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Massenhaft Plastiktüten schwimmen im Meer.
Massenhaft Plastiktüten schwimmen im Meer.(Foto: picture alliance / Mike_Nelson/e)
Dienstag, 12. Dezember 2017

Millionen Mikroteilchen im Meer: Krebse zerstückeln Plastiktüten

Plastiktüten sind praktisch. Doch die gebrauchten Tüten stellen weltweit ein Problem dar, vor allem, wenn sie in Meeren oder Flüssen landen. Dort werden sie oftmals gefressen, was zum nächsten Problem führt.

Plastikmüll treibt massenweise im Meer. Für Vögel und Meeresbewohner wird er oftmals zur tödlichen Gefahr. Aber auch für den Menschen kann er bedenklich werden, wenn er sich als Mikroplastik im Trinkwasser oder in Nahrungsmitteln wiederfindet. Forscher der University of Plymouth wollten nun wissen, welchen Einfluss Flohkrebse auf den Plastikmüll im Meer haben. Sie nahmen für ihre Untersuchung Tiere der Art Orchestia gammarellus, die vor allem vor den Küsten Europas leben, genauer unter die Lupe.

Eine Gruppe von Orchestia gammarellus auf einem Stein.
Eine Gruppe von Orchestia gammarellus auf einem Stein.(Foto: Auguste Le Roux, wikipedia)

Dafür legten die Forscher große Stücke aus verschiedenem Plastik in Aquarien mit Flohkrebsen. Einige der ausgelegten Teile waren mit einem sogenannten Biofilm aus Bakterien und Algen überzogen, andere nicht. Bekannt war bereits, dass auch Flohkrebse an den Tüten knabbern. Wie gründlich sie das tun, sahen die Forscher nun in ihren Versuchen. Die Flohkrebse zerfraßen die Plastikteile und schieden sie wieder aus. Es zeigte sich, dass so in relativ kurzer Zeit massenhaft Mikroplastikteile, die nur noch rund 0,5 Millimeter groß waren, entstanden. Der Verdauungstrakt der Flöhe allerdings wurde durch die Plastikteile überdehnt oder sogar zerrissen.

Millionen Mikroteilchen

Die Forscher konnten  durch ihre Versuche zeigen, dass ein einziger Floh zwei bis drei Mikroteile erzeugte, wenn er von den sauberen Plastikteilen fraß. Waren die Teile jedoch mit einem Biofilm überzogen, dann fraßen die Tiere vier Mal so schnell. Dementsprechend schied ein Tier im Durchschnitt 8,23 Mikroplastikstücke am Tag aus, so das Ergebnis der Untersuchung. Aus welcher Plastiksorte der ins Aquarium gelegte Kunststoff bestand, war dabei unerheblich.

Aus einer einzigen Plastiktüte machen die Flohkrebse rund 1,75 Millionen Mikroplastikteile, errechneten die Forscher aufgrund ihrer Ergebnisse und warnten, dass Organismen, die im Wasser leben, die Bildung von Mikroplastik in der Umwelt wesentlich verstärken könnten. "Jährlich werden schätzungsweise 120 Millionen Tonnen Einwegartikel aus Kunststoff, darunter vor allem Tragetaschen, produziert. Sie stellen bereits jetzt eine potenzielle Gefahr für das Leben im Meer dar", erklärte Professor Richard Thompson, der an der Untersuchung beteiligt war. "Die Ergebnisse zeigen, dass der Müll im Meer nicht nur ein ästhetisches Problem ist, sondern ernsthafte und anhaltende Umweltschäden verursachen kann", betont der Meeresbiologe weiter.

Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Marine Pollution Bulletin".

Quelle: n-tv.de