und tiefe Durchbrüche erzielten.

Infanterieeinheiten erhielten fahrbare, eher leicht gepanzerte Kanonen, die ihnen halfen, gegnerische Stellungen und Bunker direkt zu bekämpfen. Sie erfüllten die klassische Rolle eines Begleitpanzers, wie er bereits im Ersten Weltkrieg genutzt wurde. David Willey, Kurator des britischen Tank Museums, beschrieb es so: "Mobile Artillerie war die Idee. Eine Kanone, die die Infanterie beim Vorstoß mitnehmen konnte."

In Deutschland griff General Erich von Manstein in den 1930er Jahren diese Idee auf. Das Sturmgeschütz sollte Unterstände und MG-Nester gezielt unter Feuer nehmen. Das war eine völlig andere Rolle als jene des eigentlichen Panzers. Für das Geschütz nutzte man die Plattform des Panzer III – zu Beginn des Krieges der deutsche Standardkampfpanzer. Innerhalb der Wehrmacht führte das Programm zu Spannungen. Panzergeneräle wie Heinz Guderian befürchteten, dass das Parallelprogramm ihnen wichtige Ressourcen entziehen würde. Doch die Befürworter um Manstein setzten sich durch.

Anders als der Panzer III verzichtete das Sturmgeschütz auf einen drehbaren Turm - die Kanone ragte nach vorn. Sie ließ sich leicht schwenken, doch für größere Richtungsänderungen musste das gesamte Chassis gedreht werden. Dafür war das Sturmgeschütz so niedrig wie ein stehender Soldat. Seine kompakte Bauweise erleichterte die Tarnung im Gelände, was es besonders für Hinterhalte prädestinierte. Seine ersten Einsätze erlebte das Sturmgeschütz während des Westfeldzugs im Mai 1940.

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Ein Sturmgeschütz III mit "Stummel"-Kanone im Sommer 1941 beim Angriff auf die Sowjetunion. (Foto: picture alliance / SZ Photo)

Für seine ursprüngliche Aufgabe war das vergleichsweise kleine Fahrgestell mit einer 75-Millimeter-Kanone ausgestattet, während der Panzer III nur ein 50-Millimeter-Kaliber besaß. Um Sprenggranaten auf Gräben und Bunker abzuschießen, wählte man eine extrem kurze Kanone. Die 7,5-cm-StuK 37 L/24, genannt "Stummel", eignete sich nicht gegen gepanzerte Ziele, da ihre Mündungsgeschwindigkeit nicht ausreichte.

Das änderte sich 1942. In die Varianten F und später G baute man eine lange Kanone gleichen Kalibers ein: zuerst die 7,5-cm-StuK 40 L/43, ab Herbst 1942 die 40 L/48. Gleichzeitig verstärkte man die Panzerung. Die neue Hauptwaffe war eine der wichtigsten Kanonen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg und blieb bis Kriegsende eine wirksame Waffe. Das StuG III bewährte sich besonders in der Defensive, etwa nach der Schlacht um Kursk 1943, wo es in vorbereiteten Stellungen feindliche Panzer aus großer Entfernung ausschaltete.

Durch seine niedrige Silhouette und die Feuerkraft der Hauptwaffe wurde das StuG III zur gefürchteten Anti-Panzerwaffe. Die Sowjets entwickelten spezielle Taktiken, um der Bedrohung Herr zu werden. Das Sturmgeschütz besaß besonders an der Front wirksame Panzerung und war relativ langsam. Stießen die Sowjets auf eine Einheit, griffen sie nicht frontal an, sondern versuchten, die Deutschen zu umgehen und von der Flanke anzugreifen.

Das StuG III wurde zum meistgebauten Vollkettenfahrzeug der Deutschen und wurde in der Produktion gegenüber Panzermodellen stark priorisiert. Äußerlich wirkte es wie ein improvisiertes Fahrzeug, doch in der Herstellung war es deutlich kostengünstiger und einfacher als spätere Kampfpanzer. Ein Tiger kostete 260.000 Reichsmark, das StuG III nur 82.000. Eine Panzerabwehrkanone mit Zugfahrzeug kostete bereits über 40.000 Reichsmark.

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Insgesamt wurden etwa 10.000 Sturmgeschütz III gebaut. Obwohl das Geschütz ein wirksames Konzept war, konnte es die alliierten Panzer nicht aufhalten. Die USA stellten 50.000 Sherman M4 her, die UdSSR 80.000 T-34. Dem T-34 war das Sturmgeschütz III in Beweglichkeit überlegen, während Panzerung und Feuerkraft je nach Version und Einsatzbedingungen vergleichbar waren. Deutsche Besatzungen versuchten daher, aus gedeckten Positionen oder im Hinterhalt zu kämpfen, um angreifende sowjetische Panzer möglichst früh unter Feuer zu nehmen.

Dieser Text erschien in einer längeren Version zuerst bei stern.de.

Quelle: ntv.de

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