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Funkstille im Kontrollzentrum Indien verliert Kontakt zur Mondsonde

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Parabol-Antenne der indischen Raumfahrtorganisation Isro.

(Foto: dpa)

Die spektakuläre Reise zum Mond endet mit einem Fehlschlag: Der Kontakt zur Landefähre der indischen Mondmission bricht kurz vor dem Ziel ab. Unter den Augen von Premier Modi muss der Leiter der Mission das Scheitern bekanntgeben.

Der große Traum vom Sprung ins All ist vorerst geplatzt: Vier Wochen nach dem Start ist die indische Weltraum "Chandrayaan-2" kurz vor dem Höhepunkt der Reise zum Mond gescheitert. Der Kontakt zur Landefähre "Vikram" sei kurz vor dem geplanten Aufsetzen gegen 2.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr deutscher Zeit) abgebrochen, wie der Leiter der indischen Mondmission im Kontrollzentrum der Raumfahrtbehörde Isro im südindischen Bengaluru bestätigte. Was genau zu dem neuerlichen Fehlschlag führte, ist noch unklar.

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Das Manöver sei zunächst planmäßig verlaufen, dann sei aber der Kontakt zwischen der Landesonde und dem Kontrollzentrum am Boden abgerissen, berichtete die Isro. Die bis dahin übermittelten Daten würden nun ausgewertet. "Vikram" sollte in der Nähe des Mond-Südpols aufsetzen.

Die Sonde war gut zwölf Stunden zuvor in die Mondumlaufbahn eingeschwenkt. Das Manöver, das die Endphase des Mondflugs einleitete, begann um 9.02 Uhr Ortszeit (6.32 Uhr MESZ) und dauerte 29 Minuten, wie die indische Raumfahrtbehörde zuvor mitgeteilt hatte. In der Nacht auf Samstag sollte die Landeeinheit des indischen Mondflugprojekts dann eigentlich mit einem kleinen Rover an Bord auf der Mondoberfläche aufsetzen. Das Manöver sollte Indien zur vierten Raumfahrtnation machen, der eine weiche Landung auf dem Mond gelingt.

Die Endphase des Landeanflugs wurde live im Fernsehen sowie weltweit im Internet übertragen. Im Kontrollzentrum selbst wartete Indiens Premierminister Narendra Modi zusammen mit anderen prominenten Gästen auf den historischen Moment, der dann letztlich ausfiel. Betroffenes Schweigen machte sich breit, als deutlich wurde, dass die Sonde nicht mehr zu erreichen war. Premier Modi zeigte sich gefasst. Tröstend klopfte er den Isro-Verantwortlichen auf die Schulter.

"Chandrayaan" bedeutet auf Sanskrit "Mondfahrzeug". Ziel der 142 Millionen Dollar (rund 126 Millionen Euro) teuren Mission war es, die Oberfläche der Südpol-Region zu kartieren, den Boden zu analysieren und Wasser zu suchen. In der Region war Anfang 2019 schon die chinesische Sonde "Chang'e 4" gelandet. Eine israelische Sonde war dagegen im April nach einem technischen Fehler bei der Landung auf dem Erdtrabanten zerschellt.

Gratulation aus Deutschland

"Chandrayaan-2" ist die zweite Mission des südasiatischen Landes zum Mond. Die erste Mondsonde "Chandrayaan-1" war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen. Mit der Landung wollte das aufstrebende Schwellenland mit seine gut 1,3 Milliarden Einwohnern Raumfahrtgeschichte schreiben.

"Die indische Mission Chandrayaan-2 mit Orbiter, Landemodul und einem Mondrover ist hochkomplex und bereits mit dem Erreichen der Mondumlaufbahn ein großartiger Erfolg, zu dem wir unseren indischen Kollegen nur gratulieren können", hatte Hansjörg Dittus vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Vorfeld erklärt. "Schon Chandrayaan-1 war eine gelungene Demonstration der technischen und wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit des ehrgeizigen und anspruchsvollen indischen Raumfahrtprogramms. Insgesamt kommen 13 Experimente zum Einsatz, das sind hervorragende Aussichten für die Mondforschung".

Quelle: n-tv.de, mmo/joh/dpa/AFP

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