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Störung bei Broken-Heart-Syndrom Klemmts im Gehirn, stolpert auch das Herz

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Auslöser des Broken-Heart-Syndroms können Stress, Liebeskummer, Operationen, Stürze oder auch extreme Freude sein.

(Foto: imago/Photocase)

Ein Schicksalsschlag kann Herzschmerzen auslösen und sogar zum Tod führen. Beim sogenannten Broken-Heart-Syndrom spielt auch das Gehirn eine Rolle - welche, finden Hirn- und Herzmediziner nun erstmals heraus.

Der Verlust eines lieben Menschen - oder auch ein Lottogewinn - können aufs Herz schlagen und Symptome wie bei einem Herzinfarkt auslösen. Beim sogenannten Broken-Heart-Syndrom finden Forscher immer mehr Hinweise für den Einfluss des Gehirns auf die Herzfunktion. Nun findet ein Team von Hirn- und Herzmedizinern nach eigenen Angaben erstmals bei Patienten eine verringerte Kommunikation zwischen jenen Hirnregionen, die für Emotionen zuständig sind. Die Forscher um den Kardiologen Christian Templin vom Universitätsspital Zürich präsentieren ihre Arbeit im "European Heart Journal".

Auslöser des Broken-Heart-Syndroms - auch Stress-Kardiomyopathie oder Takotsubo-Syndrom genannt - können Stress, Liebeskummer, Operationen, Stürze oder auch extreme Freude sein. Stets sind Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin erhöht. Die Symptome gleichen denen eines Herzinfarkts - etwa Herzschmerzen, Engegefühl in der Brust und Atemnot. Sie werden jedoch nicht wie beim Infarkt durch verstopfte Gefäße verursacht, sondern die Herzkranzgefäße sind stressbedingt verkrampft. Dadurch und durch einen erhöhten Blutdruck wird der Herzmuskel geschwächt und die linke Herzkammer aufgebläht. Das Herz pumpt nicht mehr richtig - mit mitunter lebensbedrohlichen Folgen. Daher sollten Betroffene schnellstmöglich ins Krankenhaus.

Schlechtere Kommunikation in Hirnregionen von Patienten

Das Team um Templin hatte 2018 bereits gezeigt, dass es zwischen Broken-Heart-Patienten und anderen Menschen Unterschiede in einigen Hirnregionen gibt, die für die Verarbeitung von Emotionen wichtig sind. Die Aktivität verschiedener Hirnregionen analysierten die Forscher mit der sogenannten funktionellen Kernspintomographie. Sie verglichen das Hirn von 15 Patienten und 39 anderen Menschen. Ergebnis: Bei den Patienten kommunizierten Hirnregionen, die für die Verarbeitung emotionaler Prozesse zuständig sind, nicht so stark miteinander wie bei gesunden Kontrollprobanden.

Untersucht wurden unter anderem der Hippocampus, die Amygdala und der Gyrus cinguli, die für die Emotionskontrolle zuständig sind. Die beiden letzten Hirnregionen sind auch an der Kontrolle unbewusst gesteuerter Körpervorgänge wie dem Herzschlag beteiligt.

Funktionelle Veränderungen im Gehirn

Die Patienten wurden im Schnitt rund ein Jahr nach dem Ereignis untersucht. Ob das Broken-Heart-Ereignis Ursache der Veränderung war oder ob die Hirnveränderung bereits zuvor bestand, ist daher unklar. Wahrscheinlich aber seien die Patienten durch funktionelle Veränderungen im Gehirn anfällig für das Takotsubo-Syndrom, erläutert Templin.

Eine veränderte Kommunikation zwischen diesen Hirnregionen sei typisch für gesteigerten Stress, sagt der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, Hugo Katus. "Das kann auch dazu führen, dass in Stresssituationen - individuell unterschiedlich - mehr Stresshormone freigesetzt werden."

Hirnveränderungen mögliche Ursache für Broken-Heart-Syndrom

Es sei denkbar, dass Hirnveränderungen eine mögliche Ursache für das Broken-Heart-Syndrom sein könnten. "Die Daten zeigen, dass bei dem Takotsubo-Syndrom eine Störung der neuronalen Reizverarbeitung eine Rolle spielt. Aber dies ist meines Erachtens sicher nicht die einzige Ursache", sagt Katus, der die Herzklinik am Uniklinikum Heidelberg leitet.

"Andere Arbeitsgruppen wiesen auch molekulare Veränderungen in den Herzmuskelzellen selbst nach, so dass diese unter einem erhöhten emotionalen Stress mit kritischem Blutdruckanstieg nicht mehr ausreichend Kraft erzeugen können", erläutert Katus. Es könne also auch direkt im Herzmuskel Ursachen für das Syndrom geben, die noch unbekannt seien.

"Es gibt Registerdaten, die zeigen, dass ein bis fünf Prozent der Menschen, die mit Herzattacken in eine Klinik kommen, ein Broken-Heart-Syndrom haben", sagt Katus. Templin selbst meint, die Medizin solle der Neurokardiologie mehr Aufmerksamkeit schenken, um das komplexe Zusammenspiel zwischen Hirn und Herz zu verstehen.

Quelle: n-tv.de, Simone Humml, dpa

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