Nicht nur Mops und BulldoggeLeiden durch Qualzucht - diese Hunderassen trifft es

Schnaufende Atmung, ständige Überhitzung und Schlafstörungen sind für viele kurzköpfige Hunde Alltag. Eine neue Studie belegt nun, dass neben Möpsen auch Pekinesen und Japan Chins massiv betroffen sind. Weitere Rassen sind demnach mäßig gefährdet.
Von Französischer Bulldogge, Mops und Bulldogge ist bekannt, dass Hunde dieser Rassen häufig unter quälenden Atemproblemen leiden. Pekinese und Japan Chin seien ähnlich stark betroffen, berichten Wissenschaftler nun im Fachjournal "PLOS One". Auch bei ihnen sei das Risiko hoch für eine die Lebensqualität einschränkende Atemwegserkrankung: das Brachyzephalische Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS).
Betroffene Tiere atmen laut schnaufend oder röchelnd und überhitzen im Sommer sowie bei Belastung sehr schnell. Typische weitere Symptome sind Maulatmung, Ohnmachtsanfälle, Erbrechen und Schlafstörungen. Die Hunde haben ein höheres Risiko für Herzprobleme und tödliche Atemnot. Mitunter müssen Tiere eingeschläfert werden, um sie von ihrem Leid zu erlösen.
Bewusst geförderte Optik, die viel Leid verursacht
Bekannt ist das Problem vor allem von Rassen wie dem Mops, denen ein flaches Gesicht mit extrem kurzer Schnauze angezüchtet wurde - und die deshalb als Qualzucht gelten. Dies bezeichnet die Zucht von Tieren, bei denen bestimmte Merkmale bewusst gefördert werden, obwohl sie das Wohlbefinden und die Lebenserwartung erheblich beeinträchtigen.
Den Forschenden um Francesca Tomlinson von der University of Cambridge sind fast 90 Prozent der Pekinesen und mehr als 80 Prozent der Japan Chins von BOAS betroffen. Damit sei die Erkrankung bei ihnen ähnlich häufig wie bei Möpsen, Französischen Bulldoggen und Bulldoggen.
Fünf Rassen wurden als mäßig gefährdet eingestuft: King Charles Spaniel, Shih Tzu, Brüsseler Griffon, Boston Terrier und Bordeauxdogge. Bei ihnen waren jeweils die Hälfte bis drei Viertel der untersuchten Hunde betroffen.
Bei Staffordshire Bullterrier, Cavalier King Charles Spaniel, Chihuahua, Boxer und Affenpinscher wiesen zwar die Hälfte der Hunde gewisse Atemgeräusche auf, nur wenige Tiere waren aber klinisch relevant erkrankt.
Dauerhaft in Atemnot
BOAS ist eine chronische Erkrankung, die auf züchterisch bedingte anatomische Veränderungen zurückgeht, die die oberen Atemwege verengen. Ihr als süß empfundenes Aussehen bezahlen flachgesichtige Hunde mit oft dauerhafter Atemnot. Betroffene Tiere können zum Beispiel kaum toben, weil sie sofort außer Atem sind. Ihre Atmung ist selbst in Ruhe schwer und laut.
Neben der Bewegung sind der Schlaf und die Fähigkeit beeinträchtigt, mit Hitze und Stress umzugehen. Bei vielen klinisch betroffenen Hunden ist ein chirurgischer Eingriff nötig, wie es in der Studie heißt.
Übergewicht verstärke die Probleme, erläutert das Team um Tomlinson. Die Auswertung zeige zudem, dass BOAS hinsichtlich Häufigkeit und Schweregrad nicht nur zwischen flachgesichtigen Hunderassen, sondern auch innerhalb einer Rasse erheblich variiert. Tiere mit im Vergleich besonders breitem und kurzem Kopf haben beim Staffordshire Bullterrier zum Beispiel eher Atemwegsprobleme.
Die Forschenden hatten rund 900 erwachsene Hunde in ihre Analyse einbezogen. Bewertet wurde die Atmung vor und nach einem dreiminütigen Belastungstest. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen der relativen Schnauzenlänge und dem BOAS-Risiko komplexer ist als allgemein angenommen", sagte Mitautor David Sargan. Der King Charles Spaniel zum Beispiel sei eine Rasse mit extrem kurzem Schädel - dennoch seien 40 Prozent der untersuchten Tiere dieser Rasse nicht von BOAS betroffen gewesen.
Mehr Bewusstsein bei Interessenten und Züchtern
Mit ihrer Untersuchung wollen die Wissenschaftler mehr Bewusstsein für Qualzucht und ihre Folgen erreichen - bei Menschen, die mit einem Tier einer solchen Rasse liebäugeln, und bei Züchtern, die gezielt weniger belastete Tiere für die Vermehrung auswählen könnten, statt allein auf Optik zu achten. Auch die Preisrichter bei Ausstellungen sollten mit BOAS verbundene Merkmale gezielter nicht auch noch belohnen.
Als Qualzucht zählt auch die Zucht von Hunden mit bestimmten Fellfarben, die durch das Dilute-Gen oder das Merle-Gen hervorgerufen werden. Hunde mit Merle-Gen haben oft Seh- oder Hörprobleme, das Dilute-Gen kann zu Haut- und Haarschäden führen. Zu den betroffenen Rassen zählen Australian Shepherd, Französische Bulldogge und Weimaraner.
Zu immensen Problemen für die Tiere hat zudem die Zucht besonders großer oder kleiner Hunde geführt. Riesenrassen wie Deutsche Dogge und Mastiff sind oft von Gelenkprobleme und Herzkrankheiten betroffen, sogenannte "Teacup"-Winzlinge wie Chihuahua und Toy-Pudel sind anfällig unter anderem für Herzfehler und neurologische Störungen.