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Hobby-Sterngucker aufgepasst! Komet "Neowise" mit bloßem Auge sichtbar

Häufig ziehen Kometen an der Erde vorbei, doch die meisten sind nur mit Fernrohren zu sehen. Auf "Neowise" freuen sich daher nicht nur Hobby-Astronomen. Der helle Schweifstern ist in weiten Teilen Deutschlands mit bloßem Auge zu erkennen.

Eine Ewigkeit ist er durch die Tiefen des Sonnensystems gezogen, nun taucht der uralte kosmische Brocken an unserem Nachthimmel auf: Hobby-Sterngucker dürfen sich auf einen neuen Kometen freuen, der spannende Beobachtungsnächte verspricht. Der Komet "Neowise" mit der nüchternen Bezeichnung C/2020 F3 ist bis etwa zum Monatsende am Himmel zu sehen - erst mit bloßem Auge und später per Feldstecher.

Asteroiden, Meteoroiden, Meteoriten, Kometen

Millionen von Asteroiden und Kometen rasen durch das Sonnensystem. Unterschieden werden sie vor allem anhand ihrer Zusammensetzung; ganz klar definiert ist der Unterschied jedoch nicht. ASTEROIDEN sind die kleineren Geschwister der Planeten, sie bestehen aus Gestein und Metallen. Weil sie klein und leicht sind, bleibt ihre Bahn um die Sonne nicht unbedingt konstant, sondern kann sich durch die Gravitationskräfte anderer Körper verändern. Für sehr kleine Objekte mit weniger als einigen Dutzend Metern Durchmesser wurde die Bezeichnung METEOROIDEN eingeführt. Verglühen sie beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht komplett, sondern erreichen noch den Boden, werden sie METEORITEN genannt. Jeden Tag gelangen viele Tonnen kosmischen Materials auf die Erde, allerdings zum größten Teil als Staub. KOMETEN oder Schweifsterne sind ebenfalls Überreste der Entstehung des Sonnensystems und bestehen aus Eis, Staub und lockerem Gestein.

Gut sichtbar ist der Komet am 8. Juli in Hamburg und Berlin, am 9. Juli in Köln und Dresden, am 10. Juli im Raum Frankfurt am Main und einen Tag später zwischen Stuttgart und München. Derzeit taucht der helle Schweifstern - bei optimalen Beobachtungsbedingungen - kurz vor der Morgendämmerung auf, ganz, ganz tief am Horizont im Sternbild Fuhrmann.

In den kommenden Wochen wird es jedoch leichter, ihn am Sternenhimmel aufzufinden: Der Schweifstern gewinnt an Höhe über dem Horizont und wandert in Richtung des Großen Wagens - wobei er allerdings zugleich an Leuchtkraft verliert. Dafür geht er immer früher auf, sodass aus dem Beobachtungsobjekt in der Dämmerung eines für die tiefe Nacht und später für den Abendhimmel wird.

Überbleibsel der Sonnensystem-Entstehung

Zum Vergleich: Derzeit erstrahlt C/2020 F3 so hell wie ein heller Stern, schon bald wird er sich aber mehr und mehr der Helligkeitsgrenze nähern, an der Himmelsobjekte gerade noch mit bloßem Auge und fernab der lichtdurchfluteten Städte zu sehen sind.

Entdeckt wurde der Komet erst am 27. März, und zwar vom Weltraumteleskop "Wise". In den vergangenen Tagen durchlief der neue Schweifstern den sonnennächsten Punkt seiner Bahn - nun entfernt er sich wieder von unserem Zentralgestirn. Ein spektakuläres Foto des kosmischen Besuchers gelang vor wenigen Tagen einem Kosmonauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS.

Zwar ziehen häufig Kometen an der Sonne vorbei, doch die meisten sind nur in Fernrohren zu sehen. Sehr selten sind dagegen die spektakulär hellen Schweifsterne wie zum Beispiel die prächtigen Kometen Hale-Bopp und Hyakutake aus den 1990er-Jahren.

Kometen gelten als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Sie werden oft mit schmutzigen Riesen-Schneebällen aus Eis, Staub und Stein verglichen. Wenn diese Brocken sich auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus.

Ein Schweifstern als Unglücksbote

Auch wenn Hobby-Sterngucker in diesen Tagen dem Vorbeiflug des "Neowise"-Kometen hoffnungsfroh entgegensehen - nicht immer sahen die Menschen im Auftauchen eines Schweifsterns nur ein prächtiges Naturschauspiel. Jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten, die Hungersnöte, Krieg und Seuchen ankündigen.

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Denn die imposanten Exemplare unter den Schweifsternen hatten für unsere Vorfahren etwas Bedrohliches - weil sie plötzlich auftauchen, stellten sie aus damaliger Sicht die kosmische Ordnung infrage. Heute wissen die Forscher, dass Kometen vom Rand des Sonnensystems stammen und sich ihre Gas- und Staubschweife bei der Annäherung an die heiße Sonne bilden.

Zu den alten Mythen gesellt sich eine zwar sehr unwahrscheinliche, aber dennoch reale Gefahr: Der Einschlag eines Kometen auf der Erde könnte tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen. Vom Kometen C/2020 F3 geht jedoch definitiv keine Gefahr für unseren Planeten aus.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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