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Riffe bald in der Nordsee? Korallen flüchten in Richtung der Pole

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Bald könnten die Korallen in tropischen Regionen verschwinden.

(Foto: imago images / Design Pics)

Die wärmer werdenden Ozeane setzen den Korallenriffen in den Tropen zu. Doch statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, wandern die Nachkommen der Nesseltiere einfach in für sie angenehmere Gewässer aus. Forscher beobachten eine regelrechte Fluchtbewegung in Richtung der Pole.

Das Klima erwärmt sich und mit ihm das Wasser in den Ozeanen. Das stellt eine Gefahr für die tropischen Korallenriffe rund um den Äquator dar. Bereits jetzt kommt es aufgrund der steigenden Wassertemperatur immer wieder zu Korallenbleichen und dem Tod ganzer Riffe. Aber offenbar geben sich die Nesseltiere nicht einfach geschlagen, sondern suchen ihr Heil in kühleren Gefilden.

Wie ein Forscherteam um Nichole Price vom Bigelow Laboratory for Ocean Sciences in East Boothbay herausfand, wandert ein Teil des Korallennachwuchses in andere Regionen aus, wie die Forschungseinrichtung in einer Mitteilung schreibt. Ihre Fluchtrichtung: weg vom Äquator in Richtung Pole. Dabei zeigte sich nördlich und südlich des Äquators eine fast spiegelbildliche Entwicklung.

Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten zur geografischen Verbreitung junger Korallen aus den Jahren 1974 bis 2012 aus. Das Ergebnis: Junge Korallen scheinen sich zunehmend in subtropischen Gewässern auszubreiten. Während ihre Zahl in den Tropen um 85 Prozent zurückging, wuchs sie in subtropischen Regionen um mehr als das Doppelte an. "Der Klimawandel scheint Korallenriffe genauso umzuverteilen, wie er auch viele andere marine Spezies verschiebt", so Price. Die Deutlichkeit des Trends sei beeindruckend.

Die Forscher glauben jedoch, dass nur bestimmte Arten von Korallen in der Lage sind, neue Gebiete zu erreichen. Denn dies sei davon abhängig, wie weit die Larven schwimmen oder mit Strömungen mittreiben können, bis ihre begrenzten Fettreserven erschöpft sind. Unklar sei, ob die neuen Riffe mit der Vielfalt ihrer tropischen Pendants mithalten könnten.

Aber bedeutet das, dass wir in Zukunft, um Korallen beim Tauchen zu sehen, nur noch zur Nordsee reisen müssen? Die Studie geht in der Tat davon aus, dass die Wanderung der Korallenlarven in Richtung der Pole neue Riffe aus "Flüchtlings-Korallen" entstehen lassen könnten, die "neue Gelegenheiten für Fischfang und Tourismus" bringen könnten. Allerdings dürfte es räumliche Grenzen für die Korallen geben - etwa bedingt durch die zunehmend lichtschwächeren Winter auf den Weg zu den Polen. Die Forscher gehen daher davon aus, dass sich die künftigen "tropischen" Korallenriffe in einem relativ schmalen Bereich nördlich und südlich der heutigen tropischen Gewässer ansiedeln werden.

Quelle: n-tv.de, kst

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